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Rugby Club feiert 20-jähriges Jubiläum

Im Jahr 2019 feiert der Wormser Rugby Club sein 20-jähriges Bestehen / 260 Mitglieder, neun Mannschaften und jede Menge Spaß und viel Erfolg

Das „Gedränge“ ist eine der Standardsituationen beim Rugby.

Von Gernot Kirch Im Jahr 2019 feiert der Wormser Rugby Club seinen 20. Geburtstag. Sicher, 20 Jahre sind keine Ewigkeit und andere Vereine in der Nibelungenstadt feiern schon ihren 100. Geburtstag. Dennoch lohnt sich ein Rückblick auf das bisher Geleistete. Die Entwicklung des Wormser Rugby Clubs verlief dabei wie das Leben eines jeden von uns, es gab Hochs und Tiefs. Die positive Entwicklung ist aber unverkennbar. Inzwischen zählt der Verein 260 Mitglieder, davon 110 Aktive, die in neun Mannschaften dem Leder-Ei hinterherjagen. Bevor wir zur Gegenwart kommen, lohnt sich ein Blick zurück, auf die Anfangszeit der Rugby-Szene in Worms.

Anfänge auf der Bürgerweide

Wie so viele rheinhessische Ideen begann auch die Geschichte des Wormser Rugbys beim Wein, genauer gesagt, auf dem Herrnsheimer Schlossfest. Es muss 1994 oder 1995 gewesen sein, so exakt weiß dies heute niemand mehr. Ein paar junge Freunde, die auf der Bürgerweide häufig Fußball spielten, saßen zusammen, scherzten und alberten herum. Irgendwann drehte sich das Gespräch um Sport und plötzlich um Rugby. Aber viel mehr, als dass zwei Mannschaften in quergestreiften Trikots hinter einem Ei herjagen, wusste kaum einer der Anwesenden.

Da erging es ihnen übrigens so wie heute noch vielen Wormsern. Doch je länger sie über Rugby philosophierten, desto mehr stieg die Lust, es selbst einmal zu probieren und die Kräfte zu messen. Am nächsten Tag, bei klarem Kopf und nach reiflicher Überlegung, wurde die Idee immer noch für gut befunden. Was folgte, war ein begeistertes, aber noch relativ unstrukturiertes Hantieren mit dem Lederei, das nun aber regelmäßig auf der Bürgerweide stattfand. Über mehrere Jahre entstand so ein enthusiastischer Rugby-Freundeskreis, wenn es an der Finesse des Spiels auch noch haperte. Einen der härtesten Gegner stellten die Abenheimer Jungs dar. Dieses begeisterte, aber ungestüme Wetteifern ging so lange, bis eines Tages ein Argentinier den Platz betrat. Der Name des Gauchos war Federico Guichet. Dieser schüttelte beim ersten Besuch ein wenig resigniert den Kopf, doch überwog die Freude, endlich wieder seinem Sport nachgehen zu können. In Argentinien, einer großen Rugby-Nation, spielte Guichet in der 1. Liga. Innerhalb kürzester Zeit formte der Südamerikaner eine richtige Mannschaft. Jetzt ging es Schlag auf Schlag. Noch im selben Jahr erfolgte die Gründung des Wormser Rugby Clubs mit Federico Guichet als Vereinsvorsitzendem. Der sympathische Südamerikaner sollte den Verein seit 1999 entscheidend voranbringen. Sein Name und der Wormser Rugby Club sind untrennbar miteinander verbunden. 

Seit 20 Jahren gehört der Wormser Rugby Club zur Sportszene der Nibelungenstadt.

Seit 20 Jahren gehört der Wormser Rugby Club zur Sportszene der Nibelungenstadt.

Vereinsgründung 1999 auf der Bürgerweide

Mit der offiziellen Vereinsgründung im Jahr 1999 setzte auch das strukturierte Arbeiten und Trainieren ein. Zunächst hieß der Coach Federico Guichet. Der RC Worms trat in den folgenden Jahren in der Rheinland-Pfalz-Liga an. Dies war die dritthöchste deutsche Spielklasse. Wobei zur Ehrlichkeit auch gehört, dass es im deutschen Rugby-Sport je nach Bundesland nur drei oder vier Spielklassen gibt. Dennoch war es eine beeindruckende Leistung, dass sich die Wormser Mannschaft innerhalb nur weniger Jahre nach der Gründung in der Liga etablierte und dort auch eine gute oder gar dominierende Rolle spielte. Maßgeblichen Anteil am Erfolg hatte Andreas Hacker, der nun als Spielertrainer fungierte. Andreas Hacker war ein weiterer Glücksfall für die Nibelungenstadt. Der Nationalspieler wechselte von einem Heidelberger Bundesligisten nach Worms. 

