
Anlässlich der Sonderausstellung „Made in Worms. William Tyndale‘s New Testament 1526“ beleuchtet Worms Stück für Stück für drei Monate verschiedene Frauen der Reformationszeit. Im 16. Jahrhundert waren öffentlich auftretende Frauen unerwünscht und die männlich dominierte Geschichte ignorierte sie. Dies bedeutet aber nicht, dass es keine Frauen gab, die sich aktiv für die Reformation engagierten.
Aus dem Jahr 1524 ist belegt, dass Frauen, auch teilweise bewaffnet, zum Rathaus in Waldshut (Baden-Württemberg) zogen. Ihr Ziel war es, den wohlwollenden Prediger Balthasar Hubmaier (1485-1528) zu verteidigen, er war dem Protestantismus zugeneigt.
Frauen waren aufgrund ihrer Erziehung und Bildung häufig weder im Stande, kontrovers an Debatten oder schriftlichen Auseinandersetzungen teilzunehmen noch wurden ihre Geschichten von Historikern als bewahrenswert eingestuft. Dennoch sind vereinzelt Frauen greifbar, die sich rege an theologischen und kirchenpolitischen Diskussionen beteiligten, wie zum Beispiel Argula von Grumbach (1490-1554).
Sie war die erste Frau, deren reformatorische Worte gedruckt und verbreitet wurden. Bereits mit zehn Jahren erhielt sie von ihrem Vater eine Bibel auf deutsch und studierte sie, trotz der Verbote des Papstes, eingehend. Beim Vergleich mit Luthers Schriften fand sie Belege für dessen Behauptungen.
Als der evangelische Magister der Universität Ingolstadt Arsacius Seehofer inhaftiert und zum Widerruf gezwungen wurde, schrieb Argula 1523 nicht nur an die Professoren der Universität, sondern auch an den bayerischen Herzog zur Unterstützung des jungen Idealisten. Sie erhielt nie eine Antwort, wenngleich ihre Briefe als Flugblätter kursierten. Ihr Ehemann wurde aufgrund ihres Aufbegehrens aus dem herzoglichen Dienst entlassen, wodurch die Autorin auch privat in Bedrängnis geriet. Trotzdem hielt sie dies nicht davon ab, ihre Meinung weiterhin zu vertreten.
Für einen Monat ist nun eine Abbildung eines Flugblatts zu Argula von Grumbach zusammen mit im frühen 16. Jahrhundert entworfenen Darstellungen der weiblichen Personifikation der Grammatik, der Rhetorik und der Dialektik des Künstlers Peter Flötner (gest. 1546) zu sehen. Die Darstellungen stehen symbolisch für die Teilnahme von Frauen an Diskussionen, ob mündlich oder schriftlich.
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