
„Burchard ist nicht nur eine blasse Erinnerung an eine ferne, gute Zeit. Er bleibt ein lebendiger Zeuge.“ Das sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf am Sonntag in seiner Predigt im Wormser Dom. Dort feierte er einen Festgottesdienst anlässlich des 1000. Todestages von Bischof Burchard. Bischof Burchard war von 1000 bis 1025 Bischof von Worms. Unter anderem geht der Wormser Dom auf ihn zurück, ebenso wie viele Stifte und Klöster, in Worms etwa Pauluskirche, Andreasstift und Martinskirche. Burchard, der um das Jahr 965 geboren wurde, war politisch sehr einflussreich. Begraben ist er vor dem Altar des Westchores im Wormser Dom.
Wörtlich sagte Bischof Kohlgraf: „Burchard suchte nicht nach persönlicher Anerkennung. Das erscheint mir ein wichtiger Hinweis zu sein. Alles, was wir heute versuchen, darf weder dem Zweck dienen, das Ansehen des Bischofs zu steigern noch das Ansehen oder die Statistik der Kirche zu retten. Es geht vielmehr darum, Christus zum Strahlen zu bringen, und auch, seinen manchmal unbequemen Anspruch zu benennen. Am Ende geht es darum, Menschen zu öffnen für Christus und den Glauben an ihn. Die Kirche ist dabei Werkzeug und Instrument, nicht mehr und nicht weniger.“
Musikalisch gestaltet wurde das Pontifikalamt durch einen Chor aus Domchor und St. Martinschor sowie Domkantor Dan Zerfaß und Daniel Wolf an der Orgel.
Als bedeutender Rechtsgelehrter seiner Zeit verfasste Burchard die „Lex familiae Wormatiensis ecclesiae“, das so genannte Wormser Hofrecht, und die Kirchenrechtssammlung „Liber decretorum“.
Das Wormser Hofrecht ist eine der frühesten und bedeutendsten Rechtsaufzeichnungen einer hochmittelalterlichen Grundherrschaft. Für den Rechtshistoriker Gerhard Dilcher (1932–2024) gilt sie in der Wissenschaft als „eine der detailliertesten und genauest formulierten Rechtssetzungen dieser Zeit“ sowie als „eine aufschlussreiche Quelle in sozial- und ständegeschichtlichen Fragen“.
Der Liber decretorum wiederum war die bis dahin aufwendigste und erfolgreichste methodische Kirchenrechtssammlung, welche dank anerkannter Autoritäten, schlüssiger Gliederung und praktischer Anwendbarkeit zur beliebtesten Kirchenrechtssammlung des 11. und 12. Jahrhunderts avancierte.
Bis zum 18. Oktober ist im Wormser Dom die Ausstellung „Burchard, der Erneuerer“ zu sehen, die von der City- und Touristenseelsorge zusammen mit „atelierblau“ konzipiert und gestaltet wurde. Darüber hinaus bietet der Altertumsverein am Freitag, dem 12. September, um 19 Uhr im Haus am Dom den Vortrag „Die Wormser Burchardfeier von 1925 – ‚Pfaffendemonstration‘ oder ein ‚Fest der ganzen Stadt‘?“ von Dr. Burkhard Keilmann an.
Das Stadtarchiv Worms und die Akademie der Wissenschaften Mainz veranstalten außerdem vom Donnerstag, dem 16. Oktober, bis Samstag, dem 18. Oktober, im Haus am Dom eine wissenschaftliche Tagung zum Thema „Burchard von Worms: Ein Bischof und seine Welt“.
Auch das Abschlusskonzert der Reihe „via mediaeval“ des Kultursommers Rheinland-Pfalz greift am Samstag, dem 18. Oktober, im Wormser Dom mit mittelalterlicher Musik unter dem Titel „In Memoriam Burchardi“ das Jubiläum auf.
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