Sie sind hier: Home » Aus dem Nibelungenland » Welthits im Heimspiel
14.30 Uhr | 21. Juni 2022
JAHRHUNDERTHALLE: Konzert der Pet Shop Boys am Samstag in der Jahrhunderthalle / „It’s a world of music and memories”

Welthits im Heimspiel

Neil Tennant von den Pet Shop Boys. Foto: Rudolf Uhrig

Neil Tennant von den Pet Shop Boys. Foto: Rudolf Uhrig

Von Rudolf Uhrig Während andere Bands sich derzeit reihenweise auf ihren großen Fairwell-Konzerten verabschieden, scheinen die beiden Briten – ebenfalls im Rentenalter – ihrem Publikum eher ein munteres: „Ad multos annos“ zu zurufen… Neil Tennant (67) und Chris Lowe (64) – die Pet Shop Boys sind auf Tour und gastierten am Sonntagabend in der ausverkauften Jahrhunderthalle in Höchst.

Gut, der Titel ihrer Tour „Dreamworld – Greatest Hits Live“ könnte solche Mutmaßungen anstellen, aber nur zu gut kennen die beiden das Rentensystem ihres Vereinten Königreichs, denn dort ist die Rente eher als eine Art Notgroschen aufgebaut, nicht wie in Deutschland, wo die Menschen vor Altersarmut geschützt und der Lebensstandard aufrecht erhalten bleiben sollen.

„Heute Abend begeben wir uns in eine Traumwelt“, sagt Pet Shop Boys-Frontmann Neil Tennant, während Chris Lowe neben ihm mit der ihm Gott gegebenen Leidenschaftslosigkeit auf den Sequenzern mäandert. „Es ist eine Welt der Musik und der Erinnerungen“. Er hat nicht Unrecht; wenn das altgediente Synthie-Dance-Paar bei einem anschließenden Tauchgang durch seinen Katalog irgendetwas erreicht, dann ist es, rosige Erinnerungen daran heraufzubeschwören, denn mit 100 Millionen verkaufter Tonträger sind sie das erfolgreichste Pop-Duo, zumindest in UK.

Insofern nehmen die beiden auch 40 Jahre nach Beginn ihrer Karriere immer noch einen einzigartigen Platz am Pop-Firmament ein, das beweist auch das Publikum, das im „Mehrgenerationenhaus“ bei brütender Sommerhitze abgekämpft klatscht und tanzt.

Schillernd und knallig
„Suburbia“ aus dem Jahr 1986 – ist der schwebende Opener, unspektakulär begleitet von zwei Straßenlaternen, die auch in jenen spannungsgeladenen Vorstädten hätten stehen können. Traurige Textzeilen zu Lowes filtriertem Gute-Laune-Elektro-Pop. Aber schillernde Effekte und knallige Pop-Hooks sollten in den nächsten crowd pleaser-Kavalkaden folgen… eben in den Klassikern wie das pulsierende „Heart“ und das eher sanfte „Rent“, über ihre Coverversion vom im letzten Jahr verstorbenen Stephen Sondheims „Losing My Mind“ (das sie 1989 ursprünglich für Liza Minelli produzierten) bis hin zu dem von Tennant selbst an der Akustikgitarre begleiteten „You Only Tell Me You Love Me When You’re Drunk“. Dazu der Frontmann auf Englisch und Deutsch: In Deutschland fiel dieser Song durch, in England war es ein Top-Ten-Hit. „Ohhhh“ so die einhellige Meinung des ergebenen Publikums. „Vocal“ dem euphorischen Knaller von 2013 passt dann schon wieder eher. Selbst die beiden Stücke aus dem „brandneuen“ 2020er „Hotspot“-Album werden gefeiert aufgenommen, „Purple Patch“ und besonders „Dreamland“, das an diesem Abend von Clare Uchima intoniert wird.

Heimspiel also, egal, wo die beiden gerade sind. Der „New York City Boy“ ließ grüßen, „Domino Dancing“ fuhr dem vollen Saal in die Hüften, all das entwickelt selbst an so schweißtreibenden Abenden noch reichlich Magie in der Menge. Tennant gedenkt der Ukraine während er in „West End Girls“ eine Zeile in „from Mariupol to Kyiv station“ ändert, und widmet das ergreifende, nachdenkliche und melancholische „Being Boring“ denjenigen, die wir verloren haben, so auch Andy „Fletch“ Fletcher, dem Gründungsmitglied der britischen Kult-Band, die mit Hits wie „Just Can’t Get Enough“ oder „People are People“ – wie sie selbst – Musikgeschichte geschrieben haben. Der Keyboarder wurde nur 60 Jahre alt.

Beitrag teilen Facebook Twitter
Geschrieben in Aus dem Nibelungenland

Schreiben Sie einen Kommentar

2 + 4 =
7 + 8 =
9 + 10 =