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13.24 Uhr | 25. November 2021

Vom Ruinenfeld zum Weltkulturerbe

Wormser Synagoge: 60 Jahre Wiedergewinnung des einzigartigen Bauensembles / Sammelband kommt 2022

Am 3. Dezember 1961, vor fast vor genau 60 Jahren, wurde der Wiederaufbau der ab 1938 in der Zeit der NS-Barbarei fast völlig zerstörten Wormser Synagoge und mit ihr das außergewöhnliche Projekt der Wiedergewinnung eines einzigartigen Bauensembles feierlich abgeschlossen.

Im Beisein hoher Repräsentanten von Bund (Vizekanzler Ludwig Erhard vertrat Bundeskanzler Adenauer), Land, jüdischen Gemeinden und der Stadt Worms sowie weiterer Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wurde ein seit Kriegsende vielfach kontrovers diskutiertes, komplexes Vorhaben abgeschlossen. Damit konnte die so weit wie möglich originalgetreu rekonstruierte Wormser Synagoge als erinnerungspolitisches Zeichen (ohne die Existenz einer eigenen jüdischen Gemeinde) wieder als Gotteshaus erstehen.

Der damalige Oberbürgermeister Heinrich Völker sagte in der Rede bei der Wiederweihe für die Stadt: „Der Tag der Einweihung wurde von uns aufrichtig herbeigesehnt. Ein Tag, der ein sichtbarer Meilenstein in der Geschichte unserer Stadt sein wird. Mögen sich an dieser heiligen Stätte fromme Menschen in Frieden und Andacht versammeln zum Ruhme und zur Ehre Gottes.“ Der Stadtrat hatte zu Beginn der Arbeiten 1957 die Verantwortung der Stadt für die Unterhaltung der Synagoge „bis zum Wiedererstehen einer jüdischen Gemeinde in Worms“ übernommen – die Stadt Worms nimmt diese Verpflichtung bis heute sehr ernst. Seit Sommer 2021 gehört der rekonstruierte Synagogenkomplex zum Weltkulturerbe der Unesco.

Aus unterschiedlichen Perspektiven
Das Stadtarchiv Worms und die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz bereiten aus diesem Anlass einen Anfang 2022 erscheinenden Sammelband unter dem Titel „Kontinuität – Zerstörung – Authentizität? Die Wiedergewinnung des Synagogenbezirks in Worms 1945–1961“ vor, der in der Wernerschen Verlagsgesellschaft publiziert wird. Aus ganz unterschiedlichen Perspektiven werden dort die Besonderheiten im Umgang mit dem Synagogenbezirk bis zum 1961 vollendeten Wiederaufbau der Synagoge als nicht zuletzt denkmalpflegerisch besonders herausforderndem Projekt beleuchtet. Dies geschieht auf der Grundlage umfangreicher Archivalien im Stadtarchiv (Akten, Pläne, zahlreiche Fotografien), jüngster baugeschichtlicher Forschungen und denkmalpflegerischer Konzepte, mit Beiträgen auch zur Sanierung der Mikwe und dem Wiederaufbau des Raschi-Hauses. Damit wird der Band auch einen Beitrag zur Diskussion im Umgang mit gefährdetem Kulturerbe leisten, ein Thema mit leider wieder aktuell trauriger Relevanz.

Wer mehr wissen will, dem sei der Besuch des Jüdischen Museums im Raschi-Haus empfohlen. Hier wird im Rahmen der neuen SchUM-Dauerausstellung ausführlich auf die Geschichte der Synagoge und die Frage ihrer Rekonstruktion nach 1945 eingegangen.

Am 3. Dezember 1961 war sogar der damalige Vizekanzler Ludwig Erhard (3. von links) zu Besuch in der wiedererrichteten Synagoge. Foto: Stadtarchiv Worms

Am 3. Dezember 1961 war sogar der damalige Vizekanzler Ludwig Erhard (3. von links) zu Besuch in der wiedererrichteten Synagoge. Foto: Stadtarchiv Worms

 

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

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