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11.55 Uhr | 6. Juli 2020

„Überflieger-Mädchen“ lässt fleißig fliegen

TALENTE IM NIBELUNGENLAND: Die junge Judoka Lea Bender vom 1. Judo-Club Worms will schnellstmöglich zur DM

Der O-goshi ist einer der Spezial-Griffe von Lea Bender. Mit dem großen Wurf über die Hüfte befördert die junge Judoka dabei ihren Trainingspartner Aaron Schwarz gekonnt zu Boden.  Foto: Marcus Diehl

Der O-goshi ist einer der Spezial-Griffe von Lea Bender. Mit dem großen Wurf über die Hüfte befördert die junge Judoka dabei ihren Trainingspartner Aaron Schwarz gekonnt zu Boden. Foto: Marcus Diehl

VON JÜRGEN JAAP | Sport ist so vielfältig. Von Aerobic über Basketball, Fußball, Handball, Hockey, Judo, Karate, Radfahren, Taekwondo, Tanzen, Tennis, Tischtennis, Turnen bis hin zum Wassersport bieten alleine in der Nibelungenstadt Worms über 100 Sportvereine mit insgesamt etwa 31.000 Mitgliedern nahezu jede Sportart an. Zahlreiche junge Menschen eifern olympischen Helden der Leichtathletik oder im Schwimmbecken nach. Ja, es gibt sie auch in großer Anzahl im Nibelungenland: Talente, die das Zeug dazu haben über die Region hinaus Aufmerksamkeit auf ihren Sport zu lenken. Wir stellen sie über alle Sportarten hinweg nach und nach vor – in der Serie „Talente im Nibelungenland“

Eigentlich hätten in Kürze Ende Juli 2020 in Tokio die olympischen Spiele Milliarden Menschen live vor Ort und im Fernsehen in ihren Bann ziehen sollen. Auch Lea Bender, eine junge Judoka des 1. Judo-Club Worms, hätte dann sicher den Blick in die japanische Millionen-Metropole mit den weltweit meisten Einwohnern schweifen lassen. Judo ist in Japan ein Volkssport und dazu fester Bestandteil der Olympiade. Doch das Corona-Virus machte einen Strich durch diese Rechnung. So bleibt für Lea Bender (vorerst) nur der Blick auf ihren Sport im heimischen Verein in Worms, auch wenn dort nun seit beinahe drei Monaten und voraussichtlich noch bis mindestens zum Ende der Sommerferien 2020 ob der Corona-Pandemie kein Training in der Halle im japanischen Kampfsport möglich sein dürfte.

Lea legt sofort den Vereinschef auf die Schultern

Trainingseinheiten, die der 13-jährigen jungen Wormserin fehlen. „Lea ist sehr fokussiert und konzentriert bei der Sache, sie will und kann, macht gerne auch einmal ein paar Trainingseinheiten mehr“, weiß ihr Trainer Patrick Alberti nur zu gerne um die Ernsthaftigkeit, mit der die Schülerin am Gauß-Gymnasium, die gerade die 7. Klasse absolvierte, den Judosport betreibt. „Dabei war ich am Anfang gar nicht so sehr vom Judo besessen“, verrät Lea mit einem verlegenen Lächeln im Rückblick auf ihre Anfänge 2013. Doch die Begeisterung ergriff die damals Siebenjährige sehr schnell, speziell als sie in der Westend-Grundschule ihren ersten Trainer und Vereins-Vorsitzenden Ronald Eisenhauer sogleich auf die Schultern legte. Der Weg in die Sporthalle der Westend-Grundschule, den sie von zu Hause zu Fuß bewältigen kann, wurde für Lea Bender mehr und mehr zur Freude.

Auch das Fallen will beim Judo richtig gelernt sein. Lea Bender rollt sich mit geschickter Falltechnik im Training immer und immer wieder ab.  Foto: Marcus Diehl

Auch das Fallen will beim Judo richtig gelernt sein. Lea Bender rollt sich mit geschickter Falltechnik im Training immer und immer wieder ab. Foto: Marcus Diehl

2019 kam der Durchbruch

Überhaupt: Viele der Leitlinien des Judo lebt die junge Judoka auch nach außen gut sichtbar vor. Selbstbeherrschung, Bescheidenheit und Wertschätzung für die oder den Gegenüber etwa oder auch Mut. Mut, den sie besonders bei den Wettkämpfen erst zusammennehmen muss, denn: „Ich bin immer unglaublich aufgeregt, häufig viel zu aufgeregt, um etwa meine Mama Oksana dabei zu haben“, räumt Lea ein. Ende Februar 2020 war beispielsweise so ein Moment bei den Südwest-Meisterschaften der U15 in Bad Ems im Rheinland. Zweimal schaffte Lea mit ihren Spezialtechniken, dem Hüftfeger „Harai-goshi“ oder dem großen Hüftwurf „O-goshi“ einen „Ippon“, die höchste Wertung im Judo, die den sofortigen Sieg noch vor Ablauf der drei Minuten maximaler Kampfzeit bedeutet. Nur eine einzige Niederlage bedeuteten Rang drei, nachdem Lea bereits zuvor bei den Rheinland-Meisterschaften der Gewichtsklasse bis 44 Kilogramm in Remagen gesiegt hatte. „2019 kam der Durchbruch für Lea“, blickt ihr Trainer Patrick Alberti auf ein Jahr mit enormen Fortschritten zurück.

Klare Zielsetzung: Auf „die Deutsche“ gelangen

Fortschritte, die „das Überflieger-Mädchen des 1. Judo-Club Worms“, wie der erfahrene Ur-Wormser, Trainer, Kampfrichter und vielfältige Spitzen-Judoka Patrick Alberti seinen Schützling Lea Bender nicht ohne Stolz in der Stimme nennt, in großem Maße ihrer ausgeprägten Fitness verdankt. Fünf Stunden Training wöchentlich, etwa genauso viele Stunden bei Wettkämpfen und dazu manche Stunde im Fitness-Studio oder auch einmal ein Besuch mit den Vereinsfreunden im Escape-Room Mannheim stehen in „normalen“ Wochen auf dem Programm. Fleiß, der Lea nicht von ungefähr zuletzt Einladungen zu diversen Lehrgängen und überregionalen Sichtungs-Turnieren einbrachte. Und für das kleine Judo-Talent des Wormser Judo-Clubs steht ein Ziel ganz oben auf der Agenda: „Ich will an einer Deutschen Meisterschaft teilnehmen.“ Dass dies der zielstrebigen jungen Judoka mit dem grünen Gürtel im 3. Kyū-Grad schon sehr bald gelingen kann, dürfte beim 1. Judo-Club Worms ob des großen Talentes von Lea Bender wohl kaum jemanden überraschen.

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Geschrieben in Judo, Sport

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