Neuer Platz und Meisterschaft

Ein wichtiger Schritt in der Vereinsgeschichte war im Jahr 2008 der Wechsel von der Bürgerweide auf die Rasenfläche im Heinrich-Völker-Bad. Jetzt stand den Ruggern ein adäquater Platz zur Verfügung. Zu dem geeigneten Spielfeld kam der sportliche Erfolg, was wiederum Neugierige anlockte. Die Zuschauer konnten nun alle vierzehn Tage packende Matches der „Drachen“, so der Spitzname der Cracks aus der Nibelungenstadt, mitverfolgen. Und es ging rasant aufwärts. Noch im gleichen Jahr sollte sich der größte Erfolg des Rugby Clubs einstellen. Im Sommer 2008 konnte der viel umjubelte Gewinn der Rheinland-Pfalz-Meisterschaft gefeiert werden. Die Drachen gewannen das alles entscheidende Match auf fremdem Platz, in Ramstein. Es war eine dieser denkwürdigen Partien, die weder Fans noch die Spieler des Rugby Clubs jemals vergessen werden.

Auch in den folgenden Jahren agierte der RCW erfolgreich in der Rheinland-Pfalz-Liga , ohne jedoch den ganz großen Coup wiederholen zu können. Doch setzte nach einigen starken Spielzeiten langsam der Sinkflug der ersten Mannschaft ein. Ab dem Jahr 2014 startete Worms nur noch in der vierthöchsten Klasse. Der Grund dafür war, dass einerseits im Laufe der Jahre erfahrene Cracks ihre Karriere beendeten und andererseits gute Cracks nach Heidelberg zu einem der dort ansässigen Bundesliga Clubs wechselten. Und die Schwierigkeit beim Rugby ist, dass man für eine Mannschaft rund 20 Spieler braucht. Auf diese Zahl kam der RCW immer seltener.

Dass es beim Rugby etwas robuster und härter zugeht, macht für viele Zuschauer und Aktiven den Sport so attraktiv.

Dass es beim Rugby etwas robuster und härter zugeht, macht für viele Zuschauer und Aktive den Sport so attraktiv.

15er Rugby

Zum Verständnis sei für jene Leser, die mit dem Rugby nicht so vertraut sind, erklärt, dass es verschiedene Varianten des Sportes gibt. Eine Spielart ist das sehr laufintensive 7er Rugby, die populärste Variante ist aber das sogenannte 15er Rugby. Hierbei stehen, wie es der Name besagt, 15 Spieler auf dem Platz. Dies ist auch die Variante, die in Worms seit 1999 gespielt wurde und von der in dem Text die Rede ist. Das 15er Rugby genießt auch die größte Popularität durch die alle vier Jahre stattfindende Weltmeisterschaft, bei der die großen Nationen wie Neuseeland, Frankreich oder England den Ton angeben. Für einen Verein wie Worms, wo Rugby keine lange Tradition besitzt, stellte es natürlich eine große Herausforderung dar, zu jedem Match 15 Cracks auf den Platz zu bringen. Und zu den 15 Spielern auf dem Platz gehören noch einmal rund fünf Auswechselspieler, über die jedes Team verfügen sollte.

Da im Rugby alles lupenreine Amateure spielen, musste Worms stets mit Abgängen leben, wenn  etwa ein Studium begann, bei Arbeitsplatzwechsel und man etwa nach München ging oder wenn neben Familie und Arbeit schlicht die Zeit für das regelmäßige Training fehlte.

Die Heimstätte des Rugby Clubs ist der Platz im Heinrich-Völker-Bad.

Die Heimstätte des Rugby Clubs ist der Platz im Heinrich-Völker-Bad.

Neustart mit Spielgemeinschaft

Nachdem zwei Jahre lang kaum ein geregelter Ligenbetrieb stattfand, meldete sich der Rugby Club in einer Spielgemeinschaft mit Ludwigshafen im Jahr 2018 wieder in der drittklassigen Rheinland-Pfalz-Saar-Liga zurück. Ein Drittel der Spieler kommt dabei aus Ludwigshafen, zwei Drittel aus der Nibelungenstadt. Dass aller (Neu)anfang schwer ist, zeigen die Ergebnisse der bisherigen Saison.  Meist gab es deftige, zweistellige Niederlagen und noch ziert die SG Worms/Ludwigshafen das Tabellenende, aber die Mannschaft lässt sich nicht entmutigen. Dass die erste Saison in die Kategorie „Lernphase“ fällt, war allen klar, auch wenn die Niederlagen natürlich schmerzen und weh tun. Jetzt heißt es aber, am Leder-Ei bleiben. Für das Jahr 2019 besteht auch die Hoffnung, dass der ein oder andere Crack mit Bundesliga-Erfahrung aus Heidelberg zurück nach Worms kommt und dem Team hilft sich durchzusetzen.  Alle Fans des Ovalballsports drücken den „Drachen“ jedenfalls die Daumen und hoffen auf eine strake Rückrunde der Spielzeit 2018/19.

