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12.16 Uhr | 14. September 2020

Trotzt aller Widrigkeiten eine gelungene Veranstaltung

NIBELUNGENLAUF: Cheforganisator Dieter Holz zieht positives Fazit

Auch der Lauf, der sich diesmal vom Festplatz direkt über die Floßhafenstraße Richtung Wormser Wäldchen erstreckte fand mit stark begrenzter Teilnehmerzahl – statt. Foto: Felix Diehl

Auch der Lauf, der sich diesmal vom Festplatz direkt über die Floßhafenstraße Richtung Wormser Wäldchen erstreckte fand mit stark begrenzter Teilnehmerzahl – statt. Foto: Felix Diehl

VON ANDREAS BERG Die größte Sportveranstaltung in Worms konnte trotz coronabedingter Einschränkungen auch 2020 stattfinden und brachte trotz der hohen Temperaturen sympathische Sieger mit tollen Spitzenzeiten hervor.
„Lauftermin: Freitag, dem  11. September, 0 Uhr bis Sonntag, dem 13. September, 24 Uhr. Uhrzeit frei wählbar.“
„Jeder Teilnehmer meldet seine Finisherzeit über den in der Anmeldebestätigung übermittelten Link bis zum Sonntag 13.9. 2020, 24 Uhr.“
Ja, sie haben richtig gelesen. Wir schreiben das Jahr 2020 und der Nibelungenlauf wird als Hybrid in Teilen auch als „Worldwide-Virtual-Edition“ ausgetragen. Was vor Jahresfrist noch als Science fiction –Version eines Nibelungenlaufs 2080 geklungen hätte, ist bereits dieses Jahr aufgrund der Coronakrise Wirklichkeit geworden.

Stark begrenzte Teilnehmerzahl
Doch auch der andere Teil des Laufes, der sich diesmal vom Festplatz direkt über die Floßhafenstraße Richtung Wormser Wäldchen erstreckte und nicht mehr durch Teile der Innenstadt, fand –allerdings mit stark begrenzter Teilnehmerzahl – statt.
Dort heißt es in den Teilnahmebedingungen unter anderem:
„Der Überholte ist für die Einhaltung des Mindestabstands verantwortlich.“; „Es gibt keine Getränkestationen“; „Das Multifunktionstuch muss beim Start getragen werden.“
Dies ist nur ein Ausschnitt einer Unzahl neuer zu beachtender Hygienevorschriften. Diese führten zu einem auf dem ersten Blick unfassbaren Regelwerk und einer Mammutaufgabe hinsichtlich der Organisation des diesjährigen Nibelungenlaufs.

Und doch stellt sich Dieter Holz als Cheforganisator und über die Grenzen von Worms hinaus als „Mister Langlauf“ bekannten Galionsfigur dieser Herausforderung: „Wenn mein Sohn und ich was anpacken, dann wollen wir ein 100Prozent-Ergebnis, nur dann kann ich zufrieden sein“ und nur so lässt sich eine solche Veranstaltung auch verkaufen.

Alles in die Waagschale geworfen
Auch die Sorge hinsichtlich der kommenden Jahre hat ihn bewogen, noch einmal alles in die Waagschale zu werfen: „Diese Veranstaltung ist gewachsen, die gehört zu Worms dazu,… und wenn wir einmal aufhören, dann ist es vorbei“. Ein paar Dinge haben ihm im Vorfeld jedoch nicht gefallen. Insbesondere ärgerte er sich über das winzige Stück Festplatz, welches ihm als Veranstaltungsort zugewiesen wurde und das er als „Besenkammer“ bezeichnete, da ein solches Areal dem Niveau einer solchen Veranstaltung gewiss nicht würdig sei.

Wie kamen die Athleten mit den verschärften Hygienebedingungen und den tropischen Verhältnissen am Veranstaltungstag zurecht?
Für viele herrschte bis zuletzt natürlich Unsicherheit darüber, ob der Lauf denn letztendlich wirklich stattfinden würde. Die Motivation am Nibelungenlauf teilnehmen zu können war außerdem so stark, dass in den meisten Fällen die Freude auf das Rennen deutlich die Ansteckungsangst überstieg.
Sandra von der SKV Sandhofen, die zum ersten Mal in Worms dabei war und beim 5km-Lauf mit einer Zeit knapp unter der 30-Minuten-Marke gleich starke Achte wurde, fand es einfach toll, dass nach einer langen Zeit der sportlichen Untätigkeit endlich wieder ein Lauf stattgefunden hat. Sie lobte ausdrücklich die Umsichtigkeit des Organisationsteams in der Art und Weise der Austragung. Positiv zu erwähnen war auf jeden Fall der großzügig bemessene Freiraum in der Startzone, da ja auch in verschiedenen Startgruppen mit maximal 30 Teilnehmern pro Startergruppe im 5 Minuten Abstand gestartet wurde. Gerne hätte sie sich allerdings aufgrund der Tropenhitze eine noch frühere Startzeit gewünscht.
Nicht viel anders sahen es auch die „Profis“ im Hauptfeld, so wie etwa der Sieger des Halbmarathons, Carlo Nenast von der LaufLeben Running Crew. Auch er startete –nichtzuletzt aufgrund des Mangels an Laufwettbewerbsalternativen – zum ersten Mal in Worms. Er genoss ebenfalls sichtlich den Freiraum im Startbereich und der aufgrund fehlenden Gedrängels geordneteren Abläufe zu Beginn des Rennens. Während des Rennens wurde außerdem bewusst mit weiterem Abstand überholt und man musste im Vorfeld seine Verpflegungsstellen selbst planen und einrichten. Die Vorbereitungen für das Rennen konnte er, kurzarbeitbedingt, sogar noch umfangreicher und sorgfältiger als gewohnt treffen, was auch zum Sieg im Hauptrennen beigetragen habe. Erst ab der zweiten Runde hat auch die Hitze Spuren hinterlassen, alles in allem war aufgrund langer Schattenpassagen während des Rennens jedoch nichts wirklich unerträglich.

