
Von Florian Helfert › Mehr baggern – mehr bauen: Der „Wohnungsbau-Turbo“, den sich die neue Bundesregierung vorgenommen hat, muss schnell ankommen. Das fordert die IG BAU Rheinhessen-Vorderpfalz. Für die Bau-Gewerkschaft ist klar: „Es muss jetzt einen ‚Aufschwung Wohnen‘ geben. Und davon müssen auch Worms und Rheinland-Pfalz profitieren“, sagt der Vorsitzende der IG BAU Rheinhessen-Vorderpfalz, Rüdiger Wunderlich. Notwendig seien vor allem Sozialwohnungen und bezahlbare Wohnungen.
In Worms sind im vergangenen Jahr nach Angaben der Gewerkschaft 165 Wohnungen neu gebaut worden – 28 davon in Ein- und Zweifamilienhäusern. Laut einer Regional-Analyse des Pestel-Instituts im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) bräuchte Worms bis 2028 den Neubau von rund 400 Wohnungen – und zwar pro Jahr (der NK berichtete).
Insgesamt lagen die veranschlagten Bauwerkskosten für alle Wohngebäude, die 2024 in Worms neu entstanden sind, bei rund 33 Millionen Euro, so die IG BAU. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis). „Jede Wohnung mehr zählt. Es gibt aber auf jeden Fall ‚Luft nach oben‘: Auch Worms braucht eine Neubau-Offensive. Ebenso mehr Sanierungen. Vor allem fürs seniorengerechte Wohnen“, so Rüdiger Wunderlich.
Auch andernorts wird die zügige Umsetzung des bundespolitisch angekündigten Wohnungsbau-Turbos gefordert: Auf einem in der Metropolregion Rhein-Main wichtigen Wohnungswirtschaftskongress in Frankfurt sprach sich etwa die Industrie- und Handelskammer (IHK) für beschleunigte Verwaltungsprozesse beim Bauen und deutlich zu verringernde Bauvorschriften aus.
Ein Aspekt, den der regionale Vorsitzende der IG BAU ebenfalls befürwortet. Ziel müsse es sein, den Neubau schlanker und günstiger zu machen: „Runter mit überzogenen Standards und kostentreibenden DIN-Normen – und dadurch rauf mit den Neubau-Zahlen“, so Rüdiger Wunderlich. Heute sei es möglich, in guter Qualität deutlich günstiger zu bauen. Gemäß einer aktuellen Wohnungsbau-Studie vom staatlichen Bauforschungsinstitut ARGE (Kiel), so die IG BAU, könnten die reinen Baukosten um ein Viertel bis zu einem Drittel gesenkt werden.
Außerdem spare auch der Staat Geld, wenn er Bauvorschriften herunterfahre: „Sinken die Baukosten, dann sinkt auch die Förderung, die der Staat aufbringen muss, damit überhaupt gebaut wird. So lassen sich unterm Strich mehr Sozialwohnungen und mehr bezahlbare Wohnungen fördern und damit neu bauen“, sagt Wunderlich.
Auf dem Wohnungswirtschaftskongress in Frankfurt wurde wiederum ergänzend betont, dass Wohneigentum ein wesentlicher Beitrag zur Vermögensgerechtigkeit und der wirksamste Schutz vor Altersarmut sei. „Unsere europäischen Nachbarländer haben das längst begriffen. Bei uns ist ein Umdenken dringend erforderlich“, so Gerald Lipka für den BFW Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland.
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