
Von Rudolf Uhrig › „Die Owerumer Kerb war do, was warn die Leit so froh…“ Vom 20. bis 24. August verlief das Traditionsfest, die Kirchweih, als lebendiges Fest mit den bekannten Bräuchen: Das Aufstellen des Kerwebaums, die Ausgrabung der Kerb und natürlich Frohsinn und Heiterkeit auf dem Festplatz und in den Weingütern rund um Sankt Michael. Der Wettergott war „Klein-Rom“ gewogen – bis zum Montagabend. Der Himmel weinte, als die elf Kerweborsche mit tiefschwarzen Sonnenbrillen durch den Ort zogen. Vorneweg Messdiener und Messdienerin. Der Pfarrer sprengte „Weihwasser“ mithilfe einer Klobürste – der Segen kam an. Und immer wieder skandierten die jungen Männer: „Die Kerb ist tot, die Kerb ist tot.“ Nein, der „Singende Hase“ am Anfang des Skulpturenwegs, wo nun die Weinkiste als symbolischer Akt begraben wurde, trug kein fröhliches Intermezzo bei. Stattdessen lagen sich die Kerweborsche weinend in den Armen: „Schorle zu Schorle“, betete der Pfarrer. Das Kerwemädchen Anastasia I. und ihre Begleitdame Lucie I. bewiesen hingegen Contenance.
Der psychologische Zweck dieses lustigen Brauchtums liegt natürlich tief in der Vergangenheit. Die Kirchweihfeste dauerten oft tagelang an und uferten in exzessive Saufgelage aus. Die Obrigkeit und die Kirche versuchten regelmäßig, das Feiern einzudämmen. Das feierliche Begraben erfüllte einen ganz praktischen Zweck: Es zog eine klare, akzeptierte Grenze. Sobald die Kerb „tot“ und unter der Erde war, durfte nicht mehr weitergefeiert werden. Der Alltag und die Arbeit mussten am nächsten Tag wieder beginnen. Traurig daher die Frage eines der Kerweborsche: „Was mache ich nur morgen?“
Die Antwort eines anderen Kerweburschen lautete: „Arbeiten gehen!“
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