Gerne möchte er im nächsten Jahr wieder beim Nibelungenlauf teilnehmen, schließlich habe man ja auch einen Titel im Mannschaftswettbewerb zu verteidigen, wie er mit einem zwinkernden Auge hinzufügt.
Die Maskenpflicht im Start- und Zielbereich war für Halbmarathonseriensiegerin Tinka Uphoff von der SG Frankfurt-Nied die einschneidendste Neuerung bei dieser Veranstaltung, welche für die promovierte Juristin auch das erste Rennen überhaupt 2020 bedeutete. Abweichend zu den Vorjahren legte die BAFIN-Mitarbeiterin bewusst die Vorbereitung auf Grundlagentraining „leicht und locker und nicht so auf Speed“ und das hat sich offenbar diesmal ausgezahlt. Ihre Anmeldung erfolgte übrigens erst sehr spät, und nur auf wiederholtes Drängen von Dieter Holz hin. Das Trinken während des Rennens hat ihr nicht wirklich gefehlt, da es sich in ihrem Falle auch nicht um ein „All out-Rennen“ gehandelt habe. Der sonst gewohnte höhere Zuschauerzuspruch am Rande des Rennens hat dieses Mal spürbar gefehlt, umso „ überraschender dafür, dass … diesmal der Vorstand meines Vereins am Rande der Strecke auftauchte, was mich total gefreut und total gepusht hat“. „Sofern alles passt „ ist Tinka wohl auch nächstes Jahr wieder mit von der Partie, denn „es macht immer Spaß und es ist immer nett“.

Das obligatorische Tuch, das im Start und Zielbereich getragen werden musste, hat auch Alex di Bella von Stimmel Sports überraschend wenig gestört. In seiner Altersklasse auf dem Podest und als insgesamt Neunter zeigte er sich sehr zufrieden über seine Leistung. Ein wenig Enttäuschung ließ er aber doch mitklingen: „Meine Uhr und die vieler Laufkollegen hat eine etwa 600m zu lange Strecke angezeigt. 600m weniger hätten für mich eine Zeit unter 1 Stunde 30 und das erstmalige Durchbrechen dieser Schallmauer bedeutet.“ Julia Brugger von der LG Region Landshut lief wohl aufgrund eines Missverständnisses auch ein paar Meter in ihrem 10km-Rennen zu viel. Nichtsdestotrotz bewies sie mit ihren unglaublichen 37:01 Minuten, dass es sich bei ihrem Lauf um alles andere als einen Sonntagsspaziergang handelte und damit ihre Konkurrenz in Grund und Boden. Sie deklassierte die Zweitplatzierte in ihrem Lauf um über sagenhafte 12 Minuten…
Letztendlich lief auch bei den Läufern in ihrer Planung nicht alles immer zu 100 Prozent. Denn auch Carlo Nenast hat seine selbst deponierte Trinkverpflegung auf der Strecke nicht wiedergefunden und musste seinen Lauf, wie auch die Siegerin im Halbmarathon, ohne Flüssigkeitsaufnahme während des Rennens bestreiten.

Die Ergebnisse der Hauptrennen:
10km Frauen:
Julia Brugger LG Region Landshut 37:01 Minuten
Nadine Schattner United Runners of Pfalz 49:09 Minuten
Tanja Oheim Polizei Oppenheim 50:02 Minuten
10km Herren:
Christian Schmiedel MTG Mannheim Triathlon 35:39 Minuten
Tobias Hahn LSV Ladenburg 37:48 Minuten
Peer Feldmann Rotary Club Worms-Nibelungen 39:09 Minuten
Halbmarathon Frauen:
Tinka Uphoff SG 1877 Frankfurt-Nied 1:24:47 Stunden
Clara Bormann LaufLeben Running Crew 1:26:16 Stunden
Barbara Jarzombek 1:40:09 Stunden
Halbmarathon Männer:
Carlo Nenast LaufLeben Running Crew 1:17:39 Stunden
Michael Wiebelt TSG Kaiserslautern 1:17:51 Stunden
Tobias Kaufhold LaufLeben Running Crew 1:24:08 Stunden

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Geschrieben in Sport, Sport-Mix

Ein Kommentar für "Trotzt aller Widrigkeiten eine gelungene Veranstaltung"

  1. Edgar Morschhäuser sagt:

    Schöner umfangreicher Bericht, aber warum wird der Ü60-Lauf nicht erwähnt?

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