Der Vorsitzende des Seniorenbeirates, Heiner Boegler, hat aus Ärger über Teile der Stadtverwaltung überraschend sein Amt niedergelegt
Politisches Urgestein wirft Handtuch
Heiner Boegler war stets ein engagierter und aufrechter Demokrat, der immer für die Interessen der „kleinen Leute" eintrat. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Der Vorsitzende des Wormser Seniorenbeirates, Heiner Boegler, hat am 12. Januar Oberbürgermeister Michael informiert, dass er von seinem Amt zurücktritt. Auch werde er bei der Neuwahl des Seniorenbeirates im Herbst diesen Jahres nicht mehr antreten. Die Nachricht schlug wie eine Bombe ein, denn bis Montag gingen alle Beteiligten davon aus, er werde den Beirat auch die nächsten Jahre führen. Am Montag, dem 20. Januar, wird der Seniorenbeirat eine außerordentliche Mitgliederversammlung durchführen und den Nachfolger wählen.
Heiner Boegler war seit 2009 gewählter Vorsitzender des Seniorenbeirates und hat in dieser Funktion mächtig „Gas gegeben” und viel bewegt. Mit akribischer Arbeit, viel Engagement und einem Gespür für Öffentlichkeitsarbeit hat er es geschafft, Seniorenthemen ins Rampenlicht zu bringen. So hat Heiner Boegler etwa die Belange der älteren Mitbürger bei der Vergabe der Buslinie vehement vertreten oder die Besuchsausflüge für Senioren in den Tierpark zum Erfolg geführt. Er war nie bequem und hat sich stets mit den „Mächtigen” angelegt. Dabei war Heiner Boegler teilweise stur wie ein Panzer und sehr beharrlich. Dadurch hat er Erfolge erzielt, aber dies war auch der Grund, warum er sein Amt zur Verfügung gestellt hat, denn letztlich konnte er natürlich nicht jede Hürde nehmen und spürte immer mehr Widerstand. Aber dies wollte oder konnte Heiner Boegler nicht akzeptieren. In einem Schreiben an den NK nennt der ehemalige Vorsitzende als Grund für seinen Rücktritt, dass er von Teilen der Stadtverwaltung nicht die erwartete Unterstützung erfahren habe.
Sein ganz großes Thema war die Wiedereinführung des augenärztlichen Notfalldienstes in Worms, der so, wie ihn Heiner Boegler haben wollte, nicht zurück kommt. Und dies gab wohl auch den Ausschlag für seinen Rücktritt, denn am 3. Dezember fand zu dem Notfalldienst eine Gesprächsrunde zwischen Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Oberbürgermeister Michael Kissel und Heiner Boegler statt. Hierbei stand Heiner Boegler mit seiner Forderung letztlich aber alleine und auch ein Unterschriftenliste mit 3.700 Namen für die Wiedereinführung des Dienstes wollte die KV nicht annehmen.
Heiner Boegler erklärte, dass er seine Entscheidung über die Weihnachtsfeiertage gründlich überdacht habe und dann seinen Entschluss zum Rücktritt gefasst habe. Seien Familie und Gesundheit seien ihm nun wichtiger.
Heiner Boegler ist wohl eines der letzte politischen Urgesteine in Worms. Die Bezeichnung „Urgestein” wird häufig und inflationär verwendet, aber auf Heiner Boegler trifft sie im positiven Sinne zu. Neben dem Seniorenbeirat ist er unter anderem im Bündnis gegen Naziaufmärsche und dem Sozialverband Deutschlands aktiv. Seine langjährige SPD-Mitgliedschaft hatte er aus Protest gegen die Hartz-Gesetzgebung unter Kanzler Helmut Schröder beendet. Seitdem war er parteilos.
Heiner Boegler wirkt manchmal etwa kauzig, aber wer ihn kennt, weiß, er ist ein herzensguter, liebenswerter Mensch, der sich stets für die Schwachen der Gesellschaft einsetzt, die ohne ihn häufig keine Stimme gehabt hätten.