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12.28 Uhr | 18. August 2022
GRUNDWASSER: VSR-Gewässerschutz stellt hohe Nitratbelastung in und um Frankenthal fest

Weizenanbau muss nachhaltiger werden

Matthias Ahlbrecht vom VSR-Gewässerschutz berät Brunnenbesitzer am Informationsstand. Foto: Anja Roth

Viele Bürger kamen im Mai an den Informationsstand der gemeinnützigen Organisation VSR-Gewässerschutz in Frankenthal, um ihr Brunnenwasser untersuchen zu lassen. Es waren zahlreiche Brunnenbesitzer dabei, die wissen wollten, ob sie im Notfall das Wasser auch zum Trinken nutzen können.

„Gerade für Familien mit Säuglingen und Kleinkindern ist es wichtig, dass das Wasser keine höhere Nitratbelastung von 50 mg/l aufweist“, so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. Sie erklärt: „Wenn Babynahrung aus Wasser mit hohen Nitratkonzentrationen zubereitet wird, kann es bei Säuglingen zur Blausucht kommen. Dies ist eine Unterversorgung des Blutes mit Sauerstoff und kann für Kleinkinder lebensbedrohlich sein.“

Bobenheim, Osthofen und Worms

Leider musste jeder dritte Brunnenbesitzer erfahren, dass der Nitratgrenzwert der Trinkwasserverordnung überschritten ist. Insgesamt wurde das Wasser von 79 privat genutzten Brunnen aus dem Raum Frankenthal – Hessheim – Beindersheim analysiert. Dipl.-Phys. Harald Gülzow und Dr. Matthias Ahlbrecht fanden bei den Untersuchungen über 300 Milligramm Nitrat pro Liter in fünf privat genutzten Brunnen in Flomersheim und in einem Brunnen in Hessheim. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer etwa in Bobenheim-Roxheim mit 74 Milligramm pro Liter (mg/l) fest.

Im Raum Alzey sowie für Osthofen und Worms hatte der VSR-Gewässerschutz bei Brunnenwasser-Analysen in den vergangenen fünf Jahren festgestellt, dass jede zweite Probe den Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 mg/l Nitrat überschreiten. Die häufigsten Belastungen, die festgestellt wurden, sind neben zu hohen Werten für Nitrat auch überschrittene Grenzwerte für coliforme Keime und Eisen. Das Wasser aus 90 Prozent der privat genutzten Brunnen im Kreis Alzey-Worms ist somit nach Angaben der Experten nicht zum Trinken geeignet! 

Messergebnisse und landwirtschaftliche Daten

Der gemeinnützige Verein setzt sich bereits seit vielen Jahren für den Schutz des Grundwassers ein. Die Mitglieder werten nicht nur die Ergebnisse der Nitratmessungen des Brunnenwassers aus, sondern auch die regionalen landwirtschaftlichen Daten. Anhand dieser Recherchen können die Umweltschützer erkennen, welche landwirtschaftliche Nutzung besonders zur Nitratbelastung beiträgt. Auf ihrer Homepage sind die aktuellen Auswertungen veröffentlicht.

Bei ihrer Recherchearbeit fiel den Gewässer-Experten auf, dass gerade in den Kreisen, in denen viel Weizen angebaut wird, auch eine höhere Nitratbelastung vorliegt. Im Kreis Frankenthal macht der Weizenanbau bereits 21 Prozent der Ackerflächen aus. Weizen ist eine der wichtigsten Nahrungsnutzpflanzen der Welt. Durch eine zusätzliche späte Düngung des Weizens wird ein besonders hoher Eiweißgehalt des Getreides erreicht – heutzutage immer noch ein Qualitätsmerkmal für besonders gute Backeigenschaften. Der Dünger werde allerdings häufig nicht mehr vollständig von den Pflanzen aufgenommen und die überschüssigen Nitrate würden dann ins Grundwasser ausgewaschen. Der VSR-Gewässerschutz fordert, dass diese Nitratauswaschung von den Weizenfeldern vermieden werden muss.

