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Was dürfen die Nibelungenfestspiele kosten?

Haupt- und Finanzausschuss votierte für eine Erhöhung des städtischen Zuschusses um 200.000 Euro pro Jahr / Aufführung nur alle zwei Jahre?

Alexandra Kamp bei den Nibelungen Festspielen im Jahr 2017.

Alexandra Kamp bei den Nibelungenfestspielen im Jahr 2017.

Von Gernot Kirch Auf der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses (HuFA) stand am Mittwochnachmittag der jährliche Zuschuss der Stadt Worms für die Nibelungenfestspiele auf der Tagesordnung. Nach einem Beschluss des Stadtrates aus dem Jahr 2014 war dieser Zuschuss auf 1,5 Millionen Euro gedeckelt. Nun wurde in einem Antrag gefordert, diesen städtischen Zuschuss um jährlich 200.000 Euro auf 1,7 Millionen Euro zu erhöhen. Nach einer intensiv und emotional geführten Diskussion stimmten zehn Ausschussmitglieder für die Erhöhung, dies waren die Mitglieder der CDU-Fraktion und fast die gesamte die SPD-Fraktion. Einzig Patricia Sonek (SPD) votierte mit Grünen, FWG und FDP gegen die Erhöhung, sodass es sechs Gegenstimmen gab. Franz Lieffertz (Linke) enthielt sich. Der HuFA hat jedoch nur eine Empfehlung gegeben, endgültig entschieden wird über die Erhöhung des Zuschusses im Stadtrat.

Werbewirkung für Worms

Oberbürgermeister Michael Kissel hob in seiner Rede im HuFA die Bedeutung der Nibelungenfestspiele als Werbeträger für die Stadt Worms hervor. Weiter betonte er, dass die Kultur inzwischen als wichtiger Standortfaktor angesehen werde. Worms habe einen großen Imagegewinn durch die Festspiele erhalten. Um dem Qualitätsanspruch sowohl in künstlerischer Hinsicht auf der Bühne wie auch im Umfeld gerecht zu werden, bedürfe es jener 200.000 Euro im Jahr mehr. Zumal die allgemeine Kostenentwicklung auch die Festspiele treffe. Und besonders in den Bereichen Lärmschutz und Sicherheit müssten die Veranstalter nachlegen. Abschließend formulierte der Stadtchef, dass es dieser 200.000 Euro bedarf, wolle man die Nibelungenfestspiele auf dem momentan hohe Niveau erhalten. OB Kissel ergänzte im Verlauf der Diskussion, dass die Stadt den 100-fachen Betrag für Kitas und Schulen ausgebe.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende, Dr. Klaus Karlin, stimmte dem Oberbürgermeister zu und betonte die Bedeutung der Festspiele für den Tourismus und die Wirtschaft. Die Festspiele seien ein unverzichtbarer Leuchtturm für Worms, so der Christdemokrat.

Nur alle zwei Jahre?

Dr. Jürgen Neureuther (FDP) möchte auch das Niveau behalten, warf aber die Frage in den Raum, ob es nicht ausreiche, die Nibelungenfestspiele alle zwei Jahre also als Biennale zu veranstalten? Der Liberale sah zudem die Gefahr, dass dies nicht das Ende der Fahnenstange sei, sondern irgendwann erneut der Ruf nach mehr Geld erfolge.

Patricia Sonek (SPD) zeigte sich als Rebellin in ihrer Fraktion und votierte gegen die Erhöhung des Zuschusses. In der Aussprache sagte sie: „Die Mehrheit der Bürger sieht nur, dass noch mehr Geld in die Nibelungenfestspiele fließt.“ Patricia Sonek stellte die Frage, warum das Land nicht mehr Geld gebe, wenn die Festspiele solch ein wichtiger Leuchtturm seien?

Warum Freikarten für Stadträte?

Mathias Englert (FWG) betonte, dass noch nicht alle Sparmöglichkeiten bei den Festspielen ausgereizt seien. So würden bei der Premiere alle Stadtratsmitglieder Freikarten erhalten, was rund 20.000 Euro mache.

Richard Grünewald (Grüne) ging sogar noch eine Schritt weiter und sagte, dass keiner der 1.000 Premieren-Gäste für seine Eintrittskarte etwas bezahle. Wobei den Sponsoren ein gewisses Kontingent als Teil des Sponsorenvertrages zustehe. Aber insgesamt entgingen hier Einnahmen in Höhe von rund 250.000 Euro.

Zu hohe Kosten

Richard Grünewald (Grüne) votierte mit seiner Fraktion mit „Nein“. Er sehe zwar durchaus die positive Seite der Festspiele, also den Imagegewinn und die Werbewirkung für die Stadt, betonte aber, dass die Kosten davonlaufen. Schon jetzt würden die Festspiele keine 3,8 Millionen Euro kosten, wie offiziell erklärt, sondern etwa 4,5 Millionen Euro. Denn zu den veranschlagten Kosten von 3,8 Millionen Euro müsste noch 434.000 Euro Aufwendungen für den Heylshof gerechnet werden. Außerdem, so Richard Grünewald im HuFA, kämen noch rund 180.000 Euro weiterer Ausgaben dazu, sodass am Ende 4,5 Millionen Euro zu Buche stünden.

Weiter führte der Grünenchef aus, dass die Nibelungenfestspiele auch 2018 nur etwa 1,2 Millionen Euro aus dem Verkauf von Eintrittskarten und Sponsorengeldern erwirtschafteten. Der Großteil der Einnahmen seien schon jetzt Spenden (250.000 Euro) sowie Zuschüsse vom Land (650.000 Euro ) und der Stadt, wobei Richard Grünewald den Zuschuss der Stadt inklusive aller Aufwendungen bei rund 1,9 Millionen Euro sieht.

 

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Geschrieben in Worms und Ortsteile am 14. Februar 2018

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