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  • Fr., 08. Mai 2026, 16:27 Uhr
    BIZ: 35. Berufsinformationsmesse auch heute noch im vollen Gange / Mehr offene Stellen als passende Bewerber

    Ausprobieren, anpacken, mitmachen

    Jugendlichen die Möglichkeit geben, Möglichkeiten zu entdecken – so lautet der Appell von Bürgermeisterin Stephanie Lohr bei der gestrigen Eröffnung der BIM.
    Foto: Rudolf Uhrig

    Von Rudolf Uhrig › Die 35. Berufsinformationsmesse (BIM) in der Sporthalle des Bildungszentrums (BIZ) in Worms ist seit gestern im vollen Gange. Über 80 Aussteller, darunter regionale Unternehmen, Schulen und Institutionen, bieten auch am morgigen Samstag von 10 bis 15 Uhr eine umfassende Plattform zur beruflichen Orientierung.

    Rund 350 Berufe und über 100 konkrete Ausbildungs- und Studiengänge werden vorgestellt. Im direkten, ungezwungenen Gespräch können sich die Jugendlichen einen Eindruck verschaffen und sich auch gleich bei praxisnahen Aktionen testen.

    Die Berufsinformationsmesse ist ein gemeinschaftliches Projekt der Industrie- und Handelskammer Rheinhessen, der Handwerkskammer Rheinhessen, der Jugendberufsagentur Worms (JuBA) sowie der Kreishandwerkerschaft Alzey-Worms. Insofern waren zur offiziellen Eröffnung durch den Vizepräsidenten der IHK, Michael Kundel, am Freitagmorgen zu den Ausbildern der Firmen auch zahlreiche Vertreter der Institutionen und der Politik gekommen.

    Weiterhin ein strukturelles Problem

    „Die Herausforderungen sind bekannt und nach wie vor als sehr groß zu bezeichnen“, begann Kundel seine kritische Ansprache. „Denn im Berufsberatungsjahr 2024/25 waren 3.760 Ausbildungsstätten gemeldet, sogar etwas mehr als früher.“ Kundel stellte ferner fest, „dass es weiterhin ein strukturelles Problem gibt, denn auf 100 Ausbildungsstellen kommen lediglich 79 Bewerber. Es gibt also nach wie vor mehr offene Stellen als passende Bewerber“, konstatierte der ehemalige CEO der Renolit S.E.

    Durchaus ausbildungsreif

    „Aus Bundessicht zeigen die aktuellen Zahlen noch ein viel deutlicheres Bild: 2,8 Millionen junge Menschen unter 35 Jahren sind in Deutschland ohne Berufsabschluss. Zugleich müssen jedes Jahr aber mehrere Hunderttausend Jugendliche nach der Schule zunächst in Übergangsmaßnahmen, also in Warteschleifen ohne direkten Einstieg in eine duale Ausbildung, verharren. Viele allerdings wären durchaus ausbildungsreif, aber die Ausbildungsbeteiligung der Unternehmen ist weiterhin zu niedrig: weniger als jedes 5. Unternehmen bildet aus. Auch die Anzahl der Auflösungen bleibt hoch, jede 3. wird frühzeitig beendet.

    Betriebe berichten von großen Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen, insbesondere wenn es sich um Fachkräfte handelt. Allein in Rheinhessen waren über 1700 Ausbildungsplätze unbesetzt. Diese Entwicklung ist kein kurzfristiger Trend, sie ist strukturell – und sie betrifft uns alle“,  mahnte der IHK‑Vize.

    Nach Kundels Sicht schafft die BIM große Einblicke, Berufe sichtbar zu machen; sie baue zugleich Hürden ab. Da dies allerdings nicht alles so selbstverständlich ist, dankte Kundel den Unternehmen, aber auch den politischen Vertretern, „denn sie schaffen die Rahmenbedingungen für berufliche Qualifikation. Es gilt also, gemeinsam die Weichen richtig zu stellen für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes und für Perspektivenreichtum junger Menschen. Ausbildung ist nach wie vor ein zentraler Erfolgsfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit, gleichwohl auch für gesellschaftliche Stabilität in unserer Demokratie.“

    Er wünschte erfolgreiche Impulse, gute Gespräche und dauerhafte, nachhaltige Ergebnisse, „denn die beteiligten Firmen investieren dabei nicht nur in ihren eigenen Nachwuchs, sondern auch in die Zukunft unseres Wirtschaftsstandortes und schaffen damit die Grundlage für Innovation, Wertschöpfung und Kreativität“, so Kundel zum Ende seiner Ansprache.

    Möglichkeiten entdecken

    Stefanie Lohr, Bürgermeisterin der Stadt, freute sich über die hohe Beteiligung von Firmen: „Es ist schön zu sehen, welche Wirtschaftskraft hier in dieser Halle präsentiert wird, für unsere Stadt und unsere Region.“

    Aber ebenso die Repräsentantin der Stadt beklagt, „dass auch in Worms die gesellschaftliche Struktur eine hohe Anzahl an jungen Menschen ohne Schulabschluss hervorbringt. Umso wichtiger ist es, ihnen diese Möglichkeit zu geben, zu entdecken, welche Möglichkeiten sie haben.“ Für Lohr ist es eine Messe zum Ausprobieren, Anpacken, Mitmachen und Entdecken.

    Einen Appell an die jungen Menschen hat sie auch, denn „die Unternehmen brauchen motivierte Jugendliche, die etwas lernen und sich einbringen  wollen und die bereit sind, in den nächsten Jahren einen Meter mehr zu gehen.“

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