Sehr hoher Anteil des Backweizens landet in Futtertrögen 

„Der Eiweißgehalt wird fälschlicherweise immer noch ausschließlich als Qualitätskriterium für die Verwendung als Backweizen angesehen. Das kritisieren bereits zahlreiche Wissenschaftler. Dabei ist schon lange bekannt, dass auch hervorragende Brote mit weniger Eiweiß gebacken werden können“, so Susanne Bareiß-Gülzow. Ein sehr hoher Anteil des angebauten Backweizens landet heutzutage in den Futtertrögen, weil er aufgrund zu niedriger Proteinwerte nicht diesen Qualitätsanforderungen entspricht.

„Der hier angebaute Weizen sollte der Brotherstellung dienen und zur Ernährungssicherheit beitragen“, bemerkt Susanne Bareiß-Gülzow. Es ist fatal, dass sich weltweit der hohe Eiweißgehalt des Weizens etabliert hat. Der VSR-Gewässerschutz fordert ein Umdenken des Handels: Die Anforderungen an Backweizen müssen umfangreicher bewertet werden – ein hoher Proteinwert ist nicht allein ausschlaggebend für die gute Backeigenschaft des Getreides. Es muss dringend verhindert werden, dass die Trinkwasservorräte durch den Weizenanbau weiterhin mit Nitraten belastet werden.

Vorzeigeprojekt aus Bayern

Das dies gelingen kann, zeigt ein Vorzeigeprojekt aus Bayern. Hier verzichten bereits einige Landwirte auf die Spätdüngung des Weizens. Das Getreide weist dann zwar tatsächlich einen geringeren Eiweißgehalt auf, dennoch entsteht daraus ein hervorragendes Brot. In der Initiative Wasserschutz-Brot haben sich Landwirte, Müller, Bäcker und Wasserversorger zusammengeschlossen mit dem gemeinsamen Ziel, das Trinkwasser vor Belastungen zu schützen.

Bei den Kunden sind die Backwaren sehr beliebt und einige Bäckereibetriebe haben sogar vom Deutschen Brotinstitut Auszeichnungen für das Wasserschutz-Brot erhalten. Umso unverständlicher, dass dieses erfolgreiche Projekt in Bayern bisher noch keine Nachahmer in anderen Bundesländern gefunden hat. Der VSR-Gewässerschutz fordert auch andere Bundesländer und Regionen Deutschlands auf, sich diesem Modell anzuschließen und mit vergleichbaren Projekten am Schutz der Grundwasservorräte vor Belastungen aus der Landwirtschaft zu beteiligen.

Grundwasser besser schützen

Durch Brunnenwasseruntersuchungen erkennen die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz Belastungen des Grundwassers möglichst frühzeitig und umfassend. Gefährdung von Menschen durch die Nutzung von Grundwasser kann so verhindert werden. Mit ihren Messkampagnen treibt die gemeinnützige Umweltschutzorganisation umweltpolitische Maßnahmen voran. Der VSR-Gewässerschutz zeigt, dass die bisherigen politischen Maßnahmen nicht ausreichen, um die Trinkwasserressourcen für weitere Generationen zu sichern. Grundwasser stellt die Trinkwasservorräte für die nachfolgenden Generationen dar – eine Verringerung der Belastung ist daher aus Sicht der Gewässerschützer dringend erforderlich. 

Brunnenbesitzer, die den Termin am Labormobil verpasst haben, finden auf der Internetseite der Gewässerschutzorganisation auch weitere Informationen zu den angebotenen Untersuchungen. Bis Ende September können die Wasserproben auch per Post an die Geschäftsstelle in Geldern zugesendet werden.

Mehr Infos unter https://vsr-gewaesserschutz.de/

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Geschrieben in Aus dem Nibelungenland

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