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  • Do., 05. März 2026, 09:28 Uhr
    DOM ST. PETER: Bekrönende Figur am Südportal im desolaten Zustand

    Ecclesia muss von ihrem Sockel

    Foto: Robert Lehr

    Die Außenrenovierung des Wormser Doms ist ein Generationenprojekt. Seit 2002 wird fast ununterbrochen gearbeitet, und wenn alles gut geht, so Architekt Jürgen Hamm, dann soll die Außenrenovierung im Jahr 2032 abgeschlossen werden. Dabei tauchen ständig neue Überraschungen und völlig unerwartete Probleme auf. 

    Aktuell stehen Gerüste an der Südfassade, die gereinigt und saniert werden muss, und am Südportal. Gerade am Portal habe man eigentlich keine größeren Sanierungen vorgesehen, so Britta Hedtke, die das Projekt von der kirchlichen Denkmalpflege her begleitet. Denn schließlich war das Südportal erst Anfang der 90er Jahre aufwändig saniert worden. Tatsächlich ist der kostbare Figurenschmuck der Bogenläufe, bei denen Szenen aus dem Alten Testament und aus dem Neuen Testament einander gegenüber gestellt sind, auch in einem guten Zustand, so dass hier lediglich kleinere Überarbeitungen nötig sind. 

    Ganz anders aber sieht es bei der bekrönenden Figur der Ecclesia aus, die auf dem Tetramorphen, einem Vierwesen, reitet. „Ein restauratorisches Gutachten, das wir beauftragt haben, kam sehr klar zu dem Schluss, dass die Figur durch Witterungsschäden in einem so desolaten Zustand ist, dass sie nicht mehr am angestammten Platz verbleiben kann“, erläutert Jürgen Hamm. Auch ein hinzugezogener Statiker schlug Alarm und riet dringend zur Abnahme der Figur, weil auch die Standfestigkeit nicht mehr gegeben ist.

    Einmalig in der Kunstgeschichte

    „Schweren Herzens haben wir uns in der Dombaukommission beraten und den Entschluss gefasst, die Figur abzunehmen und in das Dominnere zu verbringen“, so Propst Tobias Schäfer. Das Bildmotiv der auf dem Tetramorph reitenden Ecclesia kennt man sonst nur aus mittelalterlichen Buchillustrationen und Glasmalereien. Eine vollplastisch ausgebildete Monumentalskulptur wie hier am Wormser Dom ist in der europäischen Kunstgeschichte jedoch einmalig. Daher sei man sich schnell einig gewesen, dass die Ecclesia nicht etwa in ein Depot oder in ein Museum verbracht werden dürfe. „Sie gehört zum Wormser Dom, deshalb gehen unsere Überlegungen gegenwärtig dahin, sie künftig geschützt im Innern des Domes, voraussichtlich erhöht angebracht an der Süd-Querhauswand, zu zeigen“, erläutert der Propst die Sachlage.

    Logistische Herausforderung

    Die Abnahme der mehr als zwei Tonnen schweren Figur ist eine logistische Herausforderung. Beauftragt wurde damit das spezialisierte Restaurierungsunternehmen Q.S. Restaurierung GmbH. Zunächst wird in der kommenden Woche (voraussichtlich am Mittwoch, den 11. März) die große Kreuzblume über dem Tympanon abgenommen: hier handelt es sich um eine Kopie aus den 50er Jahren. Dann müssen in mehreren Schritten die auch schon reichlich verwitterten und geschädigten seitlichen Sandsteinkrabben abgenommen werden, bevor schließlich – nach Plan in der 13. Kalenderwoche - die Reiterfigur mit der Ecclesia insgesamt von ihrem Sockel gehoben und in das Dominnere verbracht wird. 

    „Die einzelnen Schritte sind generalstabsmäßig geplant; zum Teil wurden passgenaue Schutzverkleidungen gefertigt, damit die über 700 Jahre alte Figur keinen weiteren Schaden nimmt“, erläutert Quentin Saltzmann, der mit der Abnahme beauftragt wurde. Die ganze Aktion werde von der Denkmalpflege wachsam begleitet, so Klaus Berg, der die Domgemeinde in der Dombaukommission vertritt. Zunächst werde die Figur im Südquerhaus abgestellt und hier restauratorisch behandelt. Später soll sie dann ihren dauerhaften und geschützten Platz erhalten.

    Keine Finanzierung vorhanden

    Natürlich stellt sich direkt die Frage, was außen an dieser Stelle dann passiert und wie man mit der Leerstelle am Portal verfährt. „Dies können wir im Detail noch nicht beantworten“, so Rainer Cebulla vom Diözesanbauamt des Bistums Mainz, „da ursprünglich davon ausgegangen wurde, dass wie im gesamten Bereich des Südportals nur eine restauratorische Überarbeitung geplant war. Die Maßnahme in diesem Umfang war nicht vorgesehen, so dass für weitere Maßnahmen an der Ecclesia mit ihrem Tetramorph aktuell auch keine Finanzierung vorhanden sei.“ Zum anderen müsse diese Frage mit Fachleuten – Kunsthistorikern, Denkmalpflege, Restauratoren und nicht zuletzt mit der Domgemeinde auch sorgfältig beraten werden. Dafür plane man, so Propst Tobias Schäfer, zusammen mit der Akademie des Bistums Mainz und anderen Kooperationspartnern im November zu einer Fachtagung nach Worms einzuladen. „Es ist noch alles offen: eine Kopie in Sandstein, ein 3-D-Druck, eine offene Leerstelle, oder gar ein neues, modernes Kunstwerk – das alles muss sorgsam überlegt und beraten werden. Und nicht zuletzt brauchen wir Spender und Sponsoren“, so der Propst.

    Über den aktuellen Stand der Außenrenovierung, bei der auch andere überraschende Entdeckungen und Erkenntnisse gemacht werden konnten, soll bei einem öffentlichen Vortrag am Donnerstag, dem 21. Mai, im Haus am Dom informiert werden. Auch zu einer Baustellenbegehung am Samstag, dem 30. Mai, lädt die Domgemeinde interessierte Wormserinnen und Wormser schon heute herzlich ein.

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