
Der Stadtverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Worms traf sich im Weingut Sandwiese mit den Bundestagswahlkandidatinnen und -kandidaten, um zentrale politische Themen im Vorfeld der Wahl zu diskutieren. Unter den Teilnehmenden waren Markus Trapp (SPD), Lukas Böhm (Bündnis 90/Die Grünen), Konstantin Guntrum (FDP) und Julia Stange (Die Linke). Jan Metzler (CDU) entschuldigte sich im Vorfeld, weil er aufgrund eines nachvollziehbaren anderen Termins nicht teilnehmen konnte. Moderiert wurde die Fragerunde vom Vorsitzenden des DGB-Stadtverbandes Malte Pertzsch.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und der Übergabe des gewerkschaftlichen Forderungskatalogs an die Kandidierenden folgte eine intensive Diskussion zu den Themen Rente, Fachkräftemangel und Demokratie.
Beim Thema Rente waren sich die Diskussionsteilnehmenden einig, dass das derzeitige Rentenniveau von 48 Prozent nicht ausreicht. Während Konstantin Guntrum (FDP) betonte, dass neue, kapitalgedeckten Finanzierungsmodelle notwendig seien, um den Generationenvertrag zu sichern, sprachen sich Markus Trapp (SPD) und Julia Stange (Die Linke) weniger für eine Aktienrente, sondern für eine solidarische Einbeziehung aller Erwerbstätigen in die Rentenkasse aus, was bedeutet, dass auch Beamtinnen und Beamte sowie Selbständige in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen sollen.
Lukas Böhm (Grüne) verwies zudem auf die Wichtigkeit von guten Tarifabschlüssen, denn nur wenn gute Löhne gezahlt würden, könne dies zu einer guten Versorgung im Alter beitragen. Als weiteren Punkt nannte Böhm die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern, die insbesondere für Frauen ein Faktor ist, der zu einer niedrigeren Rente führt.
Da fast drei Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss haben, möchte sich Lukas Böhm im Bundestag für die umlagefinanzierte Ausbildungsgarantie einsetzen und dafür, dass Praktika bezahlt werden. Für Markus Trapp fängt der Fachkräftemangel im Kindergarten an. Er will sich als Bundestagsabgeordneter für mehr Investitionen in Kitas und Schulen einsetzen, denn an den Kindern dürfe man nicht sparen.
Auch Julia Stange sprach sich für mehr Unterstützung von Kindern aus – angefangen vom bezahlbaren Wohnraum bis hin zum Ausbau des ÖPNVs. Zudem wies sie im Hinblick auf den Fachkräftemangel darauf hin, dass die Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen viel zu lange dauert und dass diese Menschen überwiegend hervorragend qualifiziert seien. Dem stimmte Konstatin Guntrum zu, denn auch er ist der Meinung, dass Zugewanderte viel schneller in Arbeit kommen müssen und zudem ein Bürokratieabbau notwendig ist.
Einig waren sich alle Kandidatinnen und Kandidaten, dass mehr investiert werden muss: In die Infrastruktur - wie die Schiene, in die Sanierung der Straßen und in den ÖPNV. Ergänzt wurde die Aufzählung um einen Bahnhaltepunkt im Norden der Stadt Worms. Ebenfalls Konsens war, dass die Kommunen mehr Unterstützung brauchen, um ihre Aufgaben zu bewerkstelligen.
Zum Abschluss wurde auch über die Demokratie und den Umgang mit extremistischen Parteien gesprochen. Während Lukas Böhm der Meinung war, dass der Bundestag den Weg frei machen sollte für die Prüfung auf Verfassungswidrigkeit und damit ein Verbot beim Bundesverfassungsgericht initiiert werden müsse, äußerten sich Julia Stange und Konstantin Guntrum skeptisch gegenüber einem solchen Verbot. Sie betonten, dass dadurch die Ursachen des Problems nicht behoben würden.
Am Ende zogen Malte Pertzsch und der DGB Worms ein positives Fazit: „Das war ein wichtiger Austausch und man konnte sich gut ein Bild davon machen, wer die Themen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Blick hat. Auch nach der Wahl werden wir mit der Politik im Kontakt bleiben. Wir setzen auf Dialog statt Politik hinter verschlossenen Türen“, so DGB-Stadtverbandsvorsitzender Malte Pertzsch abschließend.
Beitrag aus der Rubrik