
Eine Gruppe israelischer Journalistinnen und Journalisten unternahm vergangene Woche eine besondere Pressereise. Vom 16. bis 23. November erkundete die Gruppe anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen ein modernes Deutschland, seinen Einsatz gegen Antisemitismus und das heutige jüdische Leben. Sie besuchten auch das UNESCO-Welterbe SchUM-Stätten in Mainz und Worms. Die Reise wurde vom Auswärtigen Amt, dem Goethe-Institut sowie dem SchUM-Städte e.V. unterstützt.
In Worms führte der Weg zum „Heiligen Sand“ und ins „Jüdische Museum Raschi-Haus“. Dr. Gerold Bönnen, Leiter des Instituts für Stadtgeschichte, gab Einblicke in die fast 1000-jährige Geschichte der jüdischen Gemeinde. Besonders faszinierte die Gäste der jüdische Gelehrte Raschi, der berühmte Bibel- und Talmudkommentator des Mittelalters. Seine Kommentare werden bis heute weltweit studiert. Eindruck hinterließ auch die Einbuchtung im Mauerwerk der Wormser Synagoge – der Legende nach entstand sie, als Raschis Mutter von einem Pferdefuhrwerk bedrängt wurde und die Mauer zurückwich, um den ungeborenen Raschi zu schützen.
Den Abschluss bildete eine Führung durch Synagoge und Frauenschul mit Frau Schindler-Siegreich. Der Neubau der Wormser Synagoge von 1174/75 – der erste Bau an gleicher Stelle stammt von 1034 und ist durch die erhaltene Inschrift eindrucksvoll nachgewiesen – wurde zum Vorbild für viele Synagogen in Europa, etwa Prag, Krakau und Wien. Nach der Zerstörung in der Reichspogromnacht 1938 konnten Teile des Portals, Kapitelle und Mauerreste in die 1961 wiedereröffnete Synagoge integriert werden. Ein besonders bewegender Moment: Zum Anfang des neuen Monats im jüdischen Kalender hielten die Journalistinnen und Journalisten in der Synagoge inne, beteten und sangen gemeinsam.
Für die israelischen Gäste war die Reise weit mehr als ein Pressetermin. Der Besuch wurde zu einer Begegnung mit den Ursprüngen ihrer eigenen Religionskultur und Traditionen.
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