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  • Di., 25. August 2026, 11:01 Uhr
    Jazz & Joy: 19.500 Besucher feiern das Jubiläums-Festival

    Publikumsmagnete und Jazz-Juwele

    Beim Sonderkonzert am Freitagabend begeisterte Clueso 3.300 Fans.
    Fotos: Rudolf Uhrig

    Von Rudolf Uhrig › Seite an Seite standen am Freitagabend – bei eher durchwachsenem Wetter – das eng miteinander verwobene Geflecht aus Kultur, Politik und Stadtverwaltung der Nibelungenstadt Worms gemeinsam mit der Landesregierung Rheinland-Pfalz auf der Volksbank-Bühne am Weckerlingplatz: KVG-Prokuristin Katharina Kaiser, KVG-Geschäftsführer Markus Reis, Kulturminister Seven Teuber, der zuständige Kulturdezernent der Stadt Peter Englert und Dr. David Maier, künstlerischer Leiter des Festivals Worms: Jazz & Joy. Gemeinsam eröffneten sie die diesjährige Ausgabe, die dieses Jahr eine ganz besondere ist, denn es wird das 35. Jubiläum vom Festival gefeiert. 

    Zunächst begann das Jubiläumsfestival eher „verhalten“. Und das lag keinesfalls am Line-up. Auch in diesem Jahr war Jazz & Joy mit 33 Bands und Künstlern hochkarätig besetzt. Doch der Wetterumschwung von extremer Hitze zu kühlen, fast herbstlichen Temperaturen war am Freitagabend und auch am Samstag deutlich zu spüren. Dafür machte der Sonntag einiges wieder wett. Das Fazit: 19.500 Besucher flanierten von Bühne zu Bühne – zwischen Weckerlingplatz, Schlossplatz, Marktplatz und Jugendherberge.

    Der Start der Jubiläumsausgabe war geglückt: 3.300 Fans wollten Clueso am Freitagabend beim Sonderkonzert auf dem Marktplatz sehen und hören. Gute-Laune-Musik zwischen Pop, Hip-Hop, Reggae und Rock, dazu Titel wie „Chicago“, „Gewinner“, „Achterbahn“, „Zusammen“, „Pizzaschachteln“, „Gib mir was Echtes“ und „Tanzen“ – kurze, prägnante Songs, die die textsichere Fangemeinde fach- und sachkundig mitsang.

    Die Headliner lieferten

    Josh mit seinem Austria-Pop kam beim dicht gedrängten Publikum auf dem Marktplatz bestens an. Eine perfekte Bühne für den Österreicher, der natürlich auch mit dem berühmt-berüchtigten Wiener Schmäh nicht zurückhielt und einige Seitenhiebe auf deutsche Marotten – direkt vor dem Rathaus – ganz beiläufig servierte.

    An gleicher Stelle stand am Abend der britische Singer-Songwriter und ehemalige Frontmann von Mike + The Mechanics, Paul Carrack, auf der Bühne. Er präsentierte seine zeitlosen, souligen Welthits und Klassiker und war – wie erwartet – ein absoluter Publikumsmagnet. Seine unverkennbare Stimme und die handgemachte Pop- und Soulmusik sorgten generationenübergreifend für beste Laune und großen Applaus.

    Gleicher Ort, 22 Stunden später: Thomas D & The KBCS. Das Fanta-Vier-Mitglied verpasste seinen alten Solo-Hits und Fanta-Klassikern ein komplett neues Gewand. Begleitet von der Hamburger Instrumental-Jazzband The KBCS entstand ein hochgradig tanzbares, dichtes Fundament aus Hip-Hop, Funk, Jazz und Retro-Soul.

    Musikalische Entdeckungen abseits der großen Namen

    Doch zwischen den großen Namen galt es auch, wahre Schätze zu entdecken – etwa Botticelli Baby. Absolut mitreißend präsentierte sich auch die fünfköpfige Band Mama Shakers aus Paris: unbändig, vital und voller Energie.

    Die Franzosen spielten keinen klassischen, steifen Jazz, sondern eine wilde, frische Mischung aus tanzbarem Jazz und Blues der 1920er- und 1930er-Jahre. Angereichert wurde das Ganze mit Elementen aus Bluegrass-Swing, Blues und alten Chansons.

    Der schwedisch-französische „singende und tanzende Wirbelwind“ Angela Strandberg ist dabei nicht nur das Herzstück, sondern der absolute Mittelpunkt der Band – ob am Gesang, an der Trompete oder am Waschbrett. Sie federte, sprang und hüpfte passend zu den rasanten Beats der „Roaring Twenties“ über die Bühne. Mit einer quirligen Dynamik, die das Publikum auf dem Weckerlingplatz sofort ansteckte und zum Mitwippen animierte.

    Abseits der Hauptbühnen entpuppte sich die Mannheimer Band Kalkyl als eine der absoluten musikalischen Überraschungen des diesjährigen Line-ups. Mit frischen Sounds sorgte sie auf der Bühne vor der Jugendherberge für beste Laune.

    Ein rhythmisches Kraftwerk, ein virtuoser Energiebolzen des Modern Funk – das wären wohl noch fast untertriebene „Titel“ für Vincen Garcia. Der virtuose spanische Bassist aus Valencia brachte das Publikum mit seiner energiegeladenen, funkigen Performance auf dem Weckerlingplatz zum Kochen.

    Lady in Red

    Emma Smith – die Lady in Red – faszinierte das Festivalpublikum mit ihrer herausragenden stimmlichen Präsenz. Und nicht nur das: gekonnt, lasziv, aber immer elegant und zugleich rebellisch, bot sie auch etwas fürs Auge.

    „I'm the Greatest Star“, „Make It Another Old Fashioned, Please“ und „Frim Fram Sauce“ waren ebenso von ihr zu hören wie „Dirty Love“ und „I’ve Got More Than I Need“. Groovige, modern arrangierte Stücke, die perfekt zu ihrer Attitüde auf der Bühne passten.
    Die 35-jährige Londonerin stammt aus einer wahren Jazz-Dynastie. Bereits ihr Großvater spielte Posaune – und zwar bei keinem Geringeren als Frank Sinatra.

    Der Schlossplatz bot fast schon ein eigenständiges Programm. Unterhalb des beobachtenden Barbarossa hat er die Stellung des einstigen Andreasstifts eingenommen. Ein Juwel für wahre Jazz-Enthusiasten.

    „Auf Leute zu treffen, die begeistert von unserem Festivalprogramm und der einzigartigen Atmosphäre vor den Bühnen verweilen und neue Musik entdecken, ist ein tolles Kompliment“, befand David Maier in seinem Resümee.
    Wer seinen Urlaub 2027 nach dem Jazzfestival-Wochenende planen möchte, sollte sich den Termin schon einmal vormerken: Jazz & Joy findet vom 13. bis 15. August 2027 statt.

     

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