
Die Stadt Worms hat nie zur Kurpfalz gehört, sondern war bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches jahrhundertelang eine freie Reichsstadt, heutige Stadtteile wie Ibersheim, Pfiffligheim und Pfeddersheim dagegen waren Teil des stark zersplitterten Territoriums zwischen Pfälzerwald und Odenwald.
Da der Heylshof eine bedeutende Sammlung Frankenthaler Porzellans besitzt, die unter Kurfürst Carl Theodor hergestellt wurde, nahm der Förderkreis des Museums dessen 300. Geburtstag zum Anlass einer launigen Feier. Festredner war der Historiker Dr. Jörg Koch, der die zahlreichen Zuhörer in gewohnt unterhaltsamer Weise mit auf eine abwechslungsreiche Zeitreise nahm. Im Dezember 1724 bei Brüssel geboren, kam Carl Theodor als Zehnjäriger nach Mannheim an den Hof seines Großonkels, der wenige Jahre zuvor den Grundstein für das prachtvolle Barockschloss hatte legen lassen und der ihn zum Nachfolger bestimmt hatte. Mitte des 18. Jahrhunderts war Mannheim eine der bedeutendsten Kulturmetropolen Europas. Die Wirtschaft und die Wissenschaft florierten, Bildung und soziale Einrichtungen wurden gefördert, es entstanden Bauten wie die noch heute vorhandene Sternwarte und Jesuitenkirche. Aufgrund mehrerer Erbgänge musste Carl Theodor 1778 seine Residenz vom Oberrhein nach München verlegen. Nun war er Kurfürst des mächtigen Doppelstaates Bayern-Pfalz und „Herr der sieben Länder“.
Da er sein Territorium bereits zuvor nicht durch Kriege, sondern durch Erbschaften vergrößert hatte, hatte ihn der preußkische König als „faulen Kerl und Glücksschwein“ bezeichnet. Mit zahlreichen eindrucksvollen Bildern illustrierte Jörg Koch das Leben des 1799 verstorbenen Kurfürsten, stellte Aspekte jener Jahre wie die „Mannheimer Schule“, Mozart in Mannheim oder Carl Theodors Frauen in den Vordergrund und schlug einen Bogen in die Gegenwart.
Noch heute erinnern in unserer Region Straßen an den Kurfürsten, in Heidelberg steht das Carl-Theodor-Fass, das Karlstor und die ihm gewidmete Alte Brücke mit seinem Standbild, das die Inschrift trägt: „Er war 50 Jahre unser Wohltäter/Beschützer/nie gefürchtet, nur geliebt und bewundert.“ Den pfiffig-informativen Vortrag bereicherte das Trio Amoroso mit kurzweiligen Werken von Mozart. Ingrid Gerster, Vorsitzende des Förderkreises, dankte den Musikerinnen Dr. Renate Wisser-Baier, Renate Knierim und Dr. Beate Magara sowie dem Referenten Dr. Jörg Koch mit einem bunten Blumenstrauß.
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