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Radschnellwegenetz mit hohen Hürden

Kein neues Thema für die Stadt / Verbesserung der Nahmobilität

In einer aktuellen Pressemitteilung werben die Wormser Grünen für ein Netz aus Radschnellwegen Worms, dass die Vororte mit dem Zentrum verbindet und die Nibelungenstadt in die Planungen der Metropolregion Rhein-Neckar einklinkt. „Radschnellwege sind in der Raumplanung eine noch junge Entwicklung, für die Stadt Worms jedoch kein neues Thema, wie Bündnis 90/Die Grünen glauben machen wollen“, macht Baudezernent Uwe Franz deutlich.

Die Verwaltung beschäftige sich seit 2014 im Rahmen des „Stadtentwicklungskonzeptes Mobilität“ auch mit dem Thema Radschnellwege, so Franz. Im Rahmen dieses Projektes sollen zukünftige Stadt- und Verkehrsplanungen in einem integrierten Gesamtkonzept beurteilt werden können. Für die Bearbeitung des Konzeptes ist ein Zeitraum von vier Jahren vorgesehen. 2015/16 wurden für die Bestandsanalyse und Bewertung umfangreiche Verkehrserhebungen in Form von Verkehrszählungen an ausgewählten Knotenpunkten und  Straßenquerschnitten sowie Verkehrsbefragungen an den Stadteingängen durchgeführt. Zusätzlich wurde im Herbst 2015 eine Haushaltsbefragung zur Mobilität der Wormser Bürger durchgeführt. Das Ergebnis der Haushaltsbefragung wurde Ende Juni 2016 dem Bauausschuss und der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Bestandsanalyse, die die Grundlage für das neue Verkehrsmodell der Stadt Worms bildet,  wurde in der Sitzung des Bauausschusses am 26. Januar 2017 präsentiert. Im Jahr 2017 sollen Modellberechnungen und Szenarienentwicklungen (Prognosen) bearbeitet werden. Für 2018 sind dann sektorale Maßnahmenkonzepte vorgesehen. Das „Stadtentwicklungskonzept Mobilität“ als Fortschreibung des bisherigen Verkehrskonzeptes werde konkreter die vorhandenen Potentiale zur Förderung des Rad- und Fußgängerverkehrs sowie des ÖPNV aufzeigen (umfassendes Mobilitätsmanagement), erläutert der Baudezernent. „Deshalb, ja zu Radschnellwegen, aber unter Berücksichtigung des gesamten, umfassenden Mobilitätsmanagements“, betont Franz. Dies wurde bereits in der Sitzung des Stadtrates am 16.12.2014 beschlossen; dort wurde u.a. auch das Thema „Fahrradstraßen“ unter den Schwerpunkten zur Verbesserung der Nahmobilität genannt.

Ein Radschnellweg ist eine direkte und durchgängige Radwegeverbindung, die mehr Komfort und Sicherheit bietet als übliche Fahrradwege. Radschnellwege  führen den Radverkehr möglichst kreuzungsfrei und getrennt von anderen Verkehrsmitteln. Kriterien hierfür sind beispielsweise die Fahrbahnbreite, durchdachte Lösungen für Kreuzungsbereiche sowie Zugänge zu Fahrradmietsystemen, dem öffentlichen Personennahverkehr und Service-Stationen für Fahrräder.

Rhein-Neckar gehört dabei zu den Metropolregionen in Deutschland, die bereits konkrete Pläne für Radschnellwege verfolgen. Im Projekt „Radschnellweg Rhein-Neckar“ prüft der Verband Region Rhein-Neckar daher momentan prioritär den Bau eines solchen Premiumradwegs, der auf rund 40 Kilometern von Heidelberg über Mannheim und Ludwigshafen nach Schifferstadt führen soll. Grundlagen für die Machbarkeitsstudie, die Ende 2016 zum Abschluss gebracht wurde, waren eine zu diesem Zweck geschlossene Kooperationsvereinbarung der beteiligten fünf Stadt- und Landkreise Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen, Rhein-Neckar-Kreis und Rhein-Pfalz Kreis sowie das im „Einheitlichen Regionalplan Rhein-Neckar“ ausgewiesene, regionalbedeutsame Radwegenetz. Bei den weiteren Planungen sollen zudem Verkehrskonzepte und das Mobilitätsmanagement großer Arbeitgeber sowie Zulauftrassen zu den Mittelzentren der Region, z.B. Worms, berücksichtigt werden, um den Anschluss an die umliegenden Teilregionen zu gewährleisten. Wir sind in den Beratungen des Planungsausschusses des Verbandes Region Rhein-Neckar sowohl an diesem Pilotprojekt beteiligt, also auch über zukünftige Planungen beteiligt.

„Deutlich wurde dabei aber auch, dass die Initiative „Radschnellweg Rhein-Neckar“ der Metropolregion zu einem frühen Zeitpunkt erfolgte, zu dem noch keine abschließend ausgearbeiteten Förderprogramme vorlagen“, weiß Uwe Franz. Radschnellwege sind effektiv, ökologisch sinnvoll und verhältnismäßig günstig – darin sind sich Politiker und Städteplaner einig. Doch wer soll sie finanzieren? Für Radinfrastruktur sind in Deutschland normalerweise die Länder und Kommunen verantwortlich, diese können die Baukosten von Radschnellwegen aber nicht alleine stemmen. Weil Radwege in der Regel keine bundesweite Bedeutung haben, erklärte die Bundesregierung in den letzten Jahren, Radschnellwege gehörten nicht in die Zuständigkeit des Bundes.

Im neuen Bundesverkehrswegeplan 2030 gibt es jedoch erstmals einen Passus zur Zukunft des Radverkehrs. Man wolle sich künftig im Rahmen der verfassungsrechtlichen Möglichkeiten stärker am Bau von Radschnellwegen beteiligen, heißt es in dem Abschnitt. Beispielsweise ist eine Förderung dann machbar, wenn Radschnellwege im Umfeld von Bundesfernstraßen verlaufen. Der Bau von Radschnellwegen soll mit voraussichtlich 25 bis 30 Millionen Euro bundesweit unterstützt werden, worauf auch die Wormser Grünen in ihrer Pressemitteilung hinweisen. Um diese Finanzierung zu ermöglichen, die bisher ausschließlich in die Verantwortung der Bundesländer und Kommunen fällt, soll das Bundesfernstraßengesetz geändert werden. Die konkreten Rahmenbedingungen und Fördermodalitäten sind allerdings noch nicht bekannt. Klar ist jedoch: der Förderkatalog hat es in sich. Mindestens vier Meter breit muss ein Radschnellweg demnach sein sowie zehn Kilometer kreuzungsfrei, das heißt, er darf keine Ampeln und Überwege enthalten. Außerdem sollten pro Tag 2.000 Pendler-Fahrten nachgewiesen werden. Können diese Kriterien nicht erfüllt werden, gibt es auch kein Geld vom Bund. „Damit geht aus unserer Sicht das Bundesförderprogramm an dem, was wir brauchen, gänzlich vorbei“, unterstreicht Franz. Allerdings arbeite das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium daran, dass die Förderkriterien angepasst würden. Eine Finanzierung ohne mögliche Förderung sei für Worms derzeit und auch in naher Zukunft nicht möglich, macht der Baudezernent deutlich. 

Die Zahlen machen es deutlich: Die baulichen Vorgaben fordern nicht nur eine Mindestbreite der Schnellwege von mindestens vier Metern, sondern müssen außerdem in bebauten Bereichen beleuchtet sein. Für die Asphaltierung müssen Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt werden. Bei einem Ausbau eines vier Meter breiten Radschnellweges muss mit Kosten von ca. 500 Euro pro laufendem Meter gerechnet werden. Das bedeutet, für einen km Radschnellweg werden rund 500.000 Euro benötigt. „Für eine Strecke von zehn Kilometern müssten wir also mit fünf Millionen Euro kalkulieren“, rechnet Franz vor. Weitere Kosten für Beleuchtung, Ausgleichsflächen und Grunderwerb sind in der Summe noch nicht enthalten. Hinzu komme, dass sich die von den Grünen vorgeschlagenen Maßnahmen nur teilweise umsetzen ließen, macht der Baudezernent deutlich. Aus Richtung Norden besteht beispielsweise bereits ein asphaltierter Radweg direkt am Rhein und ein neu gebauter entlang der Parallelentlastung. Eine Verbreiterung auf die erforderlichen vier Meter ist bei beiden nicht möglich. Es müsste ein neuer Weg geschaffen werden, was im Hinblick auf die bereits bestehenden Radwege unsinnig wäre. Von Pfeddersheim nach Pfiffligheim entlang der Pfrimm ist ein Radschnellweg wegen des zu beachtenden Naturschutzes ebenfalls nicht möglich. „Ein vier Meter breiter, asphaltierter Radweg würde hier nicht genehmigt werden“, ist sich Franz sicher. Dieser könnte vermutlich nur entlang der alten B 47 geführt werden. Hierfür müsste jedoch zunächst Grund erworben werden oder man müsste nach der Umsetzung der Krankenhaustangente und der Abstufung der alten B 47 einen Teil der vorhandenen Fahrbahn dazu nutzen, so Franz. 

 

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

Ein Kommentar für "Radschnellwegenetz mit hohen Hürden"

  1. Sascha Dupuis sagt:

    Kann man nicht einfach mal machen, statt immer nur alle möglichen Bedenken vorzutragen?

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