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22.49 Uhr | 9. September 2019

Rückenwind aus Worms für Heim-WM

Turn-Länderkampf der Frauen: Turn-Team Deutschland siegt bei letztem Test vor Turn-Weltmeisterschaften in Stuttgart 2019 / Mehrkampf-Erfolg für Elisabeth Seitz

Hat sich nach einen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel in Worms wieder zurück gemeldet: Sophie Scheder präsentierte sich bei der zweiten und letzten Qualifikation für die Turn-WM mit einem dritten Rang im Mehrkampf gut in Form. Ob die Olympia-Bronze-Medaillen-Gewinnerin am Stufenbarren von Rio de Janeiro 2016 in Stuttgart einen ähnlich großen internationalen Erfolg feiern kann? Foto: Felix Diehl

VON JÜRGEN JAAP | Berlin – Stuttgart – Worms – Stuttgart – Tokio. Zwischen die Deutsche Meisterschaft Anfang August 2019 in der deutschen Hauptstadt Berlin, die erste WM-Qualifikation in Stuttgart, die Turn-Weltmeisterschaften im Oktober 2019 in der Hauptstadt von Baden-Württemberg und Olympia 2020 in der japanischen Weltmetropole Tokio hat sich ein „kleines rheinhessisches Dörfchen“ geschmuggelt. Am Samstagmittag bestritt das Turn-Team Deutschland in einem Länderkampf der Frauen in Worms gegen Belgien, Frankreich und ein Mixed-Team mit zwei schwedischen Turnerinnen den letzten und entscheidenden Qualifikations-Wettkampf für die Weltmeisterschaften in vier Wochen in der schwäbischen Metropole Stuttgart. Großer olympischer Sport am Samstagmittag in den Sporthallen des Wormser Bildungszentrums. Deutschland gewann vor Belgien und Frankreich. Elisabeth Seitz, 22-fache Deutsche Meisterin, WM-Dritte am Stufenbarren und zweifache erfolgreiche Olympia-Teilnehmerin 2012 und 2016, aus Heidelberg gewann dazu noch den Mehrkampf vor der Französin Aline Friess und Sophie Scheder aus Wolfsburg.

Wormser Turn-Fans verbreiten in ausverkauftem BIZ WM-Stimmung

Einen international derart hochwertigen sportlichen Wettkampf gab es zuletzt in Worms bei den EWR-Masters 2016, einem internationalen Tischtennis-Turnier in der Vorbereitung auf Olympia in Rio de Janeiro / Brasilien 2016 mit der kompletten Deutschen Olympia-Tischtennis-Mannschaft. Ausrichter damals: TV Leiselheim. Und auch 2019 war es wiederum das Team des TV Leiselheim um Frank Schembs, der zusammen mit dem Rheinhessischen Turnerbund und dem Nibelungen-Turngau Worms, das hochkarätig besetzte Mega-Event nach Worms holte. Im ausverkauften Haus der Sporthallen des Wormser Bildungszentrum sorgten 1147 begeistert mitgehende Turn-Fans für eine Gänsehaut-Stimmung, die einen Vorgeschmack auf die Turn-WM in Stuttgart bot. Ulla Koch, die Deutsche Bundestrainerin der DTB-Frauen, sprach von „einer fantastischen Atmosphäre in Worms“ und von „Rückenwind für die Heim-WM“. Frank Schembs, der Vorsitzende des Nibelungen-Turngau Worms fasste sich kurz: „Ich bin geflasht!“

Seitz, Scheder und Voss überzeugen mit klasse Leistungen

„Geflasht“ haben die 24 Turnerinnen aus Deutschland, Belgien, Frankreich und Schweden auch das faszinierte Publikum. Speziell den deutschen Frauen Kim Bui (MTV Stuttgart, 30 Jahre), Emelie Petz (TSG Backnang, 16), Pauline Schäfer (TuS Chemnitz-Altendorf, 22), Sophie Scheder (TuS Chemnitz-Altendorf, 22), Elisabeth Seitz (MTV Stuttgart, 25) und Sarah Voss (TZ DSHS Köln, 19) merkte man an, dass es ernst wurde im Kampf um die fünf Nominierungs-Plätze für das Turn-Team Deutschland bei der WM in Stuttgart. „Dieses Mal ist die Nominierung so schwer wie nie zuvor“, sah sich Bundestrainerin Ulla Koch zwar erfreut ob der tollen Leistungen, die ihre Mädels fast durch die Bank weg ablieferten, einfacher wird die Nominierung aber Ende dieser Woche deshalb nicht. Sophie Scheder (Olympia-Bronze am Stufenbarren in Rio de Janeiro 2016) und Sarah Voss (Dreifache Deutsche Meisterin 2019 inkl. Mehrkampf-Titel) zeigten ein prima Comeback nach langer Verletzungspause. Und für die routinierte Elisabeth Seitz freute sich Ulla Koch („Dieser Sieg im Mehrkampf mit guten 54,600 Punkten gibt ihr viel Selbstvertrauen“) ganz besonders.

Elisabeth Seitz begeisterte das fachkundige Wormser Publikum mit turnerischen Höchstleistungen an allen vier Geräten wie etwa am Stufenbarren. Der 25-jährige deutsche Turnstar aus Heidelberg gewann den Mehrkampf im Länder-Vergleichskampf der Frauen zwischen Deutschland, Belgien und Frankreich bei der Generalprobe für die Weltmeisterschaften in Stuttgart in einem Monat vor der Französin Aline Friess. Foto: Felix Diehl

Weltklasse-Leistungen im Minutentakt

Überhaupt: Was in den knapp drei Stunden an hochklassigem Sport an den vier Geräten beim Sprung, am Stufenbarren oder auf dem Boden und dem Schwebebalken, dem „Angstgerät“ vieler Turnerinnen, geboten wurde, darf man guten Gewissens mit „absoluter Weltklasse“ beschreiben. Höchst spektakulär etwa die Weltklasse-Übungen der amtierenden belgischen Weltmeisterin Nina Derwael am Stufenbarren mit dem absoluten Tages-Höchstwert von ausgezeichneten 15,300 Punkten. Auch Pauline Schäfer, die Weltmeisterin am Schwebebalken von Montreal / Kanada 2017, begeisterte mit dem nach ihr benanntem Schäfer-Salto, einem schwierigen Seitwärts-Salto, auf dem gerade einmal zehn Zentimeter breiten Balken aus Holz. Und die Turn-Fans? Die kamen voll auf ihre Kosten, zumal das Turn-Team Deutschland mit ausgezeichneten 163,800 Punkten am Ende recht klar vor Belgien (161,250 Punkte), Frankreich (161,150 Punkte) und dem Mixed-Team (153,450 Punkte) gewann. Dazu noch der Mehrkampf-Sieg der in der deutschen Turnszene und auch international sehr beliebten Elisabeth „Eli“ Seitz im Mehrkampf, die ihrer Rolle als „Front-Frau“ des DTB (Deutscher Turnerbund) einmal mehr nicht nur in Millionen-Städten, sondern auch in der rheinhessischen Nibelungenstadt Worms gerecht wurde.

 

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Geschrieben in Sport, Sport-Mix, Turnen

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