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  • Mo., 17. Juni 2013, 08:40 Uhr
    Vortragsabend der Evangelischen Erwachsenenbildung im Wormser Heylshof

    Reuchlin und der Streit um die Bücher der Juden

    Der Humanist Johannes Reuchlin gilt als erster Erforscher des Judentums und speziell seiner Sprache. Er war ein engagierter Freund und Verteidiger jüdischer Bücher. Am Freitagabend war der Klassische Philologe Dr. Matthias Dall’ Asta von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften zu Gast im Heylshof, und nahm sich dem berühmten Humanisten sowie dem Streit um die Bücher der Juden an.

    Und doch - aller Wissenschaft zum Trotz - sei Johannes Reuchlin ein Kind seiner Zeit und damit auch ein Kind des Antijudaismus seiner Zeit, betonte Dall’ Asta gleich zu  Beginn.

    Der Vortrag in der Lutherstadt Worms führe ihn zurück an die Anfänge seiner Beschäftig mit Reuchlin, bekannte der Philologe, der gerade nach Abschluss der kommentierte Ausgabe von Reuchlins Korrespondenzen an einer Ausgabe von Melanchthons Briefwechsel arbeitet. Eben von jenen zwei Figuren des Lutherdenkmals, mit denen er sich so intensiv beschäftigt, wurden in der Mitte der 90er-Jahre Gipsabdrücke genommen und zwei Repliken in Pforzheim aufgestellt. Eine weitere Querverbindung nach Worms ist nur den Wenigsten bekannt: Während des Wormser Reichtages hielt sich Reuchlin zeitweise in der Nibelungenstadt auf.

    In einem Gutachten über das jüdische Schrifttum zitierte Dall’ Asta Reuchlin mit einem eindrucksvollen Vergleich: „Wir sollen die, welche nicht Christen sind, ungekränkt lassen und nichts von dem ihrigen begehren. Darum sollen wir ihre Kinder nicht taufen und ihnen ihre Bücher nicht wegnehmen, denn Bücher sind manchen so lieb wie ihre Kinder.“

    Martin Luther selbst bezeichnete den Humanisten als einen „tapferen Mann“, ein „Werkzeug göttlichen Ratschlusses“. „Er gehörte zu denen, die auf Reuchlins Seite stehen wollten, fand aber keine Gelegenheit dazu“, erklärte Dall’ Asta. Nicht alle sahen in Reuchlin den weisen Wissenschaftler: Johannes Pfefferkorn, ein deutscher Jude, der zum Christentum konvertierte, rächte sich für Reuchlins abweichende Meinungen, indem er heftig gegen ihn polarisierte.

    Zum Thema Reuchlin und Toleranz nahm Dall’ Asta eine klare Stellung: „Ich scheue mich nicht, im Zusammenhang mit Reuchlin von Toleranz zu sprechen – andere sehen das anders.“ Reuchlin selbst habe sich immer wieder gegen die Vorwürfe der Theologen verwahrt, seine in seinem Werk „Augenspiegel“ geäußerten  Meinungen seien helvetisch.

    Die Evangelische Erwachsenenbildung hatte sich nicht zum ersten Mal mit Reuchlin beschäftigt: Bereits 2010 fand eine Studienreise in das Melanchthon-Haus in Bretten und in diesem Zuge auch in das Johannes-Reuchlin-Museum in Pforzheim statt.

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