
Anlässlich der Sonderausstellung „Made in Worms. William Tyndale‘s New Testament 1526“ beleuchtet Worms Stück für Stück für drei Monate verschiedene Frauen der Reformationszeit. Im 16. Jahrhundert waren öffentlich auftretende Frauen unerwünscht und die männlich dominierte Geschichte ignorierte sie. Nach der Autorin Argula von Grumbach (1491568) soll nun die Dichterin Elisabeth Cruziger (1500/1504–1535), geborene von Meseritz hervorgehoben werden. Sie gilt als erste evangelische Kirchenlieddichterin.
Elisabeth floh aus dem Kloster Marienbusch in Treptow a.d.R., in dem sie seit Kindertagen gelebt hatte, und begab sich nach Wittenberg. Damit folgte sie ihrem protestantisch gesinnten Lehrer Johannes Bugenhagen (1485–1558), welcher sie in Wittenberg aufnahm und in das Umfeld Luthers einführte. Unter dessen Bekanntenkreis befand sich ebenfalls Casper Cruziger, ihr zukünftiger Ehemann und enger Freund Martin Luthers. „Vielleicht will Euch der liebe Gott für würdig erachten, dass Eure Gesänge, mit denen ihr zu Hause immer umgeht, in der Kirche sollen gesungen werden“, habe ihr Ehemann einst zu ihr gesagt. Sie habe die Musik, den Gesang, aber auch die Dichtung geliebt.
Noch vor ihrer Heirat soll sie das Lied „Herr Christ, der einig Gottes Sohn“ geschrieben haben. Es wird als das „erste Jesuslied“ bezeichnet und verbindet erstmalig „heilsgeschichtliche Aussagen mit dem Ausdruck unmittelbarer, gefühlsbetonter Innigkeit“. Zunächst wurden ihre Verse anonym veröffentlicht. Noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Lied häufig ohne ihren Namen gedruckt.
Leider sind keine Porträts der Dichterin überliefert. Jedoch sind andere zeitgenössische musizierende Frauen auf Gemälden verewigt. So porträtierte die flämische Malerin der Renaissance, Catarina van Hemessen (1527/28–1583), im Jahre 1548 ihre Schwester Christina van Hemessen. Für einen Monat ist nun im Museum Andreasstift eine Abbildung des Gemäldes Mädchen am Virginal von Catarina van Hemessen zusammen mit einigen Versen von Elisabeth Cruziger sowie einer im frühen 16. Jahrhundert entworfenen Darstellung der weiblichen Personifikation der Musik des Künstlers Peter Flötner (gest. 1546) zu sehen.
Schulklassen können auf Anfrage auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten das Museum besuchen. Wormser Schulklassen (pro zehn Kinder eine Begleitperson frei) genießen freien Eintritt.
Weitere Informationen unter www.museum-andreasstift.de
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