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Schulz lässt das WORMSER beben

Beim Besuch des SPD-Kanzlerkandidaten am Samstag in der Nibelungenstadt kannte die Begeisterung der Genossen keine Grenzen

Martin Schulz überzeugte seine Anhänger in Worms mit einer straken Rede. Foto: Gernot Kirch

Martin Schulz überzeugte seine Anhänger in Worms mit einer starken Rede. Foto: Gernot Kirch

Von Gernot Kirch Vor rund sechs Wochen gab Sigmar Gabriel seinen Verzicht auf die Kanzlerkandidatur bekannt. Stattdessen ist Martin Schulz nun der Top-Mann der SPD und fordert Angela Merkel (CDU) heraus. Seitdem hat Martin Schulz eine unglaubliche Begeisterung bei den Genossen ausgelöst und sie in Umfragen von rund 20 Prozent auf über 30 Prozent katapultiert. Dazu kommt eine sensationelle Eintrittswelle. Alleine in Rheinland-Pfalz sind in kürzester Zeit 600 Menschen der SPD beigetreten.

Schulz in Worms

Am späten Samstagnachmittag konnten über 1.000 SPD-Mitglieder im WORMSER den SPD-Spitzenmann hautnah erleben, denn Martin Schulz war für rund anderthalb Stunden in der Nibelungenstadt. Bei der SPD internen Veranstaltung waren Mitglieder aus Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und dem Saarland anwesend. Bereits gegen 14 Uhr strömten viele Genossen in den Mozartsaal des WORMSERS, um einen guten Platz zu ergattern. Doch reichten die Sitzplätze bei Weitem nicht aus, sodass viele Gäste stehen mussten. Doch dies tat der Begeisterung keinen Abbruch. Es herrschte eine enthusiastische, ausgelassene Atmosphäre, wie man sie sonst nur bei einem Popstar oder Eishockey-Spitzenspiel antrifft.

Gegen 15:30 begann schließlich die Veranstaltung, wobei es eigentlich nur ein Warten auf Martin Schulz war. Als der „Matador“ gegen 16:30 in Worms eintraf und sich durch die Menge zum Rednerpult arbeitete, standen alle Besucher auf, hielten Schilder und Plakate hoch und jubelten ihm zu. Ein junge Frau aus Koblenz, Anfang 20, erzählte mir dabei, sie sei vor wenigen Wochen der SPD beigetreten. Sie habe schon länger Sympathie für die Partei gehabt, doch Martin Schulz hätte sie mit seiner positiven Grundstimmung angesteckt und jetzt arbeite sie mit, um den Sieg bei der Bundestagswahl zu schaffen. Sie wolle mithelfen, zu gestalten und die Gesellschaft zum Guten zu verändern.
Auffällig beim Blick in den Saal war, dass viele junge Menschen gekommen waren, die scheinbar Lust auf Politik bekommen haben.

Soziale Gerechtigkeit als Kernbotschaft

In der etwa einstündigen Rede stellte Martin Schulz die soziale Gerechtigkeit in den Fokus. Rund zwei Drittel der Zeit widmete er diesem Thema. Und er traf damit den Nerv der Genossen, die jedesmal laut applaudierten, wenn er eines seiner griffigen Beispiele nannte. So sprach er von der Verkäuferin, die wegen einer kleinen Verfehlung entlassen werde, Manager aber noch Boni für Fehlentscheidungen erhielten. Er sprach von Busfahrern, Polizisten und anderen hart arbeitenden Menschen, die Respekt verdienten. Ein besonders Anliegen war es ihm, dass Pflegekräfte besser bezahlt und eine höhere Wertschätzung genießen sollten. Die Aufgabe der SPD müsse es sein, das Leben der Menschen ein Stück besser zu machen. Wichtig sei dabei, ihnen zu zuhören und sie ernst zu nehmen. Viele Menschen hätten Existenzängste und könnten die Mieten kaum bezahlen, dies seien Missstände.
Die Anpassung der Agenda 2010 sei daher notwendig. So wolle er befristete Arbeitsverträge einschränken und möchte die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld für ältere Menschen verlängern. Die Arbeitsagentur solle eine Agentur für Arbeit und Qualifizierung werden.
Es schien so, als habe die Parteibasis seit über 15 Jahren auf solch eine Botschaft gewartet. Beim Thema Steuern machte er deutlich, dass ein Unternehmen dort seine Abgaben zu zahlen habe, wo es auch seine Gewinn erwirtschafte.

Demokratie in einer Zangenbedrohung

Eines machte Martin Schulz deutlich, mit ihm werde es kein Schlechtreden der EU geben. Es brauche ein starkes Deutschland in einem starken Europa, nur so könnten die Herausforderungen der Zeit bewältigt werden. Hierbei nannte er den Osten, also Russland, wie auch die Schwierigkeiten in der atlantischen Partnerschaft.

Weiter führte er aus, dass unsere Demokratie von einer „Zange“ bedroht werde. Die sei auf der einen Seite der Terrorismus und auf der anderen Seite der Ultranationalismus der rechten Populisten. Beidem wolle er entschieden entgegentreten. Europa dürfe seine Freiheit und Werte nicht aufgeben und müsse die Liberalität bewahren. Das Überhöhen der eigenen Nation oder einer Religion führe zu Konflikten.

Kanzlerschaft als klares Ziel

Martin Schulz machte deutlich, dass er Kanzler werden will und die SPD zur stärksten Kraft machen möchte. Den Grundstein dazu hat er gelegt und das Feuer entfacht. In Worms präsentierte er sich als glänzender Redner, der mitreißen und begeistern kann, der aber auch schlagfertig ist und Humor besitzt. Und auch mit seinem gebrochenen Lebensweg, der von Höhen und Tiefen geprägt ist, überzeugte er. Martin Schulz wirkte wie einer der Genossen, ein „Malocher“, der dazu gehört und der weiß, was es heißt ganz unten zu sein. Martin Schulz wählte stets eine direkte, einfache Sprache, die die Menschen verstehen.

Es scheint, als ob Martin Schulz das Kanzleramt nahezu im Sturm erobert. Bis zur Bundestagswahl am 24. September ist allerdings noch über ein halbes Jahr Zeit und es bleibt abzuwarten, wie lange der Hype um ihn anhält. Auch auf die Antwort der CDU und ihrer Kanzlerin darf man gespannt sein. Wichtig dürfte für die Union sein, dass sie in Zukunft geschlossen auftritt und es schafft, die Gräben, besonders zwischen CDU und CSU, zu überwinden.

Festzuhalten bleibt aber, Politik macht vielen Bürgern, auch in Worms, wieder Spaß, weil wieder Unterschiede bei den Parteien zu erkennen sind und nicht mehr alle Themen in einer scheinbar alternativlosen Einheitssoße verschwinden.

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

Ein Kommentar für "Schulz lässt das WORMSER beben"

  1. Rudolf Meister sagt:

    Schulz will die europäischen Schulden vergemeinschaften. Ob das wirklich im Sinne des kleinen Mannes ist? Der wird das nämlich finanzieren.

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