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16.00 Uhr | 1. Juni 2022
HAUPT- UND FINANZAUSSCHUSS: Einstimmiges Votum – Hitzeaktionsplan umsetzen und weiterentwickeln / Stadtrat soll Institutionalisierung eines Lenkungskreises beschließen / Kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen konkretisieren

Worms bereits heute von extremer Hitze betroffen

Besonders an heißen Tagen oder bei längeren Wartezeiten auf den Omnibus empfiehlt sich eine Atempause im Albert-Schulte-Park. Foto: Steffen Heumann

VON STEFFEN HEUMANN | Die Arbeitskreise sowie das Projektteam des Vorhabens „Hitze Sicher/Worms“ haben ein Konzept zur Umsetzung eines Hitzeaktionsplans für die Stadt Worms bereits erarbeitet. Jetzt liegt es an der Verwaltung den Hitzeaktionsplan umzusetzen, nachdem der Haupt- und Finanzausschuss (HFA) am Mittwoch ein einstimmiges Votum abgab. Die Verwaltung wird zudem beauftragt, ein Konzept für die Auslösung des Plans bei Hitzeereignissen zu entwickeln und ein entsprechendes Warnsystem zu etablieren. Für die Umsetzung und Koordination der Weiterentwicklung des Hitzeaktionsplans sollen die erforderlichen Personalressourcen unter Verwendung von Fördermitteln geschaffen werden. Der Stadtrat soll laut Beschlussantrag zunächst die Institutionalisierung eines Lenkungskreises beschließen. Dieser soll differenziert nach kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen in Abstimmung mit den Bereichsleitern besetzt werden. Neben den anteiligen Personalkosten für eine Vollzeitstelle der Einstufung TVÖD E11 bei erfolgreicher Akquise von Drittmitteln, müsste zur Umsetzung der Maßnahmen ein jährlicher Haushalt von mindestens 10.000 Euro bereitgestellt werden. Konkrete Aussagen zu weiteren entstehenden Kosten können nach dem ersten Umsetzungsjahr im Rahmen des Controllings benannt werden.

Durch lokale Anpassungsstrategien die Klimaresilienz erhöhen
Die Etablierung eines Hitzeaktionsplans ist eine Maßnahme aus dem Konzept zur Anpassung an den Klimawandel (KLAK), welches im Jahr 2016 beschlossen und seit Ende 2017 sukzessive umgesetzt wird. Im Jahr 2014 unterzeichnete die Stadt Worms bereits die europäische Initiative „Mayors Adapt“ des Konvents der Bürgermeister zur Anpassung an den Klimawandel. Diese umfasst die Verpflichtung, durch lokale Anpassungsstrategien die Klimaresilienz der Stadt zu erhöhen. Durch die hohe Betroffenheit der Stadt Worms im Bereich Hitze wird der Maßnahme zur Etablierung eines Hitzeaktionsplans aus dem Konzept zur Anpassung an den Klimawandel eine äußerst hohe Dringlichkeit zugeschrieben. Durch die geographische Lage ist Worms bereits heute von extremer Hitze betroffen. Temperaturen bis zu 40° Celsius und darüber können für diverse Bevölkerungsgruppen eine Beeinträchtigung der Gesundheit darstellen. In den Hitzejahren 2003 und 2015 wurde in Worms die 40° Celsius Marke überschritten. Zudem heben sich die Jahre 2003 und 2018 mit einer besonders hohen Anzahl an Sommertagen und Hitzetagen ab. Solche Hitzeereignisse werden nach Klimaprojektionsrechnungen des Deutschen Wetterdienstes im Zuge des Klimawandels vermehrt auftreten.

Schutz der Bevölkerung verbessern
Die Zunahme heißer Tage und länger andauernder Hitzewellen führen zu einer Erhöhung der gesundheitlichen Gefährdung des menschlichen Organismus. Es kommt zu einer Häufung hitzebedingter Erkrankungs- und Todesfälle, insbesondere bei vulnerablen Personengruppen, wie älteren und kranken Menschen, Säuglingen, Kleinkindern, oder Personen, die im Freien schwer körperlich arbeiten. Durch die Etablierung eines Hitzeaktionsplans soll der Schutz der Bevölkerung in der Stadt Worms verbessert und damit die Morbiditäts- und Mortalitätsrate während solcher Hitzeperioden verringert werden. Weiterhin wird damit einhergehend das Gesundheitssystem entlastet.

Zielgruppenspezifische Workshops leisteten Vorarbeit
Nach Förderzusage durch das Bundesumweltministerium war es der Stadt im Rahmen eines Leuchtturmvorhabens mit dem Titel „Hitze Sicher/Worms“ möglich, unter Federführung der Abteilung 3.05 einen Hitzeaktionsplan zu entwickeln. Grundlage des Plans bildet eine Vulnerabilitätsanalyse, in welcher klimatische mit soziodemographischen Daten der Stadt Worms verschnitten wurden, um darzustellen, wo sich Hitze-Hotpots in der Stadt befinden, in denen vulnerable Bevölkerungsgruppen wohnen oder sich aufhalten. Dem Umwelt- und Agrarausschuss lag die Beschlussvorlage am 17. November 2021 zur Vorberatung vor, sie wurde einstimmig beschlossen. Es wurde angeregt, dass der Aktionsplan innerhalb der Verwaltung und im Innenstadtausschuss, sowie im Bauausschuss zusätzlich zu den Beschlüssen im HFA und im Rat nochmal vorgestellt wird.

Es wurden folgende Arbeitsgruppen gebildet:
–  Ältere Menschen, körperlich und seelisch vulnerable Menschen, Pflegebedürftige 
-  Schwangere und Kinder 
-  Gemeinschaftsunterkünfte und Wohnungslose – Draußen-Arbeitende
Ein Hitzeaktionsplan umfasst nach Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und der Bund/Länder Ad-Hoc Arbeitsgruppe „Gesundheitliche Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ kurz-, mittel und langfristige Maßnahmen:
1. Kurzfristige Maßnahmen in Form eines konkreten Ablaufplans: Frühwarnsystem, Kom- munikationskette und spezielle Maßnahmenpläne als Reaktion auf ein akutes Hitzeereig- nis basierend auf dem Hitzewarndienst des Deutschen Wetterdienstes für diejenigen, die direkt oder indirekt mit Personen aus vulnerablen Bevölkerungsgruppen arbeiten bzw. in Kontakt stehen. Informieren der Öffentlichkeit über verschiedene mediale Kanäle.
2. Mittelfristige Maßnahmen vor und während des Sommers: Aufbau von Netzwerken und Schulung der relevanten Akteure und Multiplikatoren der Stadt Worms, die Umgang mit hitzevulnerablen Bevölkerungsgruppen haben.
3. Langfristige Maßnahmen: Entwicklung von langfristigen Strategien und Maßnahmen zur Erhöhung der Hitzeresilienz unter Einbezug des Bauwesens und der Stadtplanung, bei- spielsweise durch die Erhöhung der Grünflächen oder dem Freihalten von Frischluft-schneisen

Grundlage des Plans bildet eine Vulnerabilitätsanalyse, in welcher klimatische mit soziodemographischen Daten der Stadt Worms verschnitten wurden, um darzustellen, wo sich Hitze-Hotpots in der Stadt befinden, in denen vulnerable Bevölkerungsgruppen wohnen oder sich aufhalten. Dem Umwelt- und Agrarausschuss lag die Beschlussvorlage am 17. November 2021 zur Vorberatung vor, sie wurde einstimmig beschlossen. Es wurde angeregt, dass der Aktionsplan innerhalb der Verwaltung und im Innenstadtausschuss, sowie im Bauausschuss zusätzlich zu den Beschlüssen im HFA und im Rat nochmal vorgestellt wird.

Mehr zum Thema und weitere Stimmen aus den Fraktionen entnehmen Sie der Berichterstattung im NK am Samstag.

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

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