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Götter und Helden – Mythen, Sagen und Märchen

Illustrationen des Wagnerianers Franz Stassen in einer Ausstellung der Stadtbibliothek im Haus zur Münze vom 11. Februar bis 13. April zu sehen / Eintritt frei

Heute ist er vergessen, doch in seiner Zeit war der Maler und Zeichner Franz Stassen (1869–1949) ein viel beschäftigter Künstler, dessen Illustrationen in über 250 Büchern und zahlreichen Zeitschriften weite Verbreitung fanden. Sein Stern ging um 1900 im Zuge des Jugendstils und des Symbolismus auf; befreundet war er u.a. mit dem Lebensreformer Fidus, der in seinen Jugendstil-Zeichnungen die Freikörperkultur propagierte, und mit Sascha Schneider, der die Einbandbilder für Karl Mays Romane schuf.


3 Jahrzehnte Arbeit gewidmet
Über 30 Jahre widmete sich Stassen der Illustrierung der Werke Richard Wagners – beginnend mit einem 12-teiligen Zyklus zu ,Tristan und Isolde’ (1899), der in der Ausstellung der Stadtbibliothek im Haus zur Münze vom 11. Februar bis 13. April gezeigt wird. Auch zu zwei Ausgaben der Nacherzählung ,Die Nibelungen’ (1912) von Rudolf Herzog, einem Bestsellerautor der Wilhelminischen Epoche, und zu mehreren Märchenbilderbüchern lieferte Stassen die Abbildungen.

Vor allem die Nähe zum Bayreuther Wahnfried-Kreis (Richard Wagners Sohn Siegfried war Stassens Intimfreund)  lenkte den kaisertreuen Künstler in deutschvölkische Bahnen. Im Ersten Weltkrieg zeichnete und malte Stassen für Propagandapostkarten und -flugblätter, für ein Kartenspiel (Quartett), das die militärischen und zivilen Führer des Deutschen Reiches und seiner Verbündeten zeigt, und für patriotische Bücher, darunter der Bildband ,Martin Luther. Der Gottesstreiter. Der Dichter und Sänger. Der deutsche Mann’ (1918), an dem die beiden Chefideologen des Wahnfried-Kreises Houston Stewart Chamberlain und Hans von Wolzogen beteiligt waren.

Hang zu nordischer Mythologie

Nach dem verlorenen Krieg verstärkte sich bei Stassen der Hang zur nordischen Mythologie. So schuf er etwa 150 Aquarelle zur Edda, die 1934 in einer Edda-Interpretation des Blut-und-Boden-Verlages und noch 1943 in dem luxuriös ausgestatteten Band ,Edda – Götterlieder/Heldenlieder’ abgebildet wurden. Stassens esoterische, vermeintlich nordische Bilderwelt, die sich ohne intensive Beschäftigung mit der literarischen Vorlage kaum entschlüsseln lässt, fand letztlich kein Gefallen bei den Machthabern, die eine ‚volkstümliche‘ Kunst propagierten: Die von Stassen 1934/35 entworfenen vier Edda-Gobelins für die (alte) Reichskanzlei verschwanden dort schnell im Keller, wo sie im Krieg verschollen sind.

Die kritisch kommentierte Ausstellung  aus dem Bestand der wissenschaftlichen Stadtbibliotheken Worms und Mainz zeigt druckgraphische Blätter, das Quartett aus dem Ersten Weltkrieg und ein Wagner-Quartett sowie Illustrationen in Bücher zu Zeitschriften, die zwischen 1898 und 1943 erschienen sind.

Die Ausstellung ist – bei freiem Eintritt – montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr zu sehen.

Titelbild der Mappe zum graphischen Zyklus „Tristan und Isolde“.

Titelbild der Mappe zum graphischen Zyklus „Tristan und Isolde“.

 

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