
Von Rudolf Uhrig › Wenn etwas in Rheinhessen zum dritten Male stattfindet, dann spricht man von Tradition. Und so hat sich nun ein neues Fest in Worms, das von Donnerstag bis Sonntag Tausende anlockte, in die Annalen eingetragen: Die Wormser Weinmeile. Auch mit der Regelmäßigkeit, dass es zur Eröffnung regnet und schlechte Witterung herrscht.
Dass man aber all diesen Widrigkeiten trotzt, zeichnet den feierfreudigen und trinkfesten Rheinhessen aus. Insofern kann kommen, was da wolle – Die Weinmeile wird auch im nächsten Jahr eine Neuauflage erfahren, darüber sind sich der Vorsitzende des ausrichtenden Stadtmarketingvereines Helmut Engler und sein Kollege Kai Hornuf einig. Der Termin steht mit 23. bis 26. April auch schon fest. Zumal bei der Eröffnung Oberbürgermeister Adolf Kessel explizit darauf hinwies, dass dies unter den Augen von Martin Luther stattfindet, der selbst nicht nur einen Weinberg pflegte, sondern sich wohl auch der aphrodisierenden Wirkung des göttlichen Getränks bewusst war.
Katja Klemmer als amtierende rheinhessische Weinprinzessin wusste, dass Worms die größte weinbautreibende Stadt in Rheinhessen und die drittgrößte in der ganzen Republik ist. Insofern: Start frei für den nun etablierten Event. Und das lockte am Samstagmittag hunderte von Gästen an. Wobei auch die kleinen Besucher beim Sprungbrett auf dem Schlossplatzt, den die „Trappenberger“ aufbauten, bereits viel Spaß hatten.
Mit Wein-Bummelpass (für 20 Euro) ausgestattet, ging es auf die „Weinmeile“, die bereits die Römer anlegten. Denn sie folgt der Stadtmauer-Ringanlage von einst, also vom Parmaplatz, den einstigen „Verkehrshäuschen“ bis über „Wergers Eck“ zur wunderschön neu restaurierten Stadtmauer mit Andreastor und der Neuanlage des Areals gegenüber dem ehemaligen Hochstift.
Käse, Crêpes, Quiche, Saumagenburger, Bratwurst, Steak und auch Pizzen gab es… und: Wein! Zehn „Wingertshäuschen“ hatten die Winzer aus Worms und seinen Stadtteilen aufgebaut. 18 an der Zahl boten neue Weine aus 2024, aber auch erlesene Gaumenfreuden aus den Jahren zuvor. Man traf Freunde, Gäste von überall, auch ein Paar aus Mannheim, das total von diesem Event schwärmte. Ja, es gab auch Einheimische, die ihren Kurzurlaub so legten, dass sie auf jeden Fall am Sonntag die Weinmeile bei schönstem Wetter voll und ganz genießen konnten. Echte Wormser eben! Wenngleich Thomas Goller, der Stadtbürgermeister von Osthofen, nicht müde wird zu betonen, dass die Wormser die Weinmeile von Osthofen „abgekupfert“ haben.
Der Samstagabend toppte alles, die Weinmeile wurde zum Volksfest. Tausende machten sich auf, von Weinstand zu Weinstand, von Winzer zu Winzer entlang den illuminierten Kegeln und Pyramiden. Julian Thome begeistere mit Pop, Rock, Country und Folk am „Wergers Eck“. Und das Akustik-Duo aus der Westpfalz, die „Peifedeggel“, sorgten mit Livemusik auf dem Lutherplatz für beste Unterhaltung und Stimmung.
Ein Wermutstopfen ist, dass die Weinmeile gar keine Meile ist, sondern nur eine halbe… Es könnte also sein, dass die Macher den Weckerlingplatz mit einbeziehen und so dem namensgebenden Längenmaß näher kommen, denn bald schon wird dort Eichfelders Janus-Thron stehen; römischen Ursprungs, wie die Stadtmauer und der Wein.
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