Jugend

Eine absolute Erfolgsstory ist die Jugendarbeit im Rugby Club. Was zaghaft begann, hat mittlerweile mächtig Fahrt aufgenommen. So hat der RCW insgesamt sieben Kinder und Jugendteams. Dies reicht von der U5 (Rugbykindergarten) über die U8, U10, U12, U14, U16 und U18. Da der RCW nicht in jeder Altersklasse eine komplette Mannschaft stellen kann, sind die Wormser eine Spielgemeinschaft mit Heidelberg eingegangen. Damit ist gewährleistet, dass die Kinder und Jugendlichen am regelmäßigen Spielbetrieb teilnehmen. Und in den nächsten Jahren, so die Hoffnung der Verantwortlichen, streift der ein oder andere Nachwuchsspieler das Trikot der Herrenmannschaft über. 

Wobei Jugendarbeit schon ein Wert an sich ist. Kindern und Teenagern eine attraktive Freizeitbeschäftigung zu bieten, ist das vorrangige Ziel. Es gilt Tugenden wie Fairness, Teamgeist, Ehrgeiz und Selbstdisziplin zu vermitteln. Dazu kommen Dinge, wie körperliche Fitness und natürlich der Spaß am Spiel. Und wohl in kaum einem Sport kommt es so sehr auf die Mannschaft an wie im Rugby. Große Solisten und Einzelakteure stehen nicht im Vordergrund, sondern stets das Team, nur so hat man im Rugby Erfolg. Dies lernen schon die Kleinsten.

Die Jugendarbeit ist eine der Säulen des Vereins.

Die Jugendarbeit ist eine der Säulen des Vereins.

Frauen, 7er und Alte Herren

Abgerundet wird das Team-Portfeuille des Wormser Rugby Clubs durch eine Frauen-Mannschaft, die in einer Spielgemeinschaft mit Saarbrücken an der Frauenliga Süd/West teilnimmt. Schließlich sind noch die „Alten Herren“(AH) zu nennen, die in lockerer Form an Turnieren teilnehmen und Freundschaftsspiele organisieren.

In den Sommermonaten bildet der Herrenbereich im RCW auch eine 7er Mannschaft, die bei Turnieren mitmacht. Das 7er Rugby wird im Gegensatz zum normalen Rugby, bei dem 15 Spieler zum Einsatz kommen, mit nur sieben Cracks gespielt. Durch die verringerte Zahl der Spieler ist diese Variante stark durch Tempo und erhöhte Punktgewinne gekennzeichnet. Auch dauern die 7er Spiele nur 2 mal 7 Minuten. Diese Variante des Rugby ist 2016 auch in das Programm der Olympischen Spiele aufgenommen worden. Damit ist Rugby übrigens, wenn auch nur in der 7er Variante, nach 1924 wieder ein Bestandteil der Olympischen Spiele. 

Ausblick und Wünsche

Die vergangenen 20 Jahre waren für den Rugby Club sicher eine holprige Fahrt mit Hochs und Tiefs, wie eben das Leben so ist, aber die Tendenz geht eindeutig nach oben. Und die Gründer können mit Stolz auf das Geleistete zurückblicken. Zumal es alles andere als einfach ist, eine „Exotensportart“ wie Rugby zu etablieren und Spieler zu rekrutieren. Daher ist es ein stetiges Bemühen Kinder und Jugendliche auf Rugby neugierig zu machen und sie als Spieler zu gewinnen.

Als Verein, der erst 20 Jahre alt ist, fehlt dem Verein leider (noch) eine Spezies, die für Organisation sowie die kleinen und großen Jobs rund um den Platz notwendig ist. Dies sind die Mitglieder im rüstigen Rentenalter, die Zeit haben und sich um viele Dinge, wie Fahrten der Kindermannschaften zu Matches, die Pflege des Platzes oder die Teilnahme an Verbandssitzungen kümmern können. Wer berufstätig ist, kann dies nur schwer leisten. Da der Verein aber jedes Jahr ein bisschen älter wird, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Senioren sich aktiv einbringen.

Die zwei großen Wünsche des Rugby Clubs sind ein eigener Platz und ein eigenes Vereinsheim mit Sanitäreinrichtungen, Büro und Aufenthaltsraum. Vielleicht gibt es ja in 2019 diesbezüglich ein kleines Happy End, so könnte es sein, dass der RC Worms auf dem Platz im Heinrich-Völker-Freibad ein Clubheim aus Containern aufstellen darf. Hierin könnten sich auch Duschen und alle benötigten Räumlichkeiten befinden.

Wer Interesse an Rugby hat, findet weitere Infos auf der Internetseite: www.rc-worms.de. 

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Geschrieben in Rugby/Football, Sport

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