
Von Rudolf Uhrig › Wie kann die Energiewende unter veränderten politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gelingen? Mit dieser Frage beschäftigte sich am Donnerstag das EWR-Zukunftsforum im WORMSER Tagungszentrum. Alle zwei Jahre bringt der Wormser Energiedienstleister Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Kommunen und Energiewirtschaft zusammen, um über die Herausforderungen und Chancen der Energiezukunft zu diskutieren.
Bereits am Nachmittag fanden Fachvorträge und Workshops mit den Leitern der Sparten, Vertrieb, Climate Connection, Netzentwicklung und Produktentwicklung statt. Flankiert und ergänzt durch Ausstellungen zu kommunalen Produkt- und Dienstleistungsangeboten statt. Im Mittelpunkt standen unter anderem die Entwicklung der Energiemärkte, intelligente Energielösungen, energetische Sanierung sowie Infrastruktur und Netze.
Foto: Rudolf Uhrig
Am Abend stellte sich das Unternehmen im Mozartsaal mit hochkarätigen Experten der Frage: „Wie gelingt die Energiewende unter veränderten politischen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen?“ Als eine Art „Townhall-Atmosphäre“ beschrieb Moderator Markus Appelmann als Einstieg zum Abend die Stimmung, die eben Kommunikation auf Augenhöhe, Transparenz, Interaktivität und das Gemeinschaftsgefühl offen und frei charakterisiert.
„Keine Sorge, ich bin nicht gekommen um deine oder andere Arbeitsplätze zu übernehmen – zumindest nicht heute Abend – heute unterstütze ich dich bei deiner Moderation“ sagte dann der 58-Zentimeter kleine humanoide Roboter, der plötzlich auf der Bühne auftauchte und für einen ungewöhnlichen Auftakt sorgte. NAO betrat die Bühne, unterhielt sich mit Moderator Markus Appelmann und zeigte anschließend einige Tanzbewegungen. Das Publikum quittierte den Auftritt mit Szenenapplaus. Der Roboter ist allerdings längst kein Neuling auf der Bühne: NAO wird seit Jahren für Demonstrationen und Veranstaltungen eingesetzt und soll vor allem zeigen, welche Möglichkeiten moderne Robotik bietet.
Rund 260 Gäste waren nach Angaben des Veranstalters gekommen. EWR-Vorstand Dieter Lagois und Vorstandssprecher Stephan Wilhelm begrüßten die Teilnehmer. Wilhelm machte deutlich, dass die Energiewende angesichts wachsender Komplexität nur gemeinsam bewältigt werden könne. Die Herausforderungen seien größer, schneller und komplexer geworden. Umso wichtiger seien Austausch, Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung.
Auch Maximilian Abstein, Vorsitzender des EWR-Kommunalforums und Bürgermeister der Verbandsgemeinde Eich, stellte die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Energiewirtschaft heraus. Das EWR-Kommunalforum versteht sich als Netzwerk für kommunale Entscheidungsträger und fördert den Austausch sowie die gemeinsame Entwicklung von Lösungen für die Energiezukunft. Inzwischen sind mehr als 120 Kommunen in dem Netzwerk vertreten.
Einen politischen Blick auf die Energiewende warf Wirtschaftsminister Michael Ebling. Der Abschied von fossilen Energieträgern sei längst in vollem Gange, sagte er. Gleichzeitig müsse Deutschland seine Energieversorgung unabhängiger gestalten und dabei stärker europäisch denken. Entscheidend sei vor allem Verlässlichkeit. Unternehmen und Kommunen benötigten Planungssicherheit, um Investitionen tätigen und die notwendigen Veränderungen vorantreiben zu können.
Dass die Energiewende weit über den Klimaschutz hinausreicht, betonte Energieexperte Dr. Tim Meyer. Die globale Energiewende sei vielmehr eine industrielle Revolution. Die Elektrifizierung der Wirtschaft, der Ausbau und die Modernisierung der Netze sowie Digitalisierung und Flexibilisierung der Energiesysteme könnten zu wichtigen Innovations- und Wachstumstreibern werden. Gerade für Deutschland als exportorientierte Volkswirtschaft biete die Transformation deshalb erhebliche Chancen. Gleichzeitig müsse das Tempo der Energiewende weiter erhöht werden.
Der aus Gimbsheim stammende Unternehmer Harald Christ richtete den Blick anschließend auf die wirtschaftlichen Chancen des Wandels. Als Gastprofessor an der Universität der Künste Berlin beschäftigt er sich unter anderem mit Fragen der Wirtschaft und Kommunikation. In der Diskussionsrunde ging es deshalb nicht nur um die Kosten und Herausforderungen der Transformation, sondern auch um die Frage, welche wirtschaftlichen Möglichkeiten sich aus dem Wandel ergeben.
Das Zukunftsforum machte damit deutlich: Die Energiewende ist längst nicht mehr ausschließlich eine Frage von Klimaschutz und Energieversorgung. Sie betrifft ebenso Infrastruktur, Wirtschaft, Digitalisierung und kommunale Entwicklung. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, die notwendigen Veränderungen mit ausreichend Tempo und zugleich mit der erforderlichen Planungssicherheit voranzutreiben.
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