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  • Mo., 13. Juli 2020, 11:08 Uhr
    OSTHOFEN: Verbände lehnen geplante Bebauung aus Gründen des Landschaftsbildes, der Naherholung, des Klimaschutzes, des Gewässerschutzes und des Artenschutzes ab

    Geplante Bebauung der „Lorchsmühle“ mit Mehrparteienblocks verhindern

    Das Foto zeigt den Wingert, auf dem in Osthofen die Mehrparteienhäuser entstehen sollen. Im Hintergrund die Lorchsmühle. Foto: NABU


    Allmählich wird die Unruhe und die Besorgnis Osthofener Bürger größer: Auf einem Wingert an der Lorchsmühle sollen auf Wunsch von Investoren große Mehrparteienblocks entstehen, was die Naturschutzverbände NABU und BUND und verschiedene Bürger auf den Plan gerufen hat. Diese befürchten eine erhebliche Beeinträchtigung eines der schönsten Teile Osthofens, einer Landschaft, die wegen ihrer Besonderheit häufig von Spaziergängern, Joggern und Radfahrern auf dem angrenzenden Spazierweg besucht wird. De ist nämlich von großer Bedeutung für Naherholung, Sport und Tagestourismus. Die Verbände kritisieren, dass mit Nachdruck schöne Rundwege um Osthofen entwickelt und erschlossen werden, doch mit der Bebauung diese Absicht konterkariert wird. „Wir haben deshalb mit Verwunderung den Beschluss des Osthofener Stadtrates zur Kenntnis nehmen müssen, im Vorhaben „B-Plan Lorchsmühle“ einen der sensibelsten Siedlungsränder Osthofens bebauen zu wollen“, trägt Ronald Schmitt vom BUND seine Bedenken vor.

    Artenschutz im Fokus der Naturschützer
    Neben dem Aspekt des Landschaftsschutzes steht der Artenschutz im Fokus der Naturschützer. Der nördlich liegende Rech ist noch einer der wenigen Lebensräume von geschützten Reptilienarten wie Zauneidechse und Blindschleiche und seltener Pflanzen. Eine Beschattung durch eine Bebauung würde dieses geschützte Biotop nachhaltig beeinträchtigen. Auch die heimische Vogelwelt ist an der Lorchsmühle mit Nachtigall und Dorngrasmücke besonders reichhaltig, was jüngst durch den BUND festgestellt wurde. Dieser sorgt sich auch um den angrenzenden Mühlgraben, der durch eine Bebauung eingeengt würde und für eine Renaturierungsmaßnahme nicht mehr zur Verfügung stünde. Eine Verschlechterung der klimatischen Situation ist ebenfalls zu erwarten, denn die Gebäude verhindern die Zufuhr von Kaltluft aus den nördlich gelegenen Weinbergen in die Ortslage, was gerade in den heißen Sommermonaten zu einer erheblichen Beeinträchtigung angrenzender Wohngebiete führt.

    Bedenken anschließen und Stellung beziehen
    Aus Sicht der Verbände ergibt sich kein städtebaulicher Zwang, Wohnraum an dieser Stelle zu schaffen, da in Osthofen aktuell zahlreiche Wohnungen entstehen. Sie berufen sich auf das Baugesetzbuch, das „eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung.... eine dem Wohl der Allgemeinheit dienende sozialgerechte Bodennutzung“ fordert. Und weiter heißt es: „Sie sollen dazu beitragen, eine menschenwürdige Umwelt zu sichern, die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen und zu entwickeln sowie den Klimaschutz und die Klimaanpassung, insbesondere auch in der Stadtentwicklung, zu fördern…“. „Diesem Grundsatz folgend, steht eine Bebauung des Gebietes „Lorchsmühle“ nicht in Einklang mit dem Baugesetzbuch“, so Matthias Bösl vom NABU, der von jedem Stadtratsmitglied fordert, sich für die Interessen der Osthofener Bürger einzusetzen. „Von ihrer Entscheidung hängt es letztlich ab, ob ein wertvolles Stück Osthofen erhalten bleibt“, so Bösl. BUND und NABU haben sich zwischenzeitlich mit den Stadtratsfraktionen vor Ort getroffen, um ihre Position darzustellen. Sie hoffen auf Osthofener Bürger, die sich den Bedenken der Naturschutzverbände anschließen und in der Öffentlichkeit deutlich Stellung beziehen.

    Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der großen Nachfrage nach Wohnraum und Baugebieten, befasste sich der Osthofener Stadtrat unlängst mit dem Thema der Ausweisung neuer Flächen und stimmte dem Ansinnen eines CDU-Antrages mit großer Mehrheit bei lediglich einer Gegenstimme zu. Demnach soll in einigen Jahren im Nordosten der Wonnegaumetropole ein Gebiet mit bis zu 50 Einfamilienhäusern realisiert werden. Im Zuge der Bautätigkeiten sollen auch durch die Renaturierung des Seebachs Ausgleichsflächen geschaffen werden.

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