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21.36 Uhr | 31. Juli 2020

„Wir wollen das Chaos nicht“

KARL-MARX-SIEDLUNG: Siedler und BI machen wegen Verkehrssituation gegen Pläne für Förder- und Beratungszentrum mobil

Verärgerung bei den Anwohnern in der Karl-Marx-Siedlung. Bei den Planungen für die Erweiterung des Förderzentrums blieb die Betrachtung der Verkehrsbelastung für die Anwohner scheinbar außen vor. Foto: Steffen Heumann

VON STEFFEN HEUMANN| Alle Schüler mit den Förderschwerpunkten „Lernen“ und „ganzheitliche Entwicklung“ aus dem Zuständigkeitsbereich der Stadt Worms, sollen künftig im Förderzentrum der Geschwister-Scholl-Schule integriert unterrichtet werden. Für den Standort in der Karl-Marx-Siedlung bedeutet das laut Schulentwicklungsplan einen Anstieg an Schülern von bislang 155 auf 228 und eine Erhöhung der Klassen 14 auf 23. Ein Teil der notwendigen baulichen Infrastruktur für das Förder- und Beratungszentrum ist mit dem energetisch sanierten Hauptgebäude, einem Bewegungsbad und der Sporthalle bereits vorhanden. Ein weiteres Schulgebäude soll folgen, bis zu dessen Fertigstellung greift die bewährte Containerlösung.

Bildung auf kontaminiertem Untergrund?
Das Vorhaben bereitet der Siedlergemeinschaft schon lange schlaflose Nächte. Im Gespräch mit dem NK äußern Siedler und Vertreter der Bürgerinitiative, die das Projekt am liebsten verhindern möchte, ihre Bedenken. Keineswegs sei man gegen die Einrichtung oder etwa gegen den „Lärm“, der von Kindern ausgehen könnte. Vielmehr gibt das Vorgehen der Politik, von der sich die Anwohner einfach nicht wahrgenommen, mittlerweile sogar übergangen fühlen, Anlass zur Kritik. Dass man am Rande der Stadt ein schulisches Förderzentrum plane und jetzt die Erweiterung auf einer kontaminierten Fläche ausführen will, kann Rosemarie Schmidt beim bestem Willen nicht nachvollziehen. Dieter Buhl und seine Gattin Christiane wissen nur zu gut, dass das Gelände, auf dem die Hartplatz-Helden der SG Kickers spielen, einst als Müllkippe zweckentfremdet wurde. Etliche Fässer unbekannten Inhaltes wurden dorthin verbracht. In den anliegenden Gärten wurden die Pächter sogar davor gewarnt, Obst und Gemüse anzubauen, geschweige denn, dieses zu verzehren. „Der Schuss könnte also nach hinten losgehen“, fürchtet auch Anwohner Georg Ahlf. Ihm und seinen Mitstreitern ist aber vor allem die Verkehrssituation ein Dorn im Auge.

„Hier herrscht bereits jetzt schon das reinste Chaos“, beschreibt Ahlf die Auswirkungen der Ganztagsschule für die Eduard-David-Straße und die umliegenden Straßen. Parkplatznot, alles dicht, Begegnungsverkehr zwischen Bussen und Kleinbussen. Kurzum: Nichts geht mehr rund um den Wendehammer! Wildes Parken, keine Verbote, im Ernstfall käme hier keine Feuerwehr durch, kritisieren die Mitglieder der Bürgerinitiative und Siedlergemeinschaft den Status Quo. Ein bisschen Parkraum am Kickers-Heim habe wenigstens etwas Entlastung gebracht, konstatieren die genervten Anwohner. Selbst Tempo 30 schaffe keine Abhilfe. „Die Rasen hier wie die Wilden.“ Rosemarie Schmidt ärgert sich über das Verhalten von Zeitgenossen, die ihren Fahrstil nicht den Gegebenheiten anpassen und damit zur Gefahr, nicht zuletzt für die Schulkinder, werden.

Befürchtung: Verkehrssituation wird sich verschärfen
Befürchtet wird, dass sich die Situation mit einer großen Zahl an Schülern, die in Kleinbussen die Siedlung anfahren und weiteren Lehrkräften, die Parkplätze benötigen, noch verschärfen wird. Bei der Verwaltung scheint das auf taube Ohren zu stoßen. Bereits der frühere Oberbürgermeister Michael Kissel und Sozialdezernenten Waldemar Herder seien bei einer Infoveranstaltung auf den Ernst der Lage hingewiesen worden. Bislang sei jedoch kein Verkehrskonzept ausgearbeitet worden, erläutert Klaus Trapp, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft. „Man will demnächst am Kickers-Gelände Bodenproben nehmen und diese analysieren“, berichtet der Vorsitzende. Das könnte zu Überraschungen führen, die aber nur die Planungen verzögern und Kosten in die Höhe treiben.

Förderzentrum an dieser Stelle alternativlos?
Das ist im Sinne der Siedler nicht zielführend, wie Margita Köhler-Eichberger betont. „Die Siedlung ist einfach nicht für ein solches Verkehrsaufkommen konzipiert“, fügt Köhler-Eichberger an. „Raus mit dem Verkehr“, lautet die Forderung der Siedler. Eine Zählung habe unlängst 1.200 Fahrzeugbewegungen an einem Schultag in der Zeit von 7 bis 19 Uhr ergeben. In der Enge zwischen Bach, Bahn, und Straße bietet die Siedlung mit rund 1.100 Bewohnern einfach nicht genug Platz für ein solches Vorhaben.

„Anständige Lösung wohl kaum in Betracht“
Da eine anständige Lösung wohl kaum in Betracht komme, wollen die Siedler und die im Mai letzten Jahres gegründete Bürgerinitiative, mobil machen. Vorsitzender Klaus Trapp signalisiert, dass es eine weitere Infoveranstaltung geben soll. Alternativen scheinen in der Siedlung allerdings Mangelware. Mit Vertretern verschiedener Parteien habe man bereits Gespräche geführt. Ohne Ergebnis, aber mit der Erkenntnis, dass der Standort Geschwister-Scholl-Schule wohl alternativlos sei. Auch, weil bei einem Scheitern bereits bewilligte Fördergelder zurückbezahlt werden müssten.

Wo bleibt das 
Verkehrskonzept?
Eine Ackerfläche hinter der Bahnlinie im Gewerbegebiet Wormser Süden, die sich im städtischen Besitz befindet, kommt als Ersatz nicht in Frage. Ab der Willensbekundung durch die städtischen Gremien wäre erst binnen 10 Jahren mit der Baureife zu rechnen. Selbst als temporärer Parkplatz taugt der Acker nicht, um die Anwohner zu entlasten. Kopfschütteln bei den Anwohnern, die sich immer öfter die Frage stellen, warum der Informationsfluss im Vorfeld nur spärlich verlaufen sei und die Notwendigkeit, bei der drohenden verkehrlichen Mehrbelastung durch eine Vergrößerung des Schulstandortes, ein Verkehrskonzept zu entwickeln, scheinbar nicht erkannt wird. „Der Zustand der Eduard-David-Straße ist schon bedenklich“, verweist Rosemarie Schmidt auf die zahlreichen Unebenheiten im Asphalt. Und im Falle einer Sanierung zahlen die Anwohner wieder die Zeche …

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

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