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09.20 Uhr | 30. Juni 2022
AGENTUR FÜR ARBEIT: Arbeitslosigkeit in Worms steigt 7,3 auf 7,8 Prozent / Vorhandene Berufsabschlüsse anerkennen

Ukraine-Fluchtmigration lässt Arbeitslosigkeit steigen

Zeigte sich der Wormser Arbeitsmarkt im Mai noch weitgehend unbeeindruckt von den aktuellen weltweiten Entwicklungen, so haben die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine inzwischen wie erwartet Spuren hinterlassen.

Im Juni kam es entgegen der sonst üblichen Entwicklung zu einem spürbaren Anstieg der Arbeitslosigkeit. Für die Zunahme gegenüber dem Vormonat ist die Entwicklung im Jobcenter maßgeblich, wo sich nun Staatsbürgerinnen und Staatsbürger aus der Ukraine arbeitslos gemeldet haben. Darüber hinaus betreut das Jobcenter auch deren Kinder, evtl. Angehörige und weitere leistungsberechtigte Personen. Ukrainerinnen und Ukrainern wird mit der Erteilung der Aufenthaltserlaubnis nach § 24 Aufenthaltsgesetz der Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglicht, und seit 1. Juni 2022 können sie Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende erhalten. Die aktuellen Zahlen zeigen auch, dass es sich bei den Menschen, die aus der Ukraine zu uns geflüchtet sind, vornehmlich um Frauen sowie Kinder und Jugendliche handelt.

So ist der Bestand an arbeitslosen Frauen, der üblicherweise keine starke Veränderung von Mai auf Juni aufweist, aktuell merklich angestiegen. Ähnliches zeigt sich bei den 15 bis unter 20-jährigen Arbeitslosen. Auch hier ist entgegen der sonst üblichen Entwicklung ein Anstieg zum Vormonat festzustellen.

Im Arbeitsmarkt Fuß fassen
„Der Fokus bei der Betreuung der Geflüchteten liegt gleichsam auf der Sicherstellung der Leistungen zum Lebensunterhalt und der Klärung, welche Unterstützung die Menschen benötigen, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen“ sagt Susanne Decker, Geschäftsstellenleiterin der Wormser Arbeitsagentur. „Der Übergang aus der Betreuung der Kommunen zu den Jobcentern wurde in den letzten Wochen intensiv vorbereitet. Die Überleitungsphase wird bis Ende August abgeschlossen sein. Der Zugang zum Arbeitsmarkt wurde durch den Gesetzgeber zwar unkompliziert geregelt, für eine Arbeitsaufnahme müsse aber zum Beispiel auch die Betreuung der Kinder gesichert sein, sprachliche Hürden müssten abgebaut und vorhandene Berufsabschlüsse anerkannt werden.

Die gute Nachricht ist laut Decker, dass der Arbeitsmarkt für gut ausgebildete Menschen nach wie vor sehr aufnahmefähig ist. Auch im Juni blieb der Zugang an Stellenangeboten auf hohem Niveau, und auf dem Ausbildungsmarkt warteten noch zahlreiche Ausbildungsangebote aus den unterschiedlichsten Branchen auf eine passende Besetzung. „Die Betriebe freuen sich neben Bewerbungen von Schulentlassenen auch über Bewerbungen von jungen Erwachsenen, etwa wenn sie eine Alternative zum begonnenen Studium suchen oder wenn sie sich beruflich neu orientieren möchten“, so Decker. „Wer noch in 2022 mit einer qualifizierten Ausbildung beginnen möchte, sollte sich telefonisch unter 06131/248799 schnellstmöglich mit der Berufsberatung in Verbindung setzen oder online einen Termin vereinbaren.“

Die Arbeitsmarktzahlen im Überblick
Im Juni waren in Worms insgesamt 4.492 Personen als unterbeschäftigt registriert. Das waren 245 mehr als im Mai, aber 250 oder 5,3 Prozent weniger als vor einem Jahr. 3.651 Männer und Frauen waren arbeitslos gemeldet. Das waren 260 mehr als im Vormonat, aber 142 oder 3,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote stieg von 7,3 auf 7,8 Prozent. Vor einem Jahr hatte die Quote 7,5 Prozent betragen. Die Nachfrage nach Arbeitskräften blieb anhaltend hoch. Neu gemeldet wurden 204 Stellen, 40 weniger als im Vorjahr. Der Stellenbestand belief sich im Juni auf 1.371 Stellen, 367 mehr als im Vorjahr.

Von den 3.651 Arbeitslosen im Juni wurden 975 von der Arbeitsagentur und 2.676 vom Jobcenter Worms betreut. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juni entfiel voll-ständig auf die vom Jobcenter betreuten Arbeitslosen. Die Arbeitslosenquoten auf den regionalen Arbeitsmärkten im Bezirk der Mainzer Arbeitsagentur änderten sich wie folgt: Gesamtbezirk von 4,3 auf 4,5 Prozent, Stadt Mainz von 4,7 auf 4,9 Prozent, Stadt Worms von 7,3 auf 7,8 Prozent und Landkreis Alzey-Worms von 3,5 auf 3,8 Prozent. Im Landkreis Mainz-Bingen blieb die Quote konstant bei 3,2 Prozent.

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

Ein Kommentar für "Ukraine-Fluchtmigration lässt Arbeitslosigkeit steigen"

  1. Ulrich Nies sagt:

    Vom 20. März bis zum 2. Juli hatten wir eine dreiköpfige ukrainische Familie beherbergt. Dass es irgendeine Bemühung gab den Mittdreißiger-Familienvater, einen Karosseriebauer, auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln, konnten wir nicht bemerken. Es ging bisher nur um die Leistungen zum Existenzminimum. Wegen Arbeitsmarktberatung würde man auf uns zukommen. Auf meine Anfrage vom 30. Mai wurden wir auf eine Infoveranstaltung in den kommenden Wochen hingewiesen. Dort, so unsere Gäste, wurden sie über Mindestlohn und andere gesetzliche Grundlagen informiert. Nichts, was sie nicht schon gewusst hätten, sagten sie uns. Und seither ruht der See. Nicht ganz: Der Antrag auf Umzug in eine geförderte Wohnung der Wohnbau wurde abgelehnt, da die Kaltmiete um 1,8 Euro und die Heizkosten um 3.50 Euro über dem Fördersatz liegen. Dadurch entfällt auch der Anspruch auf Kaution (fiel nicht an) Umzug (haben wir bezahlt) und Erstausstattung (haben wir mit Freunden bezahlt). Derzeit lebt die Familie übrigens rund 200 Euro unter dem Existenzminimum, da man es bei der Beratung versäumt hat, darauf hinzuweisen, dass das Kindergeld separat beantragt werden muss. Das ging erst aus einem Bescheid hervor. Und die Kindergeldstelle hat Zeit und Rückfragen per Post: Schreiben vom 15.6., Eingang bei uns 21.6. – Beantwortung am gleichen Tag und seither wieder Stille…….