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Wohnungsleerstand hat ernste Gründe

Haus & Grund Worms-Alzey: „Wohnungsmangel liegt nicht an fehlendem guten Willen der Vermieter“ / Aus Sorge und Frust verzichten einige Eigentümer aufs Vermieten

Auch wenn Worms längst nicht so überquillt wie München oder Frankfurt, hört man auch in der Nibelungenstadt von Mieterseite die Sorge: Der Wohnraum ist knapp. Gleichzeitig zeigt sich dem, der aufmerksam in der Stadt unterwegs ist, aber noch ein anderes Bild, das dazu ganz und gar nicht passen will: Das ein oder andere Haus und so manche Wohnung stehen leer, und zwar über einen längeren Zeitraum. Fragt man Mitglieder der Eigentümerschutzgemeinschaft Haus & Grund Worms-Alzey, der mehr als 2.400 Vermieter im Umkreis angehören, warum dies so ist, so stößt man auf Antworten, die sich in drei Kategorien einteilen lassen.

Ärger mit „Mietnomaden“
Die erste Antwort lässt sich zusammenfassen als „Angst vor Ärger mit ,Mietnomaden’“. Als Mietnomaden bezeichnet man Personen, die in betrügerischer Absicht Mietverhältnisse begründen, keine Miete zahlen und die Wohnung mitunter verwahrlost zurücklassen, oder sich gar heraus klagen lassen.

Ein Mitglied, das namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet: „Wer, wie ich, schon drei vermüllte Wohnungen nach teurem Rechtsstreit mit seinen Freunden leer räumen musste, der lässt seine Wohnung eben im Zweifelsfall leer stehen“. Der Vermieter stellt die Frage: „Wer schützt uns davor?“. Der Haus & Grund Vorsitzende Hans-Joachim Lock, der als Rechtsanwalt und Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht auch Rechtsberatungen im Verein gibt, erklärt: „Der private Vermieter ohne Rechtsschutzversicherung erlebt mit einem einzigen Mieter, der sich als zahlungsunfähig erweist, sein wirtschaftliches Fiasko“.

Angst vor „schlechten Mietern“
Ein zweiter Grund, warum nicht vermietet wird, lässt sich so zusammenfassen: „Es gibt gute und schlechte Mieter und Vermieter – jedoch sitzen die Mieter meist am längeren Hebel“. Der Vermieter habe – zumindest wird dies so empfunden – kaum Möglichkeiten „schlechten Mietern“ beizukommen, sobald diese erst mal eingezogen sind. Vereinbarte Hausdienste, Wohnung sauber halten, das Mietgut erhalten oder andere Mieter nicht stören – alles kann, nichts muss: „Es beginnt schon beim regelmäßigen Kampf um die Einhaltung des Mietvertrags bei Kleinigkeiten wie Schnee räumen oder Mülltonne raus stellen“, berichtet ein Mitglied von Haus & Grund, das sich „ein Mietverhältnis auf Probe“ wünscht und eine Kündigung spätestens dann für angebracht hält „wenn alle anderen Bewohner des Hauses unter der Rücksichtslosigkeit einer Mietpartei leiden“.

Lock räumt ein: Das Mietrecht sei als Sozialgesetz konzipiert und schütze deshalb Mieter ganz besonders. „Bei Vertragsverletzungen muss vor einer Kündigung eine Abmahnung ausgesprochen werden, die auf die Beseitigung der Störung und die Fortsetzung des Mietverhältnisses abzielt. Bei Zahlungsrückständen haben Vermieter zwar ohne Abmahnung ein außerordentliches Kündigungsrecht – doch der sich anschließende Prozess kann sich je nach Einwendungen des Mieters über mehrere Monate hinziehen“. Der Albtraum eines jeden Vermieters.

Zu wenig Rücksicht der Politik!
Und es gibt eine dritte Aussage, mit der Mitglieder begründen, warum sie nach einer Vermietung an schwierige Mieter den Eindruck haben, ihnen gehörte ihr Eigentum, an dem häufig mehrere Generationen bei Aufbau und Erhalt mitgewirkt haben, nur noch auf dem Papier: Die Politik nimmt demnach zu wenig Rücksicht auf die „kleinen“ Vermieter. Auch hierzu berichtet ein Mitglied: „Ich habe die günstigste Wohnung nach einer Zwangsräumung abgeschafft. Den Zähler raus gebaut und die Tür zugemacht. Man gibt genervt auf!“.

Lösungen aus anderen Städten übertragbar?
Natürlich gibt es diese Probleme nicht nur in Worms. Einige Städte, im näheren Umkreis etwa Lampertheim oder Viernheim, haben deshalb inzwischen einen Weg beschritten, der das große Problem kleiner machen soll: Sie haben ein Programm aufgelegt, mit dem die Kommunen bei der Vermietung von Wohnungen vermittelnd helfen. Beide Städte bieten Eigentümern finanzielle Anreize für die Vermietung von ungenutzten Räumlichkeiten. Ein Mietvertrag ist für Vermieter sowohl mit der Stadt als auch mit dem tatsächlichen Mieter möglich. In Viernheim sollen auf diese Weise in einem Jahr immerhin 26 Wohnungen wieder dem Mietmarkt zur Verfügung gestellt worden sein. Lock kann sich vorstellen, dass dieses Vorgehen auch in Worms helfen könnte.

 

 

 

Geschrieben in Worms und Ortsteile am 10. Februar 2018

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