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  • Di., 29. April 2014, 18:05 Uhr
    Spannende Diskussionsrunde der Sozialdemokraten in Osthofen über Wünsche und Akzeptanz des Öffentlichen Personennahverkehrs

    „Die Menschen müssen den ÖPNV auch annehmen!“

    Michael Heilmann, Ernst-Walter Görisch, Günter Kern, Kathrin Anklam-Trapp, Marco Remy und der SPD-Verbandsbürgermeisterkandidat für die neue VG Wonnegau, Hans-Herman Seelig.


    Von Gernot Kirch Die Sozialdemokraten hatten am Montagabend zu einer zweistündigen Podiumsdiskussion zum Thema Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) nach Osthofen in die Gaststätte „Zum Schwanen“ eingeladen. Das sechsköpfige, hochkarätig besetzte Podium informierte die rund 30 Gäste mit großem Detailwissen rund um Busse und Bahnen und stand für eine angeregte Aussprache zur Verfügung. Im einzelnen waren dies die Landtagsabgeordnete Kathrin Anklam-Trapp, Staatssekretär Günter Kern, Michael Heilmann vom Zweckverband Schienennahverkehr, Landrat Ernst Walter Görisch, Marco Remy vom Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) und der SPD-Verbandsbürgermeisterkandidat für die neue VG Wonnegau, Hans-Herman Seelig. Doch so wissenswert die Fachinformationen waren, das „Salz in der Suppe“ des Abends waren die emotionsreichen Meinungsäußerungen der Bürger. Dabei kristallisierten sich zwei Komplexe heraus, bei denen die Fahrgäste in Bezug auf die Bahn starken Nachholbedarf sahen. Dies war die Bedienungsfreundlichkeit der Fahrkartenautomaten und der Wunsch nach mehr Personal in den Zügen und an den Bahnhöfen. Klar wurde hier formuliert, dass gerade abends und nachts häufig ein gewisses Gefühl der Angst in der Bahn „mitfahren

    Die Angst fährt mit

    Bei dem Punkt „fehlendes Personal“ in den Zügen meldete sich Lilo Hagemann zu Wort und schilderte ihre Erlebnisse von abendlichen Bahnfahrten. Sie beklagte das rüde oder gar aggressive Verhalten einiger Fahrgäste, die teilweise  alkoholisiert wären, ihre Füße auf die Sitze legten und manchmal andere Reisende belästigen. Lilo Hagemanns großer Wunsch war es, dass in jedem Zug ein Schaffner mitfährt, der rüpelhafte Fahrgäste zur Ordnung ruft oder gar des Zuges verweist.

    Die Angst würde bei manchen Reisenden abends stets mitfahren, ergänzte sie. Hier konnte Michael Heilmann die positive Nachricht geben, dass ab dem Jahr 2015  in allen Nahverkehrszügen nach 19 Uhr Personal der Bahn mitfahren werde. In der Zeit vor 19 Uhr könnten aus Kostengründen nur bei 25 Prozent der Bahnen Zugbegleiter mitfahren.

    Fahrkartenautomaten

    Zur Kritik an den zu komplizierten Fahrkartenautomaten sagte Michael Heilmann, dass rund 90 Prozent der Fahrgäste Wochen- oder Monatskarten besäßen und nur zehn Prozent Tagestickets lösten. Die Bahn habe inzwischen Automaten der zweiten Generation, die den Nutzer über ein Menü führten. Dem Käufer würden dabei die nächsten Schritte stets erläutert. Die Bahn strebe auch an, die Automaten für Menschen mit Behinderung noch bedienungsfreundlicher zu machen.

    Osthofens Bürgermeister Wolfgang Itzerodt warf hier aus dem Publikum ein, dass eine seiner Mitarbeiterinnen im Info-Büro am Osthofener Bahnhof quasi pausenlos Fahrgästen erklären müsse, wie die Automaten funktionierten, obwohl dies nicht zu ihren Aufgaben gehörte. Ein anderer Besucher merkte an, dass die Bahn lieber in mehr Personal als in Technik investieren solle.

    Linienbündel Wonnegau

    Landrat Ernst Walter Görisch wies auf die Verbesserungen im Busverkehr des Gebietes der Verbandsgemeinden Monsheim, Eich und Wonnegau durch die Neuvergabe des Lininenbündels hin. Hier würde es ab Sommer 2014 ein nachhaltige Verbesserungen in Fahrplan sowie Service geben. Auch seien die Busse moderner, barrierefrei, mit Klimaanlage ausgestattet und an den Haltestellen gäbe Fahrgastinformationen in Echtzeit.  Aber diese Verbesserungen gäbe es nicht zum Nulltarif. Die Zeiten, in denen der Busverkehr aufwandsneutral, also ohne öffentlich Zuschüsse funktioniere, seien vorbei. Für die Politik in dem oben beschriebenen Gebiet Worms-Wonnegau-Altrhein bedeute dies, sie müsse im Jahr rund eine Millionen Euro zuschießen.

    Hans-Hermann Seelig ergänzte hier: „Die Menschen müssen den ÖPNV auch annehmen. Nur dann könne man ihn weiter ausbauen und dies auch finazieren.“ Gerade im ländlichen Raum, so Hans-Herman Seelig weiter, müsse man auch über Alternativen wie Ruftaxis und Rufbusse nachdenken.

    Die S-Bahn kommt

    Ein nächster Quantensprung kommt auf die Bahnfahrer im Jahr 2015 zu, da in diesem Jahr die S-Bahn des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar von Mannheim aus über Worms bis nach Mainz fahren wird. Für die Reisenden bedeutet dies unter anderem auch am Wochenende bis in den späten Abend hinein einen Halbstundentakt. Darüber hinaus werden alle Bahnsteige erhöht, sodass der Einstieg für Familien mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und Benutzer von Rollatoren erleichtert wird.

    20 Jahre Rheinland-Pfalz-Takt

    Im Jahr 2014 feiert auch der Rheinland-Pfalz-Takt seinen 20. Geburtstag mit weiteren Verbesserungen für die Menschen in Rheinhessen. So soll etwa jede Stunde ein Regionalexpress mit einer Fahrzeit von nur etwa 30 Minuten von Worms nach Mainz fahren. Schon ab Dezember 2014 wird die Verbindung von Kirchheimboladen über Alzey nach Mainz und teilweise sogar weiter bis nach Frankfurt ausgebaut. Insgesamt also rosige Zeiten für Bahnfahrer in der Region.

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