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Wehret den Anfängen

Antifaschistische Rundfahrten durch die Innenstadt am 30. Januar

Um Bewusstmachung geht es dem Bündnis gegen Naziaufmärsche, das am 30. Januar, dem so genannten Tag der Machtergreifung, antifaschistische Rundfahrten durch die Innenstadt anbietet. Um auch Älteren und Behinderten keinen anstrengenden Fußweg zuzumuten, wird die Spurensuche mit dem Nibelungenbähnchen erfolgen.

Treffpunkt ist der Westausgang am Bahnhof auf dem Auxerre-Platz. Der Wormser Güterbahnhof ist die erste Station. Drei Mal war das Gelände in der Zeit des Faschismus der Ort, an dem für die Wormser Sinti (16. Mai 1940) und die Wormser Juden (19. März und 27. September 1942) die Reise in den Tod begann. Dies geschah vor aller Augen am helllichten Tag. Das „Bündnis gegen Naziaufmärsche“ fordert an dieser Stelle den „Gedenk- und Lernort ehemaliger Güterbahnhof“ zu errichten.

Vom Bahnhof aus geht die Fahrt mit dem Bähnchen zur ehemaligen Gastwirtschaft „Zum Summser“, heute eine Ruine hinter der Brunhildenbrücke, die ein bevorzugter Treffpunkt der Nazis war. Zur Erinnerung an die Entrechtungen und Verfolgungen, denen die jüdischen Bürger ausgesetzt waren, wird sodann die Rathenaustraße passiert. Im Haus Nr. 18 wohnte Hofrat Max Levy, ein allseits angesehener Mann, der als Privatbankier tätig war und sich der Kunst und der Geschichte widmete. In der Reichspogromnacht wurde das kostbare Inventar seines Hauses auf die Straße geworfen. Das Haus Nr. 27 hatte dem Getreide- und Futtermittelhändler S. Hirsch gehört. 1933 wurde es von den Nazis konfisziert und war dann Sitz der „Deutschen Arbeitsfront“. Am 2. Juli 1945 nahm hier der Freie Gewerkschaftsbund für Worms seine Arbeit auf.

In der Renzstraße wird Halt gemacht am Geburtshaus des bedeutenden jüdischen Arbeitsrechtlers Hugo Sinzheimer. Danach fährt das Bähnchen zum Ehrenmal für die Opfer des Faschismus, das am 10. September 1950 eingeweiht wurde und an die fast 600 Wormser Opfer des Faschismus erinnert. Auf dem Platz der Partnerschaft, ehemals Platz der Nation, mit Reliefs des Künstlers Albrecht Glenz, wurden 1937 die Rekruten des Pionierregiments vereidigt. Am Haus zur Münze vorbei, ehemals Standort des Cornelianums, wo sich 1933 „Reichsstatthalter“ und NSDAP-Gauleiter Jakob Sprenger in das Goldene Buch der Stadt Worms eintrug und sich unter dem Jubel der Bevölkerung auf dem Balkon zeigte, gelangt das Bähnchen schließlich zum ehemaligen Volkshaus. Es befand sich in der Petersstraße 15. Die Büros der SPD sowie aller der SPD nahestehenden Einrichtungen und des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes waren dort untergebracht. Am 2. Mai 1933 wurden alle Büros besetzt, Gewerkschaften und SPD-Verwaltungsstrukturen zerschlagen, viele Funktionäre nach Osthofen ins KZ verbracht, einige von ihnen, wie Ludwig Bardorf und Jakob Seibel im so genannten Hochverratsprozess zu hohen Haftstrafen verurteilt. In der Mähgasse schließlich wird an die teils heftigen Straßenschlachten zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten erinnert. Von dort geht es zur Synagoge, die damals seit 900 Jahren existierte und am 10. November 1938 niedergebrannt wurde.

Die antifaschistische Stadtrundfahrt erfolgt am Samstag, 30. Januar. Die Abfahrten sind um 10 Uhr, 11.30 und 13 Uhr am Westausgang des Bahnhofs (Auxerre-Platz). Dort gibt es jeweils eine Einführung. Heike Schreiber-Wolsiffer wird die drei Fahrten begleiten und Erläuterungen geben.

Die Rundfahrt wird nach dem Büchlein „Auf den Spuren des Nationalsozialismus“ durchgeführt das auch bei der Rundfahrt erworben werden kann. Die Aktion wird vom Bundesministerium für Familie, Seniore, Frauen und Jugend und von „Demokratie leben“ gefördert.

Wer an der Stadtrundfahrt teilnehmen möchte, meldet sich per E-Mail (heiner.boegler@t-online.de), Fax 06241/324844 oder Brief (Bündnis gegen Naziaufmärsche Worms, Brandenburger Straße 3, 67551 Worms) an. Bitte dabei die gewünschte Abfahrtszeit angeben.

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

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