Wir alle wissen, dass wir Verantwortung für unseren Konsum tragen und werten uns selbst doch viel zu gern damit auf, wofür wir Geld ausgeben, um so bald auf den damit verbundenen Statuszuwachs zu verzichten. Fernreisen und insbesondere Flüge in den Urlaub sind dabei besonders umstritten. Darf man sich das heute noch leisten?
Bewusster Konsum als Alternative
Für viele Menschen ist es ein Sport geworden, jedes Jahr teure Flugreisen zu unternehmen. Werbung verführt uns dazu, zu glauben, unser Leben sei aufregender und genussvoller, wenn wir nur genug Ressourcen verbrennen.
Um nicht die Balance zu verlieren, wird daher von Verbrauchern ein Bewusstsein für den eigenen Konsum und seine Folgen gefordert. Kritiker sehen hierin eine billige Masche vor allem der emissionsreichen Industrien, die Verantwortung auf die breite Bevölkerung abzuwälzen. Dennoch ist auch der individuelle Beitrag zum Schutz unseres Planeten nicht zu unterschätzen.
Um zum Thema zurückzukommen: Wer also gezielt wählt, welche Flugreisen er sich gönnt und statt zehn banalen Mallorca-Trips einen großen, dafür aber exzellent gestalteten Urlaub macht, steht in der Bilanz besser da.
Bis ans Ende der Welt
Ein großes Problem ist dabei, dass CO2-trächtiger Konsum wie jährliche Urlaubsflüge immer alltäglicher wird. Wir hinterfragen nicht mehr, welche Welten wir uns mit Reisen eigentlich erschließen wollen. Stellt man dem Ballermann-Besuch etwa eine individuelle Australien-Rundreise gegenüber, so ist letztere sicherlich spannender und lehrreicher. Von unserer Heimat aus gesehen liegt Australien quasi auf der gegenüberliegenden Seite der Erde. Weiter weg geht es nicht. Entsprechend fremd ist nicht nur die Kultur des Kontinents, sondern auch seine Weite und seine Landschaften. Auch die einzigartige Tierwelt Australiens erleben zu dürfen, ist eine Erfahrung, die einen das restliche Leben lang begleiten wird.
Wer sich dafür entscheidet, seltener, aber dafür bewusster zu fliegen und zu verweisen, weiß diese Erweiterung des Horizontes auch wieder zu schätzen. Diese nachhaltige und achtsame Nutzung des damit verbundenen Ressourcenaufwands macht den Unterschied.
Klimaneutralität funktioniert nicht, wie vom Kapitalismus versprochen
Wir können uns aus unserer Verantwortung auch nicht einfach freikaufen. Verbraucherschützer und Umweltexperten erklären, dass Modelle, um zum Beispiel den CO2-Ausstoß von Flugreisen auszugleichenMogelpackungen darstellen. Sie sollen das Gewissen der Verbraucher beruhigen. Greenwashing, dass sich Konzerne zudem noch bestens bezahlen lassen.
Der einzige Weg, weniger Ressourcen zu verbrauchen, ist neben der Nutzung sparsamer neuer Technologien wie zum Beispiel Bahnreisen simpler Verzicht. Das ist die unangenehme Wahrheit: Die Bequemlichkeit und der Statuskonsum, der unsere Zeit prägt, sind auf Dauer nicht durchhaltbar. Nicht, ohne unsere Zukunft zu gefährden.
Resignation hilft auch nicht
Statt nun auf diejenigen zu hören, die vor Verzicht warnen oder die Schuld bei denjenigen zu suchen, die über Gefahren der Klimakatastrophe aufklären, müssen wir Verantwortung übernehmen. Verantwortung für unseren eigenen Konsum und Verantwortung für ein System, dass den rücksichtslosen und zerstörerischen Umgang mit unserem Planeten mit finanziellen Gewinnen belohnt, statt ihn als egoistische Tat zu bestrafen. Das heißt nicht, dass Flugreisen verboten werden sollten. Es heißt, dass wir wieder lernen müssen, diese Form der Mobilität bewusster zu dosieren und die damit verbundene Freiheit achtsamer zu schätzen.