
Von Rudolf Uhrig › Die Restaurierung des Domes schreitet voran. Bis zu 400.000 Touristen kommen auch ganz speziell nach Worms, um den 1000-jährigen Sakralbau zu sehen. Leider ist er in den letzten Jahren – mal hier mal dort – eingerüstet. Massiv erstreckt sich derzeit das Gerüst über einen Großteil der Südseite. Sie bietet somit, mit viel Phantasie, eine gewisse eigene visuelle Semantik. Seit Freitag nun aber ist daraus ein echter Hingucker geworden, denn das größte Transparent, das je eine Wormser Fassade zierte, wurde hier am altehrwürdigen Dom enthüllt. 26 x 17 Meter misst das winddurchlässige, aus gut gesicherten Mesh-Gewebe bestehende Banner.
Es ist ein Werk des Wormser Konzeptkünstlers Eichfelder. Aber der sinngebende Zweck jenes Transparents mit seinen über 400 Quadratmetern ist nicht das Kunstwerk als solches, sondern es soll auf das 100-jährige Jubiläum des Caritasverbandes Worms e.V. hinweisen und aufmerksam machen.
Viele „Hinweise“ darauf findet der Worms-Besucher in der Stadt. So das große, rote Banner am Lutherring, aber auch nochmals in Domnähe, am ehemaligen Kreuzgang. „Ja, wir möchten damit auf unser großes Jubiläum, auf unser 100-jähriges Bestehen in Worms, aufmerksam machen, es soll sich wie ein ‚roter Faden‘ durch die Stadt ziehen“, sagt Caritasdirektorin Ulrike Kunz am Freitagmorgen beim Enthüllen des Transparents. Neben Festen und Kunst-Aktionen steht der Höhepunkt Ende Mai an. Am Freitag und Samstag, dem 23. und 24. Mai, wird es auf dem Domplatz ein großes Fest geben mit Angeboten für die ganze Familie, Ständen der Caritas-Fachbereiche sowie Musik und Verpflegung.
Foto: Rudolf Uhrig
Wie kam es aber zu jener Idee. Denn das Transparent zeigt bei richtigem Licht gesehen in abstrahierendem Linienmuster das Gesicht, oder sogar nur einen Ausschnitt davon, von der Caritas Figur, die im Bogengang des Südportal-Eingangs zu sehen ist. Sie entstand zu spätromanischer Zeit, etwa im 13. Jahrhundert. „Hausherr“ und Dom-Kenner, Domprobst Tobias Schäfer, brachte Eichfelder auf die Idee. Eichfelder bediente sich da eines Fotos aus dem Stadtarchiv, das wohl in den 30er Jahres des letzten Jahrhunderts entstand.
Eichfelder selbst ist in Worms als geschätzter Künstler etabliert. In jungen Jahren schuf er „Siegfrieds Grab“ am Torturmplatz. Und erst im Februar dieses Jahres ging die vielbeachtete Ausstellung „Mythos Worms“ im Andreasstift zu Ende. Und da wurde eine weitere Idee geboren, denn zentrales Thema war, Worms als verkannte Kaiserstadt sichtbar zu machen. Ein Thron, der Thron von Worms mit doppelten Seiten, entstand. Dieser wird vom 18. Mai an künftig auf dem Weckerlingplatz zu sehen sein. Eichfelder schuf sich damit – wenn auch unbeabsichtigt und nur temporär – eine „eigene Eichfelder-Achse“ zwischen Dom und Thron.
In Anbetracht des 13 x 9 Metern umfassenden Transparentes „ Luther vor dem Reichstag in Worms“ des Malers Anton von Werner (1877) an der Fassade des ehemaligen Gesundheitsamts in der Dechaneigasse Ecke Andreasstraße verwies Museumsleiter Dr. Olaf Mückain eher scherzhaft gemeint auf die kontrastierende Bedeutung jener beiden Transparente hinsichtlich der Konfessionen hin. Mit einem Blick kann man nun beide Transparente sehen.
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