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  • Di., 28. Januar 2025, 12:00 Uhr
    TAG DES GEDENKENS: Über 400 Wormser Juden und Sinti in der NS-Diktatur deportiert und ermordet

    Jedes Menschenleben achten und schützen

    Am Mahnmal für die Opfer des Faschismus legte Oberbürgermeister Adolf Kessel für die Stadt Worms einen Kranz nieder.
    Foto: Florian Helfert

    Von Florian Helfert › „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, leitete Oberbürgermeister Adolf Kessel am Montag den Gedenktag für die Opfer des Holocaust am Mahnmal für die Opfer des Faschismus beim Lutherring ein, denn auch in Worms wurde die jüdische Gemeinde unter NS-Gewaltherrschaft vernichtet.

    Mindestens 354 Wormser jüdischen Glaubens wurden deportiert und ermordet. Schon zuvor fanden Deportationen ganzer Sinti-Familien statt. Gedacht wurde allerdings auch Kranken und Behinderten, Homosexuellen, politischen Gefangenen, Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen, die zu Zeiten des Dritten Reiches ihr Leben verloren.

    In der vorangegangenen Weimarer Republik hatten gewaltige soziale Umbrüche und wirtschaftliche Schwierigkeiten dazu beigetragen, dass sich 44 Prozent der Wählerinnen und Wähler der NSDAP zuwandten und die finsterste Zeit der deutschen Geschichte anbrach. 

    „Die populistischen Versprechungen deutschnationaler Parteien, die Arbeitslosigkeit zu besiegen, Deutschland wieder zu seiner ‚angestammten‘ Größe zu führen und die vermeintlich Schuldigen zu bestrafen, klangen verlockend für Millionen Deutsche“, leitete das Stadtoberhaupt sodann auf die Gegenwart der Ära moderner Populisten über: Heute sei wieder zu hören, dass es bei Wahlen gelte, etablierte Parteien und deren Politiker dafür zu bestrafen, dass sie Schuld am vermeintlichen Niedergang hätten.

    Gute Zeiten, schlechte Zeiten

    Doch die Geschichte lehre, dass dauerhaftes Wachstum einer Volkswirtschaft eine Fiktion sei. Jedem Aufschwung folge eine Rezession. Die gute Nachricht sei, dass jeder Rezession und jeder überwundenen Krise auch wieder ein Aufschwung folge. „Angst ist niemals ein guter Ratgeber, schon gar nicht, wenn sie derart unbestimmt ist wie unsere aktuelle Zukunftsangst und sie uns in Zeiten führen kann, von denen wir uns geschworen haben, dass wir sie nie wieder zulassen“, erklärte Kessel in Anbetracht von internationalen Unruheherden, Flüchtlingsbewegungen und dem wirtschaftlichen Wettbewerb mit unter anderem China oder auch den USA unter neuer Führung.

    Tag der Ermutigung

    „Natürlich ist der Holocaust-Gedenktag ein Tag des Nachdenkens, er ist aber auch ein Tag der Ermutigung. Wir gedenken der Vergangenheit, aber wir richten unseren Blick auch auf die Zukunft. Eine Zukunft, in der wir aus den Fehlern der Geschichte lernen und eine Welt schaffen, in der jedes Menschenleben geachtet und geschützt wird. Die Würde des Menschen ist unantastbar“, sagte der Oberbürgermeister zum Abschluss.

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