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  • Do., 02. Oktober 2025, 13:35 Uhr
    MUSEUM DER STADT WORMS: Der Gesichtskrug

    Worms Stück für Stück

    Gesichtskrüge wurden im Römischen Reich als luxuriöses Spezialprodukt gehandelt. 
    Foto: Museum Andreasstift/Claudia Weissert

    Dieser römische Krug aus Worms fällt durch seine besondere Form auf: Er endet oben in einem Kopf mit einem Frauengesicht, dem diese Art von Keramik ihren Namen verdankt. Während hochqualitative Töpferware aus Gallien und später auch aus Rheinzabern importiert wurde, arbeiteten im römischen Worms auch eigene Töpfereien, die aus vor Ort abgebautem Ton orangefarbene Keramik herstellten. Ein größeres Töpferviertel befand sich damals im Süden der Siedlung, unter anderem im Bereich der Schönauer Straße. In dieser Gegend spezialisierte sich eine Werkstatt um etwa 300 n. Chr. offenbar auf eine besondere Innovation: die Wormser Gesichtskrüge, von denen bis heute etwa 120 gefunden wurden und die in 10 verschiedenen Varianten vorkommen. Die bei einigen beobachtete Scheitelzopffrisur war damals unter römischen Frauen sehr modern. Teilweise sind sie neben einfachen Verzierungen sogar mit Kleidung und Schmuck bemalt. Manche tragen auf dem „Kopf“ auch eine Mauerkrone, sodass es sich vielleicht um Personifikationen oder Schutzgöttinnen der Stadt handeln könnte. Während die meisten an ihrem Herstellungsort Worms gefunden wurden, hat die Werkstatt ihre Erzeugnisse daneben offenbar auch nach Alzey und bis in die Pfalz verkaufen können.

    Alltagsgegenstand und für Bestattungsriten

    Das vorliegende Exponat kam bei Ausgrabungen auf dem Gräberfeld Bollwerk zutage. 1920 wurde der südwestliche Friedhof, der damals unbebaute Tafelacker der Firma Cornelius Heyl, bearbeitet. Dem Inventarbuch der Ausgrabung ist zu entnehmen, dass das betreffende Grab (Grab 225) im Februar 1920 geöffnet wurde. Der Gesichtskrug des DÖVENER Typus 2a (Kat. 44, Abb. 81) besteht aus orangebraunem Ton und zeigt Reste eines roten Überzugs. Darüber hinaus sind Rückstände weißer Übermalungen zu erkennen. Franziska Dövener zufolge, namensgebend für die Typologie, wurden Gesichtskrüge als luxuriöse Spezialprodukte im Römischen Reich in unterschiedlichen Gebieten gehandelt. Sie waren nicht nur Teil von Bestattungsriten, sondern auch Alltagsgegenstände. Weitere Gesichtskrüge sind im römischen Bereich der Dauerausstellung zu sehen.

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