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  • Fr., 11. Oktober 2013, 17:08 Uhr
    Konkurrenzsituation in der Region verkompliziert Entscheidung über 3. verkaufsoffenen Sonntag

    Worms ist keine Insel

    Der neue Center-Manager der Kaiser Passage, Jens Buschbacher.


    Von Gernot Kirch Die Diskussion um den 3. verkaufsoffenen Sonntag (VOS) in Worms am 29. Dezember wird mit großer Heftigkeit geführt. Viele Argumente liegen für die Stadtratsdebatte am 23. Oktober auf dem Tisch. Auf der einen Seite der Schutz des Sonntags als besonderem Familientag, kirchliche Aspekte und die hohe Belastung der Arbeitnehmer. Auf der anderen Seite stehen die Interessen der Geschäftsleute und die Arbeitsplatzsicherung.

    Ein wenig zu kurz kommt dabei häufig, dass Worms keine Insellage besitzt, sondern im Wettbewerb mit anderen Einkaufsstädten steht. Eine Entscheidung in Worms bleibt von ihren Auswirkungen her nicht lokal begrenzt. Haben die Geschäfte in Worms etwa am 29. Dezember geschlossen, ist es nicht automatisch so, dass der Kunde dann am 30. Dezember sein Geld in der Nibelungenstadt ausgibt, sondern er kauft vielleicht im Internet ein oder fährt am 29. Dezember nach Alzey. Der eine oder andere wird sich am 30. Dezember auch nach Mannheim aufmachen.

    Der NK sprach über diese Problematik mit dem neuen Manager der Kaiser Passage, Jens Buschbacher. Dieser machte deutlich, dass Worms in harter Konkurrenz zu den umliegenden Einkaufsstädten wie Mannheim und Mainz, aber auch Einkaufszentren wie dem Rhein-Neckar-Zentrum in Viernheim, der Rhein-Galerie in Ludwigshafen oder gar dem LOOP 5 in Darmstadt steht. Und die Leute könnten einen Euro nur einmal ausgeben. Worms müsse aufpassen, nicht ins Hintertreffen zu geraten.

    Worms besitze aber großes Potential, um die Besucherfrequenz zu erhöhen. Die Nibelungenstadt habe zwar nicht die Anzahl der Marken wie in Mannheim, biete aber auf kompakten Raum viele Geschäfte und habe ein wunderschönes, historisches Ambiente. Und dieses Flair ziehe die Besucher an. Aber Worms müsse diese Stärke mehr nutzen und die Werbetrommel rühren, etwa auch in Mannheim und nach der Brückensanierung in Südhessen.

    Dabei müsse man beachten, dass Einkaufen heutzutage nicht nur der Erwerb von Produkten sei, sondern „Shoppen” ein Freizeitvergnügen ist. Und dies wollten die Käufer in schönem Ambiente mit Cafés und einem interessanten Rahmenprogramm tun. Der 29. Dezember biete dazu beste Chancen, um sich zu positionieren.

    Kirche für Sonntagsschutz
    Eine ganz andere Position vertritt die evangelische Kirche. In einer Presseerklärung fordert sie einen Sonntagsschutz. Zwar sei die Sonntagsruhe gesetzlich geschützt, doch als arbeitsfreier Tag sei der Sonntag zunehmend gefährdet. „Die Menschen brauchen den Sonntag, deshalb appellieren wir an die Entscheidungsträger, das Kulturgut und die soziale Errungenschaft des Sonntags nicht auszuhöhlen“, so Klaus Martin vom Evangelischen Dekanat Worms-Wonnegau. Weiter erinnerte er an die Einführung des 2. VOS in Worms, der gegen den Widerspruch der Evangelischen und Katholischen Kirche erfolgte. Seinerseits habe OB Kissel versichert, dass es bei diesen beiden Terminen bleiben werde.

    Grüne mit Alternative
    Die Wormser Grüne führten eine Befragung von 40 Mitarbeitern in 29 Geschäften durch. Dabei sahen die meisten die wirtschaftlichen Chancen, befürchteten aber Nachteile für die Beschäftigten, zumal das Personal in der Vorweihnachtszeit ohnehin stark belastet sei. Wer sonntags arbeiten möchte, sei auch altersabhängig, Jüngere seien dazu eher bereit als ältere Beschäftigte mit Familie.

    Die Grünen werden einem  VOS am 29. Dezember nicht zustimmen. Als Alternative schlagen sie vor, den Weihnachtsmarkt bis zum 31. Dezember zu verlängern oder einen Adventssonntag zu öffnen.

    Tendenz zu 3. VOS
    Generell ist aus Gesprächen mit Wormser Politikern eine Tendenz zugunsten des 3. VOS herauszuhören, auch wenn  Kritiker bleiben. Hier zwei Stimmen: Dr. Klaus Karlin (CDU) sagte, dass er persönlich für die Probe-Durchführung des 3. VOS sei, es in seiner Partei aber auch Gegner gäbe.

    Hans Herbert Rolvien von der AG für Arbeitnehmerfragen der SPD ist gegen eine Ladenöffnung am 29. Dezember. In einer Erklärung schrieb er, dass viele Entscheidungsträger in Wirtschaft und Handel glaubten, auf dem „Altar der Gewinnmaximierung“ könne man jedes Tabu brechen, weil für sie nichts wichtiger ist als Umsatz, Konsum und Geschäft.

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