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11.17 Uhr | 10. September 2019

Regenschirme rocken am Rande der Rennstrecke

Nibelungenlauf 2019: 2.000 Läufer aus 40 Nationen feiern trotz Nieselregens und kühler Temperaturen Lauf-Party in Worms

Mit über 130 Startern aus etlichen Nationen stellte das weltweit agierende Wormser Unternehmen Renolit SE die mit Abstand größte Firmengruppe beim Nibelungenlauf. Mit Massimo Baldo aus Italien hatte Renolit SE überdies 2019 den Zweitplatzierten im Halbmarathon in seinen Reihen. Foto: Marcus Diehl

VON JÜRGEN JAAP | Es nieselt. „Erstmals überhaupt haben wir bei der 16. Auflage einen verregneten Nibelungenlauf“, lässt Nibelungenlauf-Cheforganisator Dieter Holz wissen. Na und … Das scheinen nicht allein die Trikots vieler Teilnehmer der insgesamt 2000 Läuferinnen und Läufer aus 40 Nationen mit der Aufschrift „Heul nicht. Lauf!“ oder in der englischen Version „Don’t cry. Run!“ erahnen. Läufer sind keine Weicheier. Ein bisschen Regen, ein wenig Schlamm und kühle Temperaturen knapp unter 15 Grad Celsius können der Vorfreude auf den Lauf durch die Nibelungenstadt keinen Abbruch tun. Also richtet der Wormser Oberbürgermeister Adolf Kessel schon mal die Startpistole. Punkt 10 Uhr am Sonntagmorgen schickt der einstige Polizist und passionierte Läufer, der selbst fünfmal beim Nibelungenlauf teilnahm und eine Bestzeit von knapp unter einer Stunde über die zehn Kilometer stehen hat, die „laufwillige Horde“ in drei Etappen über fünf und zehn Kilometer, sowie einen Halbmarathon über gut 21 Kilometer auf die Strecke vom Festplatz quer durch die Wormser Innenstadt.

Ein Hauch brasilianischer Lebensfreude am Start

Manche allerdings muss Moderator Veit Berthold ganz besonders motivieren. Fünf gebürtige Brasilianerinnen aus ganz Deutschland wollen vor dem Start erstmal Samba im lila Tüll tanzen. „Wir joggen zusammen, haben uns in Worms zum Nibelungenlauf verabredet, machen heut’ Party“, sagt Andreia Mormann, die aus Belo Horizonte in Brasilien stammt. Zusammen mit Gloria, Karolin, Kelen und Sonja geht’s erst dann auf die Strecke, als Veit Berthold den Ohrwurm der britischen Rockband Queen auflegen lässt. „We will, we will rock you“, heißt es da im Refrain des Songs. Auf den Nibelungenlauf 2019 umgedichtet bedeutet das: „Auf geht’s, lasst uns Worms laufend rocken.“ Schuss – und ab geht die Post auch für die fünf „Divas on the route“. Die Regenschirme am Rande der Rennstrecke rocken im Rhythmus mit. Da ist Schwung drin unter der Menschenschlange, die sich flugs auf den Weg macht.

Eine Handvoll Brasilianerinnen im lila Tüll verwandelten die Startzone beim Frauenlauf über fünf Kilometer mit ihrem südamerikanischen Temperament in eine Samba-Party. Foto: Marcus Diehl

Familien laufen Generationen übergreifend mit

Nur einer geht’s ganz gemütlich an. Helmut Emler setzt sich erst einmal ans Ende des Feldes. „Ich lauf’ mein eigenes Tempo“, sagt der honorige Ü60-Läufer aus Worms-Horchheim, der unter anderem dem Wirtschafts- und Verwaltungsrat des Fußball-Oberligisten VfR Wormatia Worms vorsteht. Beim 16. Nibelungenlauf ist fast die komplette Familie Emler-Rupp unterwegs. Enkelin und Kunstrad-Fahrerin Luisa Rupp vom VfH Worms läuft für das Eleonoren Gymnasium Worms. Auch Harald Rupp ist mit unter einer Stunde über zehn Kilometer voll im Soll. „Wir haben zusammen am Eisbach in Horchheim trainiert“, gibt Harald Rupp Einblick in die gemeinsame Vorbereitung von Vater und Tochter. Am Rande der Strecke drücken Luisa’s Oma Waltraud und Mutter Tanja Emler-Rupp feste die Daumen. „Familiensache ist Ehrensache“, betont Helmut Emler, der nach fünf Jahren Abstinenz vom Nibelungenlauf heuer wieder die Laufschuhe schnürte. Viele Familien aus Worms befinden sich unter den Teilnehmern, gleich ob auf oder neben der Strecke.

Firmen, Schulen und Vereine sind gut im Rennen

Und etliche feiern mit ihrer Firma ein ganz besonderes Fest, wie es etwa das in Worms gegründete und inzwischen weltweit tätige Unternehmen Renolit SE macht. „Der Nibelungenlauf zählt für uns zu einem der wichtigsten Treffen unserer Niederlassungen in aller Welt“, berichtet Carolina Guichet aus Argentinien davon, dass die Renolit SE seit 13 Jahren beim Nibelungenlauf in Mannschaftsstärke dabei ist. 130 Starter aus 17 internationalen Standorten in den USA, Frankreich, Argentinien, Spanien, Italien, Niederlande, China, Großbritannien und natürlich aus Deutschland sind 2019 dabei. „Alle kommen am Freitag, machen eine Führung durch die Nibelungenstadt, dann steht zur Stärkung eine Pasta-Party bei Renolit an und schließlich das Highlight Nibelungenlauf“, erzählt Organisatorin Carolina Guichet weiter. Viele Firmen schätzen das Flair des Nibelungenlaufs. Und OB Adolf Kissel fügt an: „Das gilt ebenso für fast alle Wormser Schulen und zahlreiche Vereine der Nibelungenstadt. Man läuft zusammen.“ Als Schule, als Verein, als Firma, als Hobbysportler und manche auch als Läufer, die sportlich ambitioniert Bestzeiten jagen. All das macht das sympathisch entspannte Ambiente des Nibelungenlaufs aus.

Drei Generationen der Wormser Familie Emler-Rupp mischten beim 16. Nibelungenlauf 2019 mit: Helmut Emler beim Ü60-Lauf, Luisa Rupp und ihr Vater Harald Rupp über zehn Kilometer. Tanja Emler-Rupp (Zweite von rechts) feuerte am Rande der Strecke ihre Familie fleißig an. Foto: Marcus Diehl

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Geschrieben in Sport, Sport-Mix

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