
Nach außen stehen sie fokussiert im Sand, wirken konzentriert und abgeklärt – als hätten sie solche Spiele schon dutzendfach erlebt. Doch der erste Eindruck täuscht. „Ich war wirklich sehr aufgeregt“, gibt Jean-Luc Busch offen zu. „Frederic war deutlich cooler.“ Sein jüngerer Bruder lächelt: „So richtig realisiert haben wir das alles noch gar nicht.“
Beim Drei-Nationen-Turnier in Mainz-Bretzenheim leiteten die beiden Wormser ihre ersten Länderspiele als Beachhandball-Schiedsrichter. Dabei kommen Jean-Luc (27) und Frederic (20) Busch nicht aus einer Beachhandball-Hochburg, sondern aus einer Region, in der die Sportart bislang kaum eine Rolle spielt. Dass die für die HSG Worms aktiven Schiedsrichter nun internationale Luft schnuppern durften, macht ihren Weg umso außergewöhnlicher.
Jean-Luc begann 2021 im Sand zu pfeifen, sein Bruder folgte ein Jahr später. Einen festen Plan hatten sie dabei nie. Nach Einsätzen bei Landesmeisterschaften wurden sie in den Perspektivkader des Deutschen Handballbundes berufen, übernahmen Spiele bei den German Beach Open sowie bei den Endrunden der Deutschen Jugendmeisterschaft.
Ein wichtiger Wegbegleiter war der DHB. „Wir sind extrem dankbar, vor allem für die Unterstützung von Beachhandball-Schiedsrichterwartin Doreen Männich“, sagen die Brüder. „Sie und ihr Team haben uns so viel ermöglicht und immer an uns geglaubt.“
In Mainz-Bretzenheim folgte nun der nächste Schritt. Vor rund 500 Zuschauern trafen mit Europameister Deutschland, Norwegen und Schweden drei Top-Nationen aufeinander. Für die DHB-Auswahl war das Turnier ein wichtiger Test auf dem Weg zur Weltmeisterschaft – für die Brüder Busch die Premiere auf internationalem Niveau.
Vor allem das enge Duell zwischen Deutschland und Schweden, das erst im letzten Wurf des Shoot-out entschieden wurde, verlangte höchste Konzentration – Aktionen folgten im Sekundentakt, das Spieltempo war enorm.
„Es passiert unfassbar viel gleichzeitig“, beschreibt Frederic. „Alles ist schneller, intensiver – es gibt keine Zeit zum Durchatmen“, ergänzt Jean-Luc, „Und als dann trotz der Herausforderungen positives Feedback der Manschaften kam, haben wir uns riesig gefreut.“
Als Brüder sind sie auf dem Feld perfekt aufeinander abgestimmt. „Wir reden und kommunizieren viel untereinander, gleichzeitig herrscht blindes Vertrauen – ein Vorteil in einem schnellen und manchmal auch unübersichtlichen Spiel.“
Gleichzeitig freuen sie sich, dass durch ihre Einsätze – neben ihrem Heimatverein, der HSG Worms – auch in der Region der Beachhandball mehr und mehr Aufmerksamkeit bekommt.