
Freude im Klinikum Worms: Das Adipositaszentrum am Klinikum ist erstmalig durch die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) als Kompetenzzentrum für Adipositas und Metabolische Chirurgie unter der Leitung von Dr. Verena Ursprung zertifiziert worden und erfüllt damit höchste Qualitätsstandards in der Behandlung und Betreuung von Menschen mit krankhaftem Übergewicht. Die Zertifizierung bestätigt, dass das Adipositaszentrum alle notwendigen Strukturen und Prozesse erfüllt, um Patienten auf höchstem Niveau zu behandeln. Dazu gehören unter anderem die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen wie Chirurgie, Psychologie und Endokrinologie sowie Ernährungsberatung und Bewegungstherapie, eine intensive Vor- und Nachsorge sowie die Einhaltung strenger Qualitätskriterien. Das 2017 gegründete Adipositaszentrum ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Klinikum Worms und dem Wormser Gesundheitsnetz (WoGe).
„Extremes Übergewicht ist ein erheblicher Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen. Dazu zählen vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus, aber auch chronische Nierenerkrankungen sowie Beschwerden des Bewegungsapparates“, erklärt Chefarzt PD Dr. Markus Hirschburger, der die Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Kinderchirurgie leitet. „Darüber hinaus haben adipöse Patienten ein erhöhtes Risiko, an Krebs oder einem Schlaganfall zu erkranken. Weltweit sterben jährlich knapp drei Millionen Menschen an den Folgen von massivem Übergewicht.“
Obwohl die Zusammenhänge zwischen Übergewicht und gesundheitlichen Risiken weitgehend bekannt sind, wird oft unterschätzt, wie gravierend diese sein können. Oftmals fehlt auch das Verständnis dafür, dass Adipositas eine chronische Erkrankung ist. „Eine stärkere Sensibilisierung für die dramatischen Folgen von Adipositas ist daher essenziell“, weiß Oberärztin Dr. Verena Ursprung. Die Chirurgin und Ernährungsmedizinerin betreut mit ihrem Team im Wormser Adipositaszentrum rund 500 Patienten pro Jahr und begleitet sie auf ihrem Weg in ein neues Leben.
Die Ursachen für extremes Übergewicht sind komplex und auf eine Vielzahl von Faktoren zurückzuführen – von genetischen und körperlichen Einflüssen bis hin zu Verhaltens- und Umwelteinflüssen. „Deshalb ist es wichtig, eine Adipositas-Erkrankung in einem Zentrum zu behandeln, in dem Experten mehrerer Fachrichtungen eng zusammenarbeiten“, erklärt Dr. Ursprung weiter. Ein häufiges Vorurteil ist, dass einzig und alleine eine Operation das Mittel zum Erfolg ist. „Das ist falsch“, betont die Adipositasexpertin. „Das Behandlungskonzept in unserem Adipositaszentrum, das Teil der Viszeralchirurgie ist, ist mehrstufig. Es besteht immer aus einer Lebensstilintervention mit Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie. Erst wenn diese konservativen Maßnahmen nicht greifen, kommt eine Operation als letzte Option infrage.“
Bei einer solchen sogenannten bariatrischen Operation wird ein Eingriff am Magen vorgenommen. Die am häufigsten durchgeführten Operationsverfahren sind der Schlauchmagen, bei dem ein Teil des Magens operativ entfernt wird, sowie der Magen-Bypass.
Genauso wichtig wie die konservative Therapie und Operation ist außerdem die Nachbetreuung. „Ohne eine nachhaltige Anpassung der Lebensgewohnheiten kann der Erfolg einer Operation langfristig gefährdet sein. Daher spielt die lebenslange Begleitung durch ein Team aus Ernährungsberatern, Sportwissenschaftlern und Fachärzten eine entscheidende Rolle“, betont Dr. Ursprung. „Nur eine engmaschige Nachsorge kann langfristig die gewünschte Wirkung zeigen.“
Die WoGe lädt am Samstag, dem 8. März, ab 10 Uhr, zu einem Adipositas-Informationstag in der Pfrimmtal-Realschule Plus ein. Neben Vorträgen zur Therapie für Erwachsene wird auch das Thema übergewichtiger Kinder und Jugendlicher in diesem Jahr viel Raum einnehmen. Weitere Informationen zum Informationstag folgen.
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