Gemeinsame Aktion gegen Spielsucht klärte am Mittwoch auf dem Wormser Ludwigsplatz auf
Tückische Krankheit mit unabsehbaren Folgen
VON REGINA URBACH Zwölf Millionen Euro wurden 2012 in Worms an Spielautomaten verspielt – quasi in die Tonne gekloppt. Darauf machte am Mittwoch der Aktionstag „Glücksspielsucht“ der Caritas in Kooperation mit der Landesfachstelle „Prävention der Glücksspielsucht“ mit einer Schau-Vernichtung nachgedruckter 500-Euro-Scheine aufmerksam. 24.000 solcher Scheine wären nötig gewesen, um die Summe fassbar zu machen, weniger mussten symbolisch genügen. Mirko von Bothmer (Suchtberatung Caritas Worms), Christiane Brandt (Suchtbeauftragte Stadtverwaltung), Jürgen Hasselbach (Suchtbeauftragter ebWo), Vertreter einer neu gegründeten Selbsthilfegruppe und das Team des „Café Ninive“ klärten über das erschreckende Ausmaß der Sucht auf.
„Wie hoch sind die Gewinnchancen tatsächlich?“ Antworten auf diese und andere Fragen gab eine Bodenzeitung. Das Feedback bei den Ansprechpartnern war groß. „Rund zwei Prozent der Bevölkerung sind süchtig – quer durch alle Schichten“, schätzt Hasselbach. „Landläufig wird die Sucht, die seit 2001 als Krankheit gilt, als Charakterschwäche abgetan.“ Angesichts unabsehbarer finanzieller Folgen für die Umgebung Betroffener ist Unkenntnis hier gefährlich. Eine hohe Dunkelziffer vermutet von Bothmer bei der Computerspielsucht Jugendlicher, offiziell nur 20 Prozent der Klienten der Caritas-Beratung. Führt man sich vor Augen, dass in Worms heute drei Mal so viele Spielgeräte stehen wie vor zehn Jahren, sind Aktionen wie diese bitter nötig.
Aktionsstand der Caritas auf dem Ludwigsplatz beim Aufbau mit aufgehängten 500-Euro-Nachdrucken. Foto: privat