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Di., 31. Dezember 2013, 00:42 Uhr
Die Mannheimer Kufencracks kamen im Heimspiel gegen Wolfsburg mit 0: 5 Toren unter die Räder / Kritische Fragen an Leistungsträger und Trainer / Folgen Konsequenzen?
Adler vollkommen von der Rolle
Die Adler (blaue Trikots) waren optisch überlegen, doch wieder ging der Gegner als Sieger vom Eis. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Die Mannheimer Adler haben in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sang- und klanglos mit 0:5 (0:3/0:1/0:1) gegen die Wolfsburg Grizzlys verloren. Damit haben die Mannheimer einen neuen Tiefpunkt erreicht. Hatte Mannheim die Serie von fünf Niederlagen in Folge gerade erst beendet und vier Spielen in Folge gewonnen, gab es am Samstag eine 2:5 Heimpleite gegen Iserlohn und am Montagabend ein 0:5 Niederlage Zuhause gegen Wolfsburg. Viele Zuschauer wanderten schon vorzeigt ab und die Fans skandierten: "Wir haben die Schnauze voll!" und teilweise war sogar zu hören: "Trainer raus!" Mit gellenden Pfiffen wurde das Team von den Fans nach dem Schlusspfiff verabschiedet. Für viele Besucher war es ein Rätsel, wie ein Mannschaft, die vor fünf Tagen bei Spitzereiter Köln mit 4:2 gewann nun gegen Iserlohn und Wolfsburg dermaßen enttäuschen konnte.
Um es deutlich zu sagen, die meisten Cracks im blau-weiß-roten Dress waren bemüht, die Einstellung stimmte. Es sprang nur eben absolut nichts dabei heraus. Nicht ein Tor wollte den Adlern gelingen. Die Effizienz war also gleich null. Vielleicht wäre manches anders gelaufen, hätte es die erste Spielminute nicht gegeben. Aber bereits nach einer Minute stand es 2:0 für Wolfsburg und damit hatten die VW-Städter Oberwasser und Mannheim war auf der Verliererstraße von der der es nicht mehr runterkam. Verursacht wurden bei Tore durch individuelle Fehler. Beim ersten Treffer für die Grizzlys hatte Adler-Verteidiger Mike Vernace einen haarsträubenden Patzer gemacht und das zweite Tor für Wolfsburg ging auf die Kappe von Adler-Stürmer Yanick Lehoux. Damit war das Match eigentlich schon entschieden und die restlichen 59 Minuten hätte man sich sparen können. Mannheim mühte sich, aber eben vergebens. Die Verunsicherung und Nervosität saßen zu tief. Die Partie war denn auch ein Krampf für Spieler wie Zuschauer.
Die große Frage ist jetzt, wie geht es weiter. Kaum einer kann sich vorstellen, dass die Mannschaft am 3. Januar ohne Veränderungen antritt. Schon in der Partie gegen Wolfsburg spielte Adler-Coach im letzten Abschnitt nur noch mit drei Sturmreihen. Er verzichtete auf die ausländischen Stürmer Ken Magowan, Yanick Lehoux und Simon Gamache. Damit ist klar, es geht ein Riss durchs Team, hier die Nordamerikaner, dort die Deutschen. Wohlgemerkt, es herrscht kein Feindschaft zwischen ihnen, es ist nur so, dass viele Nordamerikaner enttäuschen, die jungen Deutschen sich hingegen reinknien. Das Problem ist, selbst wenn Mannheim noch Ausländerlizenzen frei hat, der Markt ist jetzt, bei laufender Saison, leergefegt, echte Knaller sind kaum zu kriegen.
Aber im besonderen Fokus steht jetzt natürlich Coach Harold Kreis, dessen Zukunft ungewisser ist denn je. Hier stellen sich die Fragem: Erreicht er die Spieler noch? Kann er den Riss im Team kitten? Gelingt es ihm alle, die ganze Mannschaft, anzusprechen und zu motivieren? Hier bleibt Skepsis.
An einer Misere wie jetzt, ist selbstverständlich nicht nur oder gar zum geringerem Teil der Trainer schuld, aber welche Optionen hat der Verein? In zwei Monaten fangen die Play-Offs an, will man eine Veränderung vornehmen, ist dies jetzt wohl der letzt mögliche Zeitpunkt.
Am Montagabend beim Spiel der Adler gegen Wolfsburg war übrigens Rick Chernomaz, ehemaliger DEL-Trainer und jetzige Manager der Frankfurter Löwen zu Gast in Mannheim. Adler-Manager Teal Fowler sagte aber auf Nachfrage der Presse, dass Rick Chernomaz keine Alternative zu Harold Kreis sei. Auch er selbst, so Teal Fowler, würde nicht als Adler-Trainer zur Verfügung stehen. Auf die Frage, ob das Team gegen den Trainer spiele, sagte Teal Fowler: „Das glaube ich nicht.“ Den Schlüssel zum Erfolg sieht Teal Fowler in Kampfbereitschaft und Laufleistung, beides würde in Mannheim zurzeit nicht stimmen.
Mit Spannung darf gewartet werden, was ich rund um die SAP-Arena in den nächsten Tagen tut.
Die Adler mussten in der Partie gegen Wolfsburg ohne die verletzten Steve Wagner, Denis Reul, Florian Kettemer (alle Verteidiger) sowie Christoph Ullmann (Stürmer) antreten. Jochen Hecht spielte ebenfalls nicht, offiziell hieß es, er sei ebenfalls verletzt.
Zur Chronologie:
1.Drittel:
Das Drittel hatte kaum begonnen, da zog Adler-Verteidiger Mike Vernace nach 28 Sekunden mit einem harten Schlagschuss von der blauen Linie ab, doch konnte Gäste-Keeper Sebastian Vogl parieren. Im direkten Gegenzug dann der Schock für Mannheim, Mike Vernace machte einen Fehler und Grizzly-Stürmer Fauser erzielte das 1:0 für Wolfsburg. Und es sollte noch schlimmer kommen, direkt vom Bully weg unterlief Yanick Lehoux ein Patzer und Bendikt Kohl konnte das 2:0 für die VW-Städter erzielen Es waren gerade einmal 60 Sekunden gespielt.
In der fünften Minute dann ein heftiger Faustkampf zwischen Adler-Kapitän Marcus Kink und Wolfsburger Brett Palin. Nun war Feuer und Härte im Spiel. Die Adler waren nun erwacht und kämpften mit lautstarken Unterstützung ihrer Fans. Die Partie war jetzt ein offener Schlagabtausch, beide Teams setzten auf Offensive. In der Mitte des Abschnitts erspielten sich die Adler dann ein deutliches Übergewicht und Mirko Höfflin, Frank Mauer, Nico Goc und Martin Buchweiser mit guten Gelegenheiten, aber die Scheibe wollte nicht ins Grizzly-Gehäuse gehen. Die Adler taten aber das, was die Zuschauer sehen wollten, sie fighteten beherzt. Fünf Minuten vor dem Ende des Drittels pfiff ein Schlagschuss von Adler-Verteidiger Christopher Fischer am Wolfsburger Tor vorbei. Im direkten Gegenzug verwandelte Sebastian Furchner zum 3:0 für die VW-Städter. So eng liegen Glück und Pech beieinander. Nur eine Minute später ein Pfostenschuss für die Grizzlys. Die Adler nun restlos nervös und total von der Rolle. Mit dem 0:3 ging es in die Kabinen.
Angemerkt sei noch, dass Gäste-Coach Pavel Gross zu Mitte des Drittels wieder mit seinen üblichen Verzögerungs-Auswechselmätzchen agierte. Es ist unverständlich, dass die Liga bzw. die Schiedsrichter Pavel Gross hier gewähren lassen.
2.Drittel:
Die Geschichte des zweiten Abschnitts ist schnell erzählt. Mannheim war bemüht den Anschlusstreffer zu erzielen, doch es gelang nicht. Entweder scheiterten die Blau-Weiß-Roten an einem hervorragenden Gäste-Goalie Sebastian Vogl oder an sich selbst, da sie erneut zu kompliziert spielten und nicht zwingend genug waren. Es war das alte Lied mit der mangelhaften Chancenverwertung der Badener, während Mannheim 18 mal auf Wolfsburger Gehäuse schoss, feuerten die Grizzlys nur sieben mal aufs Mannheimer Tor. Das Resultat war jedoch, Mannheim markierte keinen Treffer, für die VW-Städter traf in der 28. Minute Marco Rosa zum 4:0 Zwischenstand. Und natürlich war bei Mannheim auch Scheibenpech dabei, aber es daran fest zu machen, wäre zu kurz gegriffen. Mit dem der Wolfsburger 4:0 Führung ging es in die Kabinen.
3. Drittel:
Der letzte Abschnitt brachte keinen Umschwung mehr. Ganz im Gegenteil, Wolfsburg markierte in der 48. Minute durch Marco Rosa den 5:0 Endstand. Das Bemerkenswerteste an dem Abschnitt war, dass Coach Harold Kreis die enttäuschenden Stürmer Ken Magowan, Simon Gamache und Yanick Lehoux nicht mehr einsetzte und auf drei Reihen umstellte.
Pressekonferenz:
Wolfsburgs Coach Pavel Gross sagte, dass sich beide Teams in gleicher, schlechter Ausgangsposition befänden hätten, sowohl Mannheim wie Wolfsburg hätten in den vorangegangen Partien enttäuscht. Wolfsburg hätte aber mit den beiden Sonntagsschüssen in der ersten Minute, die beides Tore wurden, das Momentum auf seiner Seite gehabt und den Sieg eingefahren, der vielleicht zu hoch ausgefallen sei.
Adler-Coach Harold Kreis war stinksauer und sichtlich angefressen. Wie sonst eigentlich nie, nannte er mit Mike Vernace und Yanick Lehoux die Schuldigen an den ersten beiden Gegentreffern. Dann fragte er rhetorisch: „Wo befinden sich meine Ausländer? Kämpferisch und auf dem Eis habe ich sie nicht gesehen!.“ Anschließend fügte er an, dass er von ausländischen Cracks mehr erwarte. Ein Lob sprrach er nur für die Reihe mit Höfflin, El-Sayed und Arendtaus.
Ausblick:
Am 3. Januar müssen die Adler in Krefeld antreten, ehe am 5. Januar Red Bull München in der SAP-Arena vorstellig wird. Verletzt sind weiterhin in jedem Fall die Verteidiger Steve Wagner und Dennis Reul, hinter einigen anderen Cracks steht ein Fragezeichen.