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Fr., 11. Oktober 2013, 16:17 Uhr
Die Turnhalle des TV Pfiffligheim könnte aufgrund einer Schuldenlast von 750.000 Euro des Vereins verschwinden
Verkauf oder Insolvenz – TV Pfiffligheim in der Zwickmühle
Die Zukunft der Sportanlagen des TV Pfiffligheim ist ungewiss. Das Foto zeigt die Tennishalle sowie die Plätze im Freien. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Die Zukunft der Turnhalle und des Tennisgeländes des TV Pfiffligheim in der Wehrgasse unweit der Pfrimm ist ungewiss. Hintergrund ist, dass den TV Pfiffligheim Verbindlichkeiten in Höhe von rund 750.000 Euro drücken. Diese Schulden sind durch den Bau der Tennishalle und der Tennisfreiplätze ab Mitte der 1980er Jahre für die Tennisabteilung Grün-Weiß auf dem Gelände entstanden. Angestoßen wurden die Baumaßnahmen von der Tennisabteilung, als Tennis in Deutschland aufgrund der Erfolge von Boris Becker und Steffi Graf boomte. So hatte die Tennisabteilung nach Aussage des 1. Vorsitzenden der Tennisabteilung Grün-Weiß, Jürgen Seckler, zur einstigen Hochphase 500 Mitglieder, heute seien es nur noch etwa 300. Die Tennisabteilung wird bis Ende des Jahres aufgelöst und die Mitglieder treten dem Tennisclub Rot-Weiß bei.
Kaufangebot an TV Pfiffligheim
Wichtig in diesem Zusammenhang, der sogenannte Tennisclub Grün-Weiß ist nur eine Abteilung des TV Pfiffligheim, kein eigenständiger Verein. Die Schulden lasten daher auf dem Gesamtverein. Der TV Pfiffligheim steht nun mit dem Rücken an der Wand, weil er diese Verbindlichkeiten bei den Banken tilgen muss. Der denkbare Ausweg aus der Misere ist der Verkauf des Gesamtgeländes aus Tennisplätzen, Tennishalle und wahrscheinlich auch der Turnhalle. Dazu liegt dem TV Pfiffligheim nach Aussage der beiden Vorstandsmitglieder Norbert Kratz (Schatzmeister) und Norbert Lotz (Schriftführer) ein Kaufangebot der SFB Projekt GmbH & Co.KG aus Weinsheim für das Gesamtgelände in Höhe von 625.000 Euro vor. Die SFB hat nach Aussage von Geschäftsführer Georg Müller mehrere Konzepte entwickelt, wie das Areal genutzt werden kann. Im Kern geht es natürlich darum, das Gebiet so zu erschließen, dass es sich auch finanziell rechnet. Eine der Planungen der SFB sah vor, auf dem Teilgebiet, auf dem sich die Tennisfreiplätze befinden, ein Reha-Zentrum, etwa zehn Einfamilienhäuser und einen Einkaufsmarkt zu bauen. Die Turnhalle und die Tennishalle sollten unberührt bleiben. Dies hätte bedeutet, dass dort Tennis gespielt werden könnte bzw. die Turnhalle für alle übrigen Vereinsaktivitäten zur Verfügung stünde.
Bauausschuss mit Ablehnung
Doch machte die Stadt einen Strich durch dieses Vorhaben. Zwar wurde die Problematik im städtischen Bauausschuss diskutiert, aber die Verwaltung machte hier deutlich, dass eine Bebauung der Tennisplätze im Freien problematisch sei, da der Arten- und Umweltschutz in den Pfrimmauen betroffen wäre. Auch Aspekte der Frischluftzufuhr gelte es zu beachten. Wobei sich hier kritisch fragen lässt, ob die vorhandenen Tennisfreiplätze wirklich zu dem Naturparadies Pfrimmauen gehören oder nicht schon als eine Art Gelände mit sportlicher Sonderbebauung zu werten sind. OB Michael Kissel ergänzte in einem Gespräch mit dem NK, dass auch das Wormser Einzelhandelskonzept einen Verbrauchermarkt an dieser Stelle nicht zulasse. Das Fazit ist, der Bauausschuss lehnte das Vorhaben ab.
Erhalt der Turnhalle
Die SFB möchte dennoch an dem Kauf festhalten, muss aber umdenken, da der Außenbereich ja nicht bebaut werden kann. Dies könnte etwa bedeuten, die Turnhalle wird von der SFB in das Reha-Zentrum umgebaut und die Tennishalle wird abgerissen und eine Wohnbebauung erfolgen. Was wiederum Proteststürme in Pfiffligheim losgetreten hat, da die Turnhalle ja nicht nur vom Turnverein genutzt, sondern für alle anderen Veranstaltungen in Pfiffligheim zur Verfügung steht, etwa für Karneval oder den Neujahrsempfang. Besonders Ortsvorsteher Theo Cronewitz hat sich hier mächtig ins Zeug gelegt.
Verkauf oder Insolvenz?
Wie soll es nun weitergehen? Zunächst muss der Verein klären, ob er verkaufen möchte oder nicht? Nach der Sitzung des Vorstandes am Freitag (nach Redaktionsschluss) wird dies auf einer Mitgliederversammlung Ende des Jahres entschieden. Prinzipiell stehen dem Verein zwei Alternativen offen: 1) Das Gelände wird an die SFB verkauft oder 2) Der Verein geht in die Insolvenz. Dies würde bedeuten, es wird ein Insolvenzverwalter eingesetzt, der den Verein und seine Liegenschaften abwickelt. Letztgenanntes böte nach Aussage der beiden Vorstandsmitglieder des TV, Norbert Kratz und Norbert Lotz, den Vorteil, dass dadurch alle Liegenschaften unter den Hammer kommen und die Banken nur so viel Geld erhalten, wie erzielt werden konnte, mehr nicht. Würde der Verein hingegen das Gelände verkaufen, dafür aber eben nur jene 625.000 Euro erhalten, blieben von den Schulden in Höhe von 750.000 Euro immer noch 125.000 Euro übrig, von denen der Verein nicht weiß, wie er sie zurückzahlen soll. Zudem, so die beiden Vorstandsmitglieder, gibt es eventuell noch weitere Forderungen in Höhe von 50.000 bis 100.000 Euro, die der Verein ebenfalls nicht bedienen kann.
CDU sieht Gesprächsbedarf
Eine insgesamt vertrackte Situation. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Klaus Karlin sagte gegenüber dem NK, dass dringend Diskussionsbedarf bestehe. Das Hauptanliegen sei es dabei, die Turnhalle als „Ortsgemeinschaftshaus” für die vielen sportlichen und kulturellen Aktivitäten in Pfiffligheim zu erhalten.
Häuser bauen und Halle erhalten
Ein von Bürgern ins Spiel gebrachter Lösungsvorschlag sieht vor, dass die Turnhalle für den Stadtteil als Begegnungsort erhalten bleibt und auf den Tennisfreiplätzen rund zehn Einfamilienhäuser entstehen. Der Supermarkt solle nicht entstehen und die Pfrimmauen als Naturparadies geachtet werden.