
William Tyndales bahnbrechende Entscheidung, die erste englischsprachige Bibel in Worms drucken zu lassen zog sich wie ein roter Faden auch durch die diesjährige Bürgerreise des Partnerschaftsausschusses nach St Albans. Die Teilnehmer erwartete ein an Höhepunkten reiches Programm, zusammengestellt von der Partnerschaftsbeauftragten der Stadt Worms Andrea Rastätter. Die Besichtigung eines der drei erhaltenen Exemplare dieser Bibel in der Bibliothek der Londoner St. Paul’s Cathedral war nur einer von ihnen. Neben verborgenen Winkeln in der Kathedrale abseits der Touristenströme hatte die Gruppe auch die Möglichkeit, die Spitze der riesigen Kuppel zu erklimmen, um die beeindruckende Skyline Londons auch auf Augenhöhe kennenzulernen. Zuvor hatte bereits am ersten Tag eine Bootsfahrt auf der Themse den Blick auf das Nebeneinander von weltbekannten, historischen Gebäuden und hypermodernen Wolkenkratzern ermöglicht. Die Fahrt endete in Greenwich am Royal Observatory, wo der Meridian – bekanntermaßen die Nulllinie für die Zeitzonen – als Schiene in den Boden eingelassen ist und begangen werden konnte.
Die altehrwürdige Universitätsstadt Cambridge mit ihren berühmten Colleges war das Ziel des zweiten Tages. Eine unterhaltsame, teils zweisprachige Führung offenbarte interessante Details über die Entstehungsgeschichte dieser Colleges. Häufig von Frauen gegründet, war diesen jedoch der Zutritt verwehrt, denn hier wurden der Priesternachwuchs ausgebildet und die Grundbedürfnisse der Studenten früherer Jahrhunderte gedeckt, als da waren: schlafen, essen, lernen, beten. Ein gemeinsames Abendessen mit den Freunden aus St Albans, allen voran Valerie Goodyear-Burrow und Tim Boatswain, dem die Tyndale-Aufführung in der Magnuskirche zu verdanken ist, bot nicht nur Gelegenheit für einen geselligen Austausch, sondern auch um Projekte für die zukünftige Ausgestaltung der Partnerschaft zwischen beiden Städten anzureißen.
Unter dem Titel „The book that changed the world“ (Das Buch, das die Welt veränderte) konnten William Tyndale und sein tragisches Ende auch in der St. Peter’s Church von St Albans erlebt werden.
Typisch englisch ging es am Samstagnachmittag zu, als in St. Michael’s Manor, einem ehemaligen Herrenhaus, ein traditioneller „Afternoon-Tea“ zelebriert wurde. Der Bürgermeister von St. Albans, Mayor Mathew Fisher, nutzte die Gelegenheit für einen launigen „small talk“ mit allen Teilnehmern der Delegation. Andrea Rastätter verwies auf die Geschichte, aber auch die Lebendigkeit der Partnerschaft zwischen beiden Städten und dankte für die Gastfreundschaft mit einem Weinpräsent aus Worms.
Auch wenn bis dahin ein eindeutiger Höhepunkt des Programms unter den Teilnehmern der Wormser Delegation nicht auszumachen war, bot doch der Sonntagvormittag ein weiteres ergreifendes und einmaliges Erlebnis. Einmal während seiner Amtszeit, die in St Albans auf ein Jahr begrenzt ist, wird zu Ehren des Bürgermeisters ein besonderer Gottesdienst, der „Mayoral Service“ gefeiert. In der imposanten Kulisse der Kathedrale marschierten Fahnenabordnungen verschiedener Organisationen auf, mehrere Chöre umrahmten den Gottesdienst mit ihren Liedern und zum Abschluss erklang die Nationalhymne.
Einzig das Wetter war nicht typisch englisch. Mit strahlendem Sonnenschein und spätsommerlichen Temperaturen hatte es seinen Anteil an der gelungenen Bürgerreise.
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