
Das hohe Mittelalter war die große Blütezeit der Stadt Worms mit einer Bedeutung und Ausstrahlung, die weit über die Region hinausreichten. Dazu gehört auch die auffallend frühe Herausbildung einer handlungsfähigen Stadtgemeinde mit der Vorform dessen, was heute als Stadtrat und Bürgerrechte bekannt ist. Als rechtliches Symbol dieser kommunalen Identität dienten im Mittelalter Siegel, mit denen Urkunden und andere Rechtsdokumente beglaubigt wurden. Das Wormser Stück gehört zur Gruppe der ältesten deutschen Stadtsiegel und wird erstmals bereits zum Jahre 1198 erwähnt.
Bislang galt ein im Stadtarchiv verwahrter Abdruck aus dem Jahre 1249 als ältestes überliefertes Original. Recherchen des Stadtarchivs förderten nun ein deutlich älteres Stück zutage: Auf einer im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden verwahrten Pergamenturkunde vom April 1226 befindet sich ein Abdruck des Wormser Stadtsiegels. Die Urkunde dokumentiert ein Rechtsgeschäft, das der Wormser Rat gemeinsam mit weiteren Beteiligten beurkundete. Bereits zwei Bürgermeister werden darin namentlich als Zeugen genannt.
Das Wormser Stadtsiegel zeigte bis um 1500 in seiner Mitte den schutzverheißenden Dompatron Petrus. Zu beiden Seiten befand sich eine profane Wehrarchitektur.
Der historische Fund wird im kommenden Band der wissenschaftlichen Zeitschrift „Der Wormsgau“ ausführlich vorgestellt und eingeordnet. Ein Beitrag von Dr. Gerold Bönnen, Leiter des Stadtarchivs Worms, erscheint dort im Herbst. Der neu entdeckte Abdruck ist ein bedeutendes Zeugnis der Wormser Stadtgeschichte und ein weiterer Beleg für die mehr als 800-jährige kommunale Tradition der Stadt.
Beitrag aus der Rubrik