
Von Rudolf Uhrig › „Und wollte ich auch mit einem Fuß dort mit dir tanzen gehen, so weiß der andere doch, wie leicht man stolpert, fällt, auf diesem Tanzboden dem Schiefen, von dem es nur für sie ein sicheres Zurück. Ich bin für sie ein leichtes Liebesspiel, das für mich aber schnell dann zum Verhängnis wird. Kein Falke hat vom Tanz mich heute abgehalten. Ich war es selbst. Weil, fällt man da von oben rein in diese Burg, da aus dem königlichen Schoß hinein, da ins gemachte Nest, hat man auch einen Platz, hat eine Rolle dann, die es nur auszufüllen gilt. Ich aber bin von nirgends und schon gar, gar von oben nicht hereingefallen in die Burg. Ich bin mir selber eingefallen. Nirgends ist mein Schoß. Und doch bin ich, was niemals ich sein könnte. Weil wenn man keinen Platz hat in der Welt wie ich, muss man in sich erfinden und immer wieder auf ein Neues sich da aus sich selbst heraus erfinden. Ich bin mir selber dieser Schoß, aus dem ich immer wieder krieche.“
So lässt Autor Ferdinand Schmalz Hagen von Tronje sprechen, nachdem dieser seine Geliebte Kriemhild zum verabredeten Tanz versetzt hat. Doch die Liebesgeschichte zwischen den beiden wird erst 2028 zum Thema. Schon bei der Preview der Nibelungen-Festspiele wurde deutlich: Die für 2027 angekündigte Inszenierung ist der Auftakt zu einer Geschichte, die im Jahr darauf ihr Sequel findet.
2027 feiern die Nibelungen-Festspiele ihr 25-jähriges Jubiläum und schlagen zugleich ein neues Kapitel auf. Mit „Festung Mensch – der Vasall“ unter der Regie von Roger Vontobel beginnt eine auf zwei Sommer angelegte Erzählung, die 2028 fortgesetzt wird. Beide Teile sollen allerdings auch unabhängig voneinander verständlich und erlebbar sein.
Regisseur Roger Vontobel begrüßt den größeren erzählerischen Rahmen: „Ich finde es gut, dass wir über zwei Jahre denken, denn gewisse Geschichten brauchen eine gewisse Länge, gewisse Bögen lassen sich nicht kleinreden oder klein denken. Die müssen auch in ihrer Größe und ihrer Länge erzählt werden. Die Festung Mensch braucht auf jeden Fall zwei Sommerzeiten, um sich daran abzuarbeiten.“
Auch der Künstlerische Leiter Thomas Laue macht neugierig auf die Neuinterpretation des Nibelungenstoffs. So könnten sich vertraute Figuren bei genauerem Hinsehen als ganz andere erweisen, als man sie bislang kennt. Selbst Siegfried, traditionell der strahlende Held, könnte dabei in einem deutlich zwielichtigeren Licht erscheinen.
Im ersten Teil geht es um eine Vorgeschichte – wobei es, wie Ferdinand Schmalz erläutert, eigentlich immer noch eine Vorgeschichte vor der Vorgeschichte gibt. Der österreichische Autor und der Schweizer Regisseur bilden erneut ein kreatives Duo. Ihre gemeinsame Arbeitsweise bringt Vontobel auf den Punkt: „Wir sind eine Zunft aus Sprache und Bildern.“
Neben dem Wormser Dom wird in den beiden Inszenierungen auch der Rhein eine zentrale Rolle spielen. Der Fluss wird nicht bloß Kulisse sein, sondern als kraftvoller rhythmischer Mitspieler selbst zum Erzähler. Eine solche zusätzliche Erzählinstanz gab es bereits in der „Hildensaga“ mit den Nornen.
Schmalz entwirft darüber hinaus eine fantastische, zugleich mythische Welt, in der Riesen, Gewässerschwestern und weitere Fabelwesen auftauchen und sich in die Handlung einmischen.
Das Bühnenbild von Fabian Wendling zeigt eine weiße Treppenlandschaft, die Worms symbolisiert und von einem Fluss durchzogen wird. Das Wasser soll tatsächlich fließen, sogar ein Wasserfall ist vorgesehen. Wendling arbeitete bereits mit Vontobel am Nationaltheater Mannheim zusammen, wo sie gemeinsam „Der fliegende Holländer“ inszenierten.
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