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„Ja, ich bin ein Demokrat“

Altertumsverein Worms e.V.: Vortrag über Marcus Edinger am 17. Januar um 19 Uhr im WORMSER

Der angesehene jüdische Kleiderfabrikant Marcus Edinger.Foto: Stadtarchiv Worms

Der angesehene jüdische Kleiderfabrikant Marcus Edinger. Foto: Stadtarchiv Worms

Im Rahmen der Vortragsreihe des Wormser Altertumsvereins Worms e.V. spricht Dr. Burkard Keilmann zum Thema: „Ja, ich bin ein Demokrat – im guten Sinne des Wortes!“ – Ein Landtagswahlkampf des jüdischen Abgeordneten Marcus Edinger gegen die Wormser Nationalliberalen im frühen Bismarckreich (1872).

Nicht alle seine Kollegen waren begeistert über den Antrag, mit dem der Wormser Jungunternehmer Cornelius Wilhelm Heyl den Wormser Gemeinderat im Spätjahr 1870 überrumpelte. Mitten im Krieg gegen Frankreich wollte der junge Mann sein Idol, den preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck, und General Helmuth von Moltke zu Ehrenbürgern der Stadt Worms ernennen. Hatten die Herren Gemeinderäte nichts Wichtigeres zu tun? Gerade vier Jahre war es her, dass preußische Truppen bei Aschaffenburg die großherzoglich-hessische Armee vernichtend geschlagen und dabei 800 Soldaten getötet oder verwundet hatten.

Nöte der kleinen Handwerker
Der angesehene jüdische Kleiderfabrikant Marcus Edinger, der die Stadt Worms seit Jahren auch im hessischen Landtag vertrat, widersprach vehement, aber vergeblich. Edinger war der Militarismus ein Gräuel. So sehr er die deutsche Einheit wünschte, verabscheute er nationale Überheblichkeit und Intoleranz. Die Nöte der kleinen Handwerker lagen ihm am Herzen.

Er wollte ihnen die zum Überleben ihrer Betriebe nötigen finanziellen Mittel verschaffen. Nach dem Vorbild von Hermann Schulze-Delitzsch hatte er sich daher in seiner Heimatstadt bei der Gründung eines Vorschuss- und Kreditvereins engagiert, aus dem die Wormser Volksbank hervorging. Immer mehr sympathisierte Edinger mit Vereinen und Organisationen, die eine demokratische Entwicklung des neuen Kaiserreiches anstrebten.

Freier Eintritt
Das aber vertiefte den Graben zwischen ihm und der wirtschaftlich potenten und politisch gut vernetzten nationalliberalen Elite der Stadt um die Lederindustriellen Heyl und Doerr & Reinhart.

Bei der Landtagswahl von 1872 musste Edinger um sein Mandat fürchten. Keilmann untersucht, wie es dem Abgeordneten gelang, sein politisches Überleben wenigstens vorübergehend durch eine ungewöhnliche Koalition zu sichern.

Der Vortrag findet am Freitag, dem 17. Januar, um 19.30 Uhr, im Großen Liebfrauensaal des Wormser Kultur- und Tagungszentrums, Tiberiasplatz (Rathenaustraße) statt, freier Eintritt.

Datum/Zeit
Datum - 17.01.2020
19:30 - 21:00

Ort
DAS WORMSER

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