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14.10 Uhr | 8. September 2020

Spannende Spuren Wormser Geschichte

ARCHÄOLOGIE: Historische Funde in der Remeyerhofstraße / Rund eine Tonne menschliches Knochenmaterial geborgen

Bürgermeister hans-Joachim Kosubek informierte sich bei einem Ortstermin. Fotos: Vera Beiersdörfer

Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek informierte sich bei einem Ortstermin. Fotos: Vera Beiersdörfer

VON VERA BEIERSDÖRFER | „Wer in einer historisch bedeutsamen Stadt wie Worms den Boden öffnet, der findet“, freute sich Dr. Marion Witteyer, Leiterin der Außenstelle der Landesarchäologie, im Beisein von Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek am heutigen Dienstag über die bereits gewonnen Erkenntnisse der Grabung in der Remeyerhofstraße zu informieren.
Im Rahmen von Erdarbeiten für ein neues Wohngebäude waren Bauarbeiter augenscheinlich auf einen alten Friedhof gestoßen. Im Juli dieses Jahres nahmen daher Mitarbeiter der Direktion Landesarchäologie Mainz ihre Arbeit auf, um die Funde zu untersuchen.

Unter der Leitung von Timo Lang wurden in einer Tiefe von etwa 2,20 Metern bisher rund eine Tonne menschlichen Knochenmaterials geborgen und zur Auswertung nach Mainz gebracht. „Alles, was wissenschaftlichen Wert hat, wird aufgearbeitet, der Rest wird wieder bestattet“, erläuterte Dr. Günter Brücken, wissenschaftlicher Grabungsleiter, den weiteren Verlauf.

Grabungshelfer Michael Schmitt legt Gebeine frei.

Gräberfeld aus dem 4. Jahrhundert
„Wir haben nicht damit gerechnet, so viele Sarkophage vorzufinden, das ist äußerst selten und in den letzten Jahren nicht vorgekommen“, begeisterte sich Grabungsleiter Timo Lang bei dem heutigen Ortstermin.
20 Steinsärge, die rund 1.600 Jahre alt sind, lassen auf ein römisches Gräberfeld schließen. Erste Untersuchungen ergaben, dass diese zum Teil wieder geöffnet und mehrfach genutzt wurden.

Pfeilspitzen wurden im 7. Jahrhundert als Grabbeilagen für Knaben genutzt.

Pfeilspitzen wurden im 7. Jahrhundert als Grabbeilagen für Knaben genutzt.

Unter anderem belegen dies Grabbeilagen wie Pfeilspitzen, die im 7. Jahrhundert Knaben mit auf die letzte Reise gegeben wurden. Ende dieses Monats sollen die archäologischen Grabungsarbeiten abgeschlossen sein.

Vermutlich Pest-Friedhof
Dass sich an der Remeyerhofstraße bis zum Ende des 19. Jahrhunderts der Friedhof St. Stephan befand, ist bekannt; auch wurde der Friedhof angeblich als Pest-Friedhof im Jahre 1666 genutzt: „Eine Bestätigung hierfür konnten wir bisher noch nicht finden. Jedoch ist es möglich, aus der DNA der Knochen jegliche Lebensgewohnheiten der Geborgenen abzulesen“, schilderte Dr. Brücken.
Dass die Geschichte des Friedhofs bis zurück ins Frühmittelalter geht, wurde zunächst lediglich vermutet und nun anhand der Funde der Landesarchäologie bestätigt.

Einer der 20 gefundenen Sarkophage.

Einer der 20 gefundenen Sarkophage.

Bauarbeiten um drei Monate verzögert
„Die Stadt Worms dankt dem Bauträger, dass er die dreimonatige Bauverzögerung für die Grabungsarbeiten mitgetragen hat. Dies ist wichtig zur Erhellung der Geschichte unserer Vorfahren.“, erklärte Bürgermeister Kosubek und betonte, dass auch die 750.000 Euro zusätzliche Kosten, die damals bei der Freilegung der Woogbrücke anfielen, eine sinnvolle Investition in ein Stück Wormser Geschichte gewesen seien.

Bettina Gransche von der Unteren Denkmalschutzbehörde dankte Karl-Walter und Marc-Peter Berkes ebenfalls für das gelungene Zusammenspiel von Bauträger und Archäologen. Die Untere Denkmalschutzbehörde hatte den Bauträger im Vorfeld darauf hingewiesen, dass historische Funde im Erdreich vermutet werden sowie die Landesarchäologie über das Bauvorhaben informiert.

 

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

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