
Das theaterpädagogische Jugendprojekt hatte 2006 als einmaliges, vierwöchiges Projekt gestartet. In den letzten 20 Jahren ist es gewachsen, hat sich entwickelt und verankert: Nun ist die Nibelungenhorde ein gemeinnütziger Verein, eine relevante Institution in der Wormser Kulturszene und ein Ort für junge Menschen, um sich über Theater auszuprobieren und zu entwickeln. Aufgrund der positiven Rückmeldungen von inzwischen im Arbeitsleben stehenden ehemaligen Jugendlichen wurde ein Konzept für Auszubildende entwickelt. Diese Seminare zur „Persönlichkeitsentwicklung“ werden Firmen seit 2020 angeboten.
„Es ist das beste Gefühl ever, wenn man auf der Bühne steht“, sagt ein ehemaliger Teilnehmer. Das erste Stück unter der Regie von Uwe John hieß „Siegfried reloaded“. Seitdem folgten zahlreiche Stücke an verschiedensten Orten.
In Paris haben 53 Jugendliche 2008 bei der Oper Nabucco von Giuseppe Verdi im Stade de France mitgewirkt – ein Riesenerlebnis. Die Nibelungenhorde hat außerdem im Auftrag der Unfallkasse Rheinland-Pfalz den Antimobbingfilm „Alle Tage wieder“ im BIZ gedreht, der allen Schulen in Rheinland-Pfalz zur Verfügung steht. In allen Aufführungen wirken die Jugendlichen bei der Entwicklung von Texten und Szenen mit und schreiben eigene Songs, begleitet von professionellen Dozentinnen und Dozenten.
Dieses Jahr soll es wieder zurück auf die große Bühne im Wormser Theater gehen – mit dem Stück „Penthesilea – Wildes Herz“ unter der Regie von Uwe John.
Für die Jugendlichen war nicht nur die Erfahrung prägend, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, sondern auch der Austausch mit den Nibelungen-Festspielen: Schauspieler wie Andreas Bisowski, der auch 2009 „Furcht und Hoffnung“ inszenierte, Thilo Keiner, Franz Xaver Kroetz oder Dieter Mann kamen zur Horde, um ihre Erfahrungen zu teilen. Einige „Hordlinge“ konnten umgekehrt durch Praktika oder Jobs – sei es hinter der Bühne oder als Statisten – bei den Nibelungen-Festspielen Theaterluft schnuppern und verschiedene Arbeitsbereiche kennenlernen.
Die Nibelungenhorde ist in den letzten 20 Jahren gewachsen: Mehr als 350 Teilnehmende waren bei den verschiedensten Workshops und Aufführungen dabei. Dabei geht es nicht darum, Schauspieler oder Schauspielerin zu werden. Vielmehr laden die Inhalte der Workshops dazu ein, die eigene Komfortzone zu verlassen und Neues über sich und andere zu entdecken. Schauspielimprovisation, Choreografie, Körpertraining wie Suzuki oder Physiodrama, Stimmtraining und auch Musizieren eröffnen Möglichkeiten, die fernab von Schule liegen – und dennoch hilfreich für den weiteren Weg sein